Donnerstag , 22 August 2019

IVANMAN – Interview mit Designer Ivan Mandzukic – Autumn Winter 2016/17

Am 19. Januar 2016 präsentierte Ivan Mandzukic die aktuelle Kollektion seines Menswear-Labels IVANMAN. Fashionstreet Berlin konnte den Designer schon vor der Show im Backstage-Bereich besuchen und ihm ein paar spannende Fragen stellen.

Hey Ivan! 

Hi, schön, dich wiederzusehen!

Erstmal ganz grundlegend: Wie geht’s dir? Wie gefällt dir die Atmosphäre vor der Show? 

Die Stimmung ist gut und ich bin entspannt.

So relaxed wie beim letzten Mal. Damals war der Cohen-Film „Barton Fink“ ein inspirierendes Motiv für deine Kollektion. Gab es so etwas dieses Mal auch?

Das Wort „Inspiration“ ist bei mir immer irgendwie übertrieben beziehungsweise unpassend. Mich beeinflusst der Alltag, die normale Umgebung. Zu sagen, man hätte sich von nur einer bestimmten Sache inspirieren lassen, finde ich ein wenig billig und auch begrenzt. Irgendwie fantasielos.

Weil es dich einschränken würde?

Genau.

Hast du dennoch ein Thema für die Kollektion? 

Ein bisschen verbinde ich alles mit dem Film „Der Mieter“ von Roman Polanski von 1976. Und auch mein Nachbar, zu dem ich ein ziemliches Hoch-Tief-Verhältnis habe, ist irgendwie eingeflossen. Und natürlich waren Farben wieder ein großes Thema.

Die Farben spiegeln ganz gut den Saisonwechsel wieder. Letztes Mal waren mit Pink, Hellblau und Gelb ja sehr sommerliche Töne dabei. Wie kommst du zu deiner Farbwahl?

Die entwickelt sich hauptsächlich während der Arbeit. Das ist also oft spontan und intuitiv.

Diesmal hast du viel Orange, Braun und Grün verwendet. In Kombination mit den ganzen aufgesetzten Taschen und den Schnitten entsteht, finde ich, ein militärischer Charakter. 

Ja, das stimmt. Ich meine, ich leide unter keinem Kriegstrauma, aber ich komme aus einer Zeit, in der es Kampfhandlungen gab. Ich glaube, ich verarbeite diese Militärelemente immer eher indirekt und unbewusst. Es wird einem dann oft erst richtig klar, wenn es jemand wie du anspricht.

Ich finde, du hast das wunderschön umgesetzt. Und du hast dem ganzen auch wieder deine typisch klassische Note mit modernen Ansätzen gegeben. Durch Reißverschlüsse in Westen und Ähnliches. Gibt es wieder einen Lieblings-Look?

Ach, ich mag alle Teile sehr gern. Und es hängt auch sehr viel damit zusammen, wer darin steckt. Am richtige Model sieht sowieso alles immer super aus. Und Styling ist bei meinen Designs ein sehr wichtiger Punkt, da kommt es auf die richtige Kombination an. Aber für gewöhnlich mag man die Stücke am liebsten, wo die meiste Arbeit drinsteckt.

Schaffst du es immer noch, dich in alle Tätigkeitsbereiche deines Labels einzubringen? 

Ich habe einfach ein wahnsinnig tolles Team und Leute die mir bei der Organisation helfen. Dadurch ist es mir möglich, Dinge abzugeben. Man kann eben nicht alles kontrollieren. Wir haben eine gute Aufteilung. Aber trotzdem bin ich gern überall vertreten. Und ich bin immer Teil der letztendlichen Realisierung, weil mir der Prozess wahnsinnig wichtig ist. Ich könnte niemals etwas zeichnen und den Rest der Arbeit dann abgeben.

Ich sehe hier, wie in der letzten Saison, ganz tolle Strickteile. Wie sind diese Pullover diesmal entstanden? 

Dafür habe ich mit einer Kollegin gearbeitet, die auf Strick spezialisiert ist und mir bei der Realisierung geholfen hat. Diese Flick-Pullover, die wir hier haben, kamen im Grunde über unsere Gespräche zustande. Am Anfang war etwas ganz anderes geplant.

Nach deiner letzten Show musstest du ja recht schnell nach Antwerpen fliegen, da du für den Woolmark Prize nominiert warst. Hast du diesmal ein bisschen Zeit nach der Präsentation, um dich zu entspannen? 

Ja, das war ziemlich anstrengend letztes Mal. Morgen haben wir den Showroom und dann müssen eben Verkaufsstrategien umgesetzt werden. Aber wir habe auf jeden Fall ein bisschen mehr Luft als im Sommer. Und man ist auch nicht so nervös, weil noch irgendein Wettbewerb bevorsteht.

Wie war das für dich in Antwerpen?

Den Wettbewerb habe ich ja leider nicht gewonnen, aber ich habe mit sehr vielen großen Leuten gesprochen und da Feedback zu kriegen, war toll und lehrreich. Und Antwerpen war auch interessant für mich.

In unserem letzten Interview hast du erwähnt, dass du Berlin sehr magst, aber das dir auch London gut gefällt. Könntest du dir inzwischen einen Ortswechsel vorstellen? 

Ich denke, Berlin ist einfach meine Stadt. Hier will ich leben. Aber modetechnisch wäre London noch immer spannend für mich.

Was macht für dich die Faszination Berlins aus? 

Berlin ist so… „arm, aber sexy“, wie Wowereit gesagt hat. Es ist familiär. Natürlich muss man in der Modewelt immer Professionalität an den Tag legen, aber im Alltag ist die Atmosphäre auf der Arbeit und in der Stadt immer sehr ungezwungen und herzlich.

Wie schön, wir freuen uns, wenn du uns noch eine Weile erhalten bleibst. Hast du denn sonst irgendwelche speziellen Pläne für die Zukunft? 

Wie gesagt, ich arbeite sehr spontan. Deshalb fokussiere ich mich darauf weiterzukommen und positive Verkaufsergebnisse zu haben und schaue ansonsten, was so auf mich zukommt. Als Designer muss man immer Ausdauer beweisen und mithalten. Das ist das Wichtigste. Ich finde es zum Beispiel sehr schade, dass Sopopular nicht zeigt, weil man eben kontinuierlich präsent sein muss.

Könntest du dir eigentlich auch vorstellen, mal Frauenmode zu machen?

Das habe ich ganz am Anfang gemacht. Im Moment sehe ich mich eindeutig im Menswear-Bereich, aber natürlich kann auch Design für Frauen irgendwann noch kommen, ich lasse mich einfach von meiner Intuition leiten.

Dann wünsche ich dir für die Zukunft, dass nur Positives auf dich zukommt und natürlich viel Glück für die Show. 

Das Interview führte: Julia Sophie Hellmann – Foto: KOWA-Berlin / Alexandru Herca

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