Manchmal steckt die beste Herkunftsgeschichte in einem Namen, der zuerst einfach nur gut klingt. JOHN LAWRENCE SULLIVAN ist so ein Fall: In Brand-Texten wird der Name als Hommage an den Bareknuckle-Boxer des 19. Jahrhunderts gerahmt – der Boxer als Namensvetter des Labels. In einem Interview erzählt Yanagawa den Ursprung pragmatischer: Ein Freund schlug den Namen vor, Yanagawa mochte den Ton, wollte ohnehin etwas Englischklingendes – und meldete die Marke an. Erst später kam die Fußnote dazu: Sullivan war Amerikaner mit irischen Wurzeln.
Yanagawa kam als zwölfjähriger Junge aus Hiroshima zum Boxen, war national erfolgreich, Olympiakandidat – bis dieser Weg abrupt abknickte. Danach: Profi, vier Jahre, keine großen Titel. Was er behalten hat, sind weniger Trophäen als eine Vorbereitung auf die Modewelt: „Seltsamerweise ähneln Modenschauen Boxkämpfen. Die Vorbereitungszeit erscheint endlos, doch die Show selbst ist im Nu vorbei … weil schon der nächste Kampf ansteht“, sagt er.
Englische Prägung mit Punkelement
Mode interessierte Yanagawa früh, doch erst nach der Boxkarriere konnte sich die Liebe richtig entfalten. Boxen brachte ihn raus aus Japan – und London wurde zum Stil-Schock, der bis heute in der Marke nachhallt. Camden Market, Portobello Road: Blazer und lange Mäntel über Adidas-Trainingsanzügen, ohne Rechtfertigung, ohne Dresscode-Diskussion – so anders als das damalige Japan mit seinen ungeschriebenen Stilregeln. Yanagawa beschreibt diese Bandbreite so radikal, dass sie hängen bleibt: egal, ob Markenjacke oder „Mülltüte als Hose“. Zurück in Japan eröffnete er sogar einen Secondhandladen, um englische Lederjacken zu verkaufen. Und es war auch die Faszination für Vivienne Westwoods „World’s End“ am Sloane Square: kein Englisch, aber immer wieder hin – am Ende blieb er einen ganzen Monat. Möglicherweise ein Grund für die in den Kollektionen immer wieder durchscheinende Punkästhetik.
Tailoring und die Jacke als Schlüsselstück
Die Schneiderkunst von JOHN LAWRENCE SULLIVAN ist das Fundament der Marke. Gegründet 2003 in Tokio, zunächst als Menswear-Projekt und seit 2010 auch mit Womenswear, bleibt Tailoring die Basis. Yanagawa hat sich die technischen Grundlagen ohne Modeschule selbst erarbeitet. In den frühen Jahren begann er nicht mit einer kompletten Kollektion, sondern mit einzelnen Jacken, die er über Ausstellungen und Boutiquen platzierte. Bis heute sind Jacken das Schlüsselstück: als Maßstab für Prêt-à-porter-Schneiderkunst – und als Sinnbild des Anspruchs. Am Anfang bedeutete das, Lieblingsjacken aufzutrennen, teils unter Tränen, um Konstruktion und Passform zu verstehen.
Nachdem in der Herbst/Winter-2025-Herrenkollektion laut Brand-Kommunikation starke Inspiration vom deutschen Künstler Anselm Kiefer gezogen wurde, wirkt Berlin als nächster Schritt konsequent. Am 02.02.2026 zeigt JOHN LAWRENCE SULLIVAN seine Show im Rahmen der Berlin Fashion Week (Januar/Februar 2026) eine Präsentation innerhalb von Berlin Contemporary, Format „INTERVENTION“. Die Ästhetik passt ohnehin perfekt auf die Straßen Berlins.
Designer-Steckbrief: Arashi Yanagawa
- Geboren/aufgewachsen: Hiroshima
- Background: Ex-Profiboxer
- Label: John Lawrence Sullivan (gegründet 2003)
- Stil-Codes: Tailoring, subversive Proportionen, Punk-Referenzen
- Key-Piece: Jacke/Blazer als Signatur
Autor: Michel Winges – Fotos: PR
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