Am vierten Tag der Berlin Fashion Week Spring Summer 2027 verwandelte sich der Saal im Kronprinzenpalast Berlin in den Runway der Kollektion „Androgyny“ des Labels John Lawrence Sullivan. Der Designer Arashi Yanagawa hinterfragt damit die konventionellen Geschlechterrollen und setzt ein Zeichen für freien Selbstausdruck. Im Zentrum steht die Frage, wie sich widersprüchlich erscheinende Eigenschaften vereinen lassen. Eine wichtige Inspirationsquelle für die Kollektion spielte dabei die Porträtserie Modern Lovers von der Fotografin Bettina Rheims. Sie hält die Befreiung von diesen Normen und Erwartungen fest.
Verschmelzung von Grenzen geschlechterspezifisch konnotierter Silhouetten
Im Mittelpunkt standen präzise geschnittene Silhouetten, die die Handschrift des Designers unverkennbar tragen. Akkurate Anzüge, klassische Hemden und lange Mäntel bilden die Grundlage der Kollektion. Eine wiederkehrende Silhouette ist die Bundfaltenhose, die in sowohl langer Form als auch kurzer und wadenlanger Variante gezeigt wurden. Bewusst präsentierte er klassische Elemente der Herrenbekleidung mit stereotypisch weiblich konnotierten Formen wie einer verengten Taille. Hierbei ließ er sich von dem japanischen Konzept Shibari beeinflussen. Es verdeutlicht sowohl die strenge Ordnung der Schneiderei wie auch das Einengen des Körpers.
Schlangenleder als Symbol für Transformation
Auch die Materialwahl unterstützt dieses Konzept. Feine Spitze trifft auf Leder. Materialien, die sehr lange mit stereotypischer Weiblichkeit oder Männlichkeit assoziiert wurden, werden neu kombiniert und lösen sich von gesellschaftlich geprägter Zuordnung. Ein Material stach besonders ins Auge und wurde zu einem wiederkehrenden Motiv: Schlangenleder wurde in Form von Schuhen, Röcken und Hemden ein Symbol für Erneuerung und Verwandlung. Die reduzierte Farbpalette aus Schwarz, Grau und Khaki lenkt den Fokus auf die Konstruktion der Looks und verleiht ihnen eine ruhige, zugleich aber sehr kraftvolle Ausstrahlung.
Trotz der sensiblen Auseinandersetzung mit Identität schafft es John Lawrence Sullivan, dass der Ausdruck niemals fragil wirkte. Im Gegenteil: Die klaren Schnitte die dunkle Farbpalette und die selbstbewusste Inszenierung verliehen den Looks eine enorme Präsenz. Er zeigt, dass es möglich ist, scheinbar widersprüchliche Eigenschaften in einem Körper zu verbinden und lässt gesellschaftliche Grenzen verschmelzen.
Autorin: Jade – Fotos: Finnegan Koichi Godenschweger

























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