Dienstag , 17 Oktober 2017
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Ann-Kathrin Ziegers modischer Beitrag zur Synästhesie

Fluch oder Segen? Ann-Kathrin Ziegers modischer Beitrag zur Synästhesie

„Stell dir vor, du kannst Musik schmecken, Musik in Farben sehen. Vielleicht schmeckt ein Lied bitter oder unangenehm, es ist einfach unausweichlich.“ Fasziniert vom Phänomen der Sinnesverknüpfung entwirft Ann-Kathrin Zieger ihre Abschlusskollektion zu diesem Thema. Trotz der Komplexität von Synästhesie ist die ESMOD-Absolventin nicht die einzige, die darin ihre Inspirationsquelle findet. Beim New Blood Berlin Award, ein Preis für talentierte Graduates der Berliner Modehochschulen von Fashionstreet-Berlin, wurde das Thema unter den Finalisten gleich zweimal aufgegriffen (wir berichteten).

Schon beim Klick auf ihre Website zeigt sich die interdisziplinäre Herangehensweise der 27-jährigen: Jedem Outfit ihrer Herbst/Winter 14 Kollektion ist eine eigene Melodie zugeordnet; Macrame-Pullover und aufgebrochene Jacken verbildlichen die Sinnesverknüpfung. Heruntergekommene Fassaden und Rohbauten dienen als Foto-Locations für eine Kollektion, deren Silhouetten „von der Vorstellung einer Last auf den Schultern, der Bürde eines Obdachlosen“ inspiriert sind. Trotz der Verworrenheit des Phänomens gelingt es Zieger, die Motive der Synästhesie zu veranschaulichen und im modischen Schaffensprozess ästhetisch umzusetzen.

„Ich wollte das Thema verstehen und eine andere Form des Ausdrucks dafür finden“, erklärt Zieger zur Entstehung ihrer Kollektion. „Ein Freund von mir war der Meinung, ich sei selbst Synästhetikerin, also machte ich mich daran, es herauszufinden.“
Auch im eigenen Bekanntenkreis nahm Zieger nach ihrer Recherche immer mehr Leute war, die von der neurologischen Begabung betroffen sind. „Jeder von ihnen hat eine andere Art der Synästhesie, doch was uns verbindet ist die Tatsache, dass man die Wahrnehmung des anderen versteht.“

Dass die Berlinerin Herrenmode entwerfen würde, zeichnete sich schon früh ab. „Die Pullover meines Vaters fand ich schon immer spannender als die Stöckelschuhe meiner Mutter. In der Männermode gibt es ein viel größeres Spektrum, etwas Neues zu kreieren. Männer werden immer aufgeschlossener, was avantgardistische Mode angeht.“

Trotz  ihrer Leidenschaft für Mode, welche Zieger als eine Art „Architektur um den menschlichen Körper“ bezeichnet, bleibt sie bei ihren Projekten weiterhin interdiszplinär. Derzeit ist sie als Kostümbildnerin für Langspiel- und Kinofilme tätig, doch auch im Bereich Theater könnte sie sich vorstellen, zu arbeiten. „Zwar habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zur Modewelt, aber hoffe dennoch, dass ich weiterhin am Schaffensprozess der Mode beteiligt sein kann. Mir macht es Spaß mit Materialien zu arbeiten und es wäre toll, zu den Privilegierten zu gehören, die in dieser Welt tätig sein können.“

Angesichts von solchem Talent sehen wir von fashionstreet-berlin keinen Grund für so viel Bescheidenheit und  wünschen Ann-Kathrin Zieger weiterhin viel Erfolg!

Autor: Marlene Blaul – Fotos: Ann-Kathrin Zieger

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