Die Berliner Newcomer-Brand Halal Boyz zeigte mit „IN MOTION“ im Studio dB Berlin, wie sich Mode jenseits eines klassischen Runways inszenieren lässt. Statt einer linearen Schau entwickelte sich der Abend zu einer intensiven Verbindung aus Fashion, Tanz, Live-Musik und Raumstimmung. Damit bestätigte das 2023 gegründete Label seinen Anspruch, Kleidung nicht nur als Look, sondern als erfahrbare, körperliche und emotionale Form zu begreifen. Halal Boyz arbeitet mit vorhandenen Materialien, Upcycling und reclaimten Stoffen und übersetzt diese Haltung in eine rohe, experimentelle Ästhetik, die in Berlin derzeit sehr eigenständig wirkt.
![]()
Mystische Atmosphäre, starke Eröffnung und ein performativer Zugang zu Fashion
Schon vor Beginn füllte sich das Studio dB langsam, während an der Bar erste Drinks bestellt wurden und die Eventfläche noch hinter lichtdurchlässiger, aber undurchsichtiger Folie verborgen blieb. Der Raum war insgesamt dunkel gehalten, das Licht konzentrierte sich fast vollständig auf den Performance-Bereich und wechselte sichtbar mit den einzelnen Phasen der Inszenierung. Gegen 21:45 Uhr begann das Event mit einem markanten Bild: Ein Model riss die Folie herunter und gab den Blick auf von der Decke hängende Stoffstreifen frei. Im hinteren Bereich ergänzten wabenartige, von Folie durchbrochene Strukturen das Set und verliehen der Szenerie eine mystische Stimmung.
Kurz darauf kam ein zweites Model hinzu, und die eigentliche Tanz-Performance begann. Die Choreografie machte das Konzept von „IN MOTION“ unmittelbar verständlich: Die Kleidung wurde nicht einfach vorgeführt, sondern über Bewegung, Widerstand, Nähe und Dynamik sichtbar gemacht. Genau darin lag die Stärke des Abends. Halal Boyz präsentierte die Looks nicht als fertige Oberfläche, sondern als wandelbare Form, die sich erst im Körper und im Raum vollständig erschließt.
Fünf Outfits zwischen Upcycling, Skulptur und dekonstruierten Silhouetten
Insgesamt präsentierten die beiden Performerinnen fünf Outfits, die den Designansatz von Halal Boyz klar erkennen ließen. Besonders stark wirkten die dekonstruierten, aus Stoffstreifen und Fragmenten aufgebauten Looks, die sich zwischen Schutz, Zerbrechlichkeit und Bewegung bewegten. Ein dunkler, skulpturaler Mantel mit überzeichneter Schulterpartie und markanten Verschlüssen setzte einen fast rituellen Akzent. Daneben standen softere, körpernähere Elemente, gewickelte Partien und rohe Denim-Kompositionen, die den Upcycling-Gedanken direkt sichtbar machten. Die Looks wirkten nicht geschniegelt, sondern bewusst prozesshaft, getragen von Materialität, Spannung und Unfertigkeit als ästhetischer Entscheidung.
![]()
Auch die drei Musiker Ghurab, Amr und Sherif von Ala Bab Allah trugen Outfits von Halal Boyz und waren damit selbst Teil der Inszenierung. Die Live-Musik verlieh der Performance zusätzliche Tiefe und machte aus dem Abend ein geschlossenes Gesamtbild.
Für Choreografie und Performance verantwortlich waren Shaymaa und Mayila Khodadin, das Set Design kam von Studio Maren. Gastgeber der Veranstaltung war Studio dB Berlin. Auch die drei Designer Salma Alqritli, Mohamed Ismael und Monaf Almaiedy von Halal Boyz waren vor Ort.

Halal Boyz denkt bereits an die Berlin Fashion Week
Nach der Show verlagerte sich die Stimmung in einen offenen, kommunikativen Ausklang: Viele Gäste blieben zum Tanzen, andere standen mit Drinks vor dem Studio dB und diskutierten die Performance. Gerade diese Nähe zwischen Brand, Publikum und Mitwirkenden passte zu einem Label, das Community und Haltung sichtbar mitdenkt.

Besonders spannend: Als eines der nächsten Ziele nannten die Designer eine Show zur Berlin Fashion Week. Nach „IN MOTION“ wirkt das nicht wie ein ferner Wunsch, sondern wie der logische nächste Schritt für eine Marke, die ihre Handschrift zwischen Streetwear, Performance und experimenteller Mode bereits klar formuliert hat.
Autor: Fsb – Fotos: KOWA-Berlin







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.