Am 10. September 2025 wurde im Hinterhof der PLATTE Berlin die Show des vierten Semesters Modedesign der HTW Berlin gezeigt und zwar unter dem Titel „Tragfläche“. Präsentiert wurden ca. 60 Looks, die jeweils in Duos präsentiert wurden, wobei zwei Models unterschiedliche Interpretationen desselben Designs trugen. Die gesamte Show war sorgfältig kuratiert und wirkte wie eine zusammenhängende Inszenierung, die Design, und Atmosphäre miteinander verschmelzen ließ.
Show Event und “Tragfläche”-Modevisionen
Bevor das kreative Momentum der Studierenden startete, wurde zunächst die neue Art Capsule Collection von Eike König x PLATTE gelauncht.

Darauf folgten Musik-Performances von Wavy und Okfella. Ein Schatten-Licht-Spiel eröffnete schließlich die studentische Runway-Inszenierung. Dabei wurden die vielen Looks paarweise auf dem improvisierten Laufsteg gezeigt, jedes Design dabei an zwei Models interpretiert.

Diese Verdopplung brachte eine Dynamik mit sich, die es erlaubte, die individuellen Handschriften der Entwürfe zu lesen. Die gezeigten Entwürfe stammen aus dem Wintersemester 2024/25 und dem Sommersemester 2025 und wurden unter der Leitung von Prof. Anke Schlöder entwickelt. Für die Show schufen die Studierenden gemeinsam mit Surface-Künstlerin Jamie Lee O’Shea ein visuell eindrucksvolles Set, das die Atmosphäre der Kollektion auf künstlerischer Ebene erweiterte. Was folgte, waren Reflektionen unterschiedlicher Modevisionen, Gender-Experimente, Ironie, Melancholie und Materialgewalt.
Highlights
Das Thema „Tragfläche“ wurde in vielen Entwürfen wörtlich genommen und in visuelle Gesten übersetzt. Besonders eindrücklich war ein transparenter roter Look mit einem schwangeren Bauch als zentrales Designelement. Das Outfit spielte mit Projektionen von Körperlichkeit und Emotion, gleichzeitig zart und kraftvoll, fast skulptural in seiner Präsenz.
Ein weiteres Highlight war das Semesterprojekt “Alter Ego”, das mit seinen fantasievollen Elementen wie einer Ohrenmütze, applizierten Sternen und einem bedruckten Schal mit Illustrationen eine andere Ebene eröffnete. Diese Looks erinnerten an Kindheit und Protest zugleich zwischen Anime-Figuren und nächtlichen Träumern. Neben technoid anmutenden Looks mit glänzendem Plissee und Bodyforming-Silhouetten, sorgten auch ungewöhnliche Materialbearbeitungen für Aufmerksamkeit. Zu den auffälligeren Ensembles zählten zum Beispiel ein Duo in Silber mit lila Akzenten oder eine Kombination aus aufgerautem Strick, Lederboots und skulpturalem Minirock. Besonders verspielt wirkte ein asymmetrisches Kleid, das mit Druckknöpfen, Schnüren und Strukturstrick ein Patchwork aus Verkleidung und Verwandlung schuf.
HTW x ART/PLATTE
Auffällig waren auch skulpturale Kreationen in Off-White und Anthrazit, die Körper neu rahmten, als ob sie aus Falten gewickelt oder architektonisch gefaltet wären. Ebenso hinterließen die Looks aus federbesetzten Jacken und Hosen einen bleibenden Eindruck durch ihre auf organische Bewegung, gleichzeitig weich und wild. Außerdem tauchten extravagante Silhouetten auf, etwa ein rot-durchscheinender Puffmantel oder ein gestreifter, strukturierter Look mit überdimensionalem Hut und bemalten Gesichtern.
Daneben gab es politische Statements, etwa durch Prints auf T-Shirts, Punk-Elemente wie Ketten und Sicherheitsnadeln oder Gender-Subversionen in Anzugkleidung. Zwischen experimentellem Draping, Upcycling-Elementen, dekonstruierten Anzügen und feinen Strickdetails entstand eine Modepräsentation, die nicht nur die kreative Bandbreite des Semesters abbildete, sondern auch den hohen Anspruch des HTW-Modedesignstudiengangs.
Autorin: Aaliyah Netnakhon – Fotos: KOWA-Berlin



































Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.