Das nigerianische Label Fruché präsentierte im Rahmen der Berlin Fashion Week seine neue Kollektion mit dem Titel „KLEG“. Der Begriff stammt aus dem nigerianischen Pidgin und beschreibt eigentlich X-Beine (K-Legs), wird im Alltag aber oft für Dinge genutzt, die „nicht ganz richtig“ oder unvollkommen sind. Designer Frank Aghuno verwandelt diesen Ausdruck in eine Feier der Individualität und stellt gesellschaftliche Schönheitsideale radikal infrage.
Kindheitserinnerungen und nigerianische Handwerkskunst
Die Kollektion schöpft tief aus den Jugendjahren des Designers in Nigeria. Als zentrales Element dient Gingham (Karo-Stoff), der an klassische Schuluniformen erinnert und die Unschuld sowie die beginnende Selbstwahrnehmung der Jugendzeit symbolisiert. Fruché kombiniert diesen vertrauten Stoff mit traditionellen nigerianischen Textiltechniken wie aufwendig gewebtem Aso Oke und handgefärbtem Adire. So entsteht ein emotionaler Dialog zwischen nostalgischen Schnitten und tief verwurzelter, afrikanischer Handwerkskunst.
Dekonstruktion, Holz-Korsetts und lautstarke Kleider
Auf dem Laufsteg zeigte sich eine faszinierende Ästhetik aus Asymmetrie und verzerrten Proportionen, die die natürlichen Unregelmäßigkeiten des menschlichen Körpers widerspiegeln. Zu den absoluten Highlights gehörten die Kollaborationen mit lokalen Künstlern: Die Modelle präsentierten von Emmanuel Opeyemi und Oluwalere Israel Adewale handgeschnitzte Holzkorsetts, die sich wie skulpturale Rüstungen an den Körper schmiegten, sowie kunstvolle Origami-Hüte des Brands Dukun. Ein echtes sensorisches Erlebnis waren zudem die Kleider aus traditionellen Holz-Chimes, deren klappernder Sound beim Walk die gesamte Halle erfüllte.
Ein Statement für authentische Vielfalt
Mit „KLEG“ zeigt Fruché zeitgenössische afrikanische Mode abseits von Klischees. Durch die Zusammenarbeit mit dem Künstler Fredrick Aghuno (Dricky Stickman), der diverse Körperformen direkt auf Seide und Funtua-Baumwolle malte, wird jedes Kleidungsstück zu einer Leinwand für Body Positivity. Abgerundet wurden die Looks durch nachhaltiges Schuhwerk der nigerianischen Brands Afora Official, Kiing Daviid und Renaissance by Janet, die klassische Schulschuhe modern neu interpretieren. Die Kollektion lädt dazu ein, den Körper nicht als Baustelle, sondern als lebendiges Archiv voller Geschichten zu sehen.
Autorin: Aaliyah Netnakhon – Fotos: James Cochrane


























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