Der Berliner Salon kehrt zurück an einen der eindrucksvollsten Orte der Stadt und beweist einmal mehr, wie kraftvoll Mode im Dialog mit Kunst sein kann. In der Gemäldegalerie am Kulturforum treffen zeitgenössische Designs auf jahrhundertealte Meisterwerke – und genau aus diesem Spannungsfeld entsteht eine neue Wahrnehmung von Kleidung, Körper und Identität. Zwischen Renaissance-Porträts und barocken Historiengemälden entfaltet sich eine kuratierte Gruppenausstellung, die den Blick auf die Zukunft der Modeszene richtet: vielstimmig, experimentell und selbstbewusst.
Die Präsentation setzt bewusst auf Kontraste. Die Ruhe und Strenge der Gemälde verstärken die Ausdruckskraft der gezeigten Looks, während die Mode den historischen Raum neu auflädt. Kleidung wird hier zur Form der Selbstinszenierung, zum Statement über Herkunft, Rollenbilder und persönliche Narrative. Identität ist kein fixer Zustand, sondern etwas, das sich im Wechselspiel von Vergangenheit und Gegenwart immer wieder neu formt.
Wenn Mode mit Geschichte spricht
Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der vertretenen Designsprachen. Skulpturale, voluminöse Pieces von LENNART BOHLE stehen neben poetisch-provokativen Entwürfen von LITHIUM OAK – etwa eine Jacke mit dramatisch ausgestelltem Kragen, aus dem lange weiße Haarsträhnen herabfallen. Solche Looks wirken im musealen Kontext fast wie eigenständige Kunstwerke und treten dennoch in einen stillen Dialog mit den dargestellten Figuren an den Wänden.
Der Berliner Salon versteht sich dabei nicht nur als Ausstellungsformat, sondern als Plattform für eine neue Generation von Designer:innen, die traditionelle Kategorien hinterfragt. Mode wird nicht als dekoratives Beiwerk gelesen, sondern als kulturelle Praxis, die Geschichte reflektiert und zugleich neue Perspektiven eröffnet.
Trinh Minh Trang Duong: Die Sanftheit des Widerstands
Eine spannende Positionen stammt von der jungen Designerin Trinh Minh Trang Duong, deren Arbeiten sich intensiv mit Identität auseinandersetzen. „Meine Marke erforscht Identität als etwas, das von Kultur, Geschichte und Erwartungen geprägt ist.“ Durch Kontraste von Weichheit und Struktur fordert sie auferlegte Rollen durch sanften, aber bewussten Widerstand heraus, erklärt sie.
Diese Haltung spiegelt sich klar in ihren ausgestellten Pieces wider: Ein pinkes Latexkleid, kombiniert mit einem karierten Unterkleid inspirierten an französischen Volantunterhosen , wirkt zugleich verspielt und konfrontativ. Daneben ein drapiertes Korsett mit voluminösem Rock, gelayert aus stretch Kunstleder und silbrig schimmerndem Material – kraftvoll, körperbetont und dennoch offen für Interpretation. Die Looks behaupten Präsenz und fügen sich überraschend selbstverständlich in den kunsthistorischen Kontext ein.
Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Fashion x Craft-Sondersektion, in der Studierende mit traditionellen Handwerkstechniken arbeiten, eine stimmige Randnotiz, die den generationsübergreifenden Ansatz des Events unterstreicht. Insgesamt zeigt der Berliner Salon: Mode kann Geschichte tragen, ohne von ihr erdrückt zu werden und genau darin liegt ihre Stärke.
Autorin: Jette Jäger – Fotos: Ben Mönks
Berliner Salon Autumn Winter 2026 BFW Berlin – Impressionen
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