Auf der Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2026 präsentierte die Brand KnitToChange eine Kollektion, die den Fokus konsequent auf Material, Handwerk und Silhouette legte. In einer Saison, die von starken Konzepten und visuell lauten Shows geprägt war, setzte das Label auf eine ruhige, reduzierte Präsentation und positionierte Strick als zentrales gestalterisches Element.
Die Kollektion verstand sich weniger als Trendstatement, sondern vielmehr als Auseinandersetzung mit Textilität, Konstruktion und zeitgemäßer Tragbarkeit. KnitToChange zeigte, dass Strick nicht nur funktional, sondern auch konzeptuell und modisch eingesetzt werden kann jenseits klassischer Winterassoziationen.
Runway-Setting und Inszenierung
Der Runway war bewusst minimalistisch inszeniert. Ein orientalischer Teppich diente als Laufsteg und schuf eine intime, fast wohnliche Atmosphäre. Die Wahl dieses Settings verwies auf textile Tradition, kulturelle Handarbeit und Materialität Themen, die sich inhaltlich durch die gesamte Show zogen. Statt auf aufwendige Bühnenbilder oder starke Lichtinszenierungen zu setzen, rückte KnitToChange die Kollektion selbst in den Mittelpunkt.
Die reduzierte Präsentation ließ Raum für Details und unterstrich den handwerklichen Anspruch der Marke. Der Teppich fungierte dabei nicht nur als dekoratives Element, sondern als konzeptueller Rahmen, der Herkunft und textile Kultur subtil in die Inszenierung integrierte.
Materialien, Farben und Silhouetten
Im Zentrum der Kollektion standen gestrickte Pieces in unterschiedlichen Strukturen und Dichten. Grob gestrickte Westen mit plastischen Applikationen wurden über klassische Hemden getragen, transparente Röcke trafen auf schwere Knitwear, weite Stoffhosen ergänzten cropped Strick-Tops. Die Looks arbeiteten stark mit Layering und spielten mit Gegensätzen zwischen Volumen und Leichtigkeit, Transparenz und Schutz.
Die Farbpalette blieb ruhig und zurückhaltend. Lavendel, Creme, Staubrosa und gedeckte Naturtöne bestimmten das Bild und unterstrichen den reduzierten Charakter der Show. Statt auffälliger Prints oder Logos setzte KnitToChange auf Oberflächenwirkung: Sichtbare Strickstrukturen, Zopfmuster und dreidimensionale Details rückten das Material in den Vordergrund und machten die handwerkliche Qualität der Pieces deutlich.
Genderfluide Ansätze und inhaltliche Ebene
Auch die Silhouetten waren bewusst genderfluid angelegt. Klassisch maskuline Elemente wie weite Stoffhosen wurden mit zarten, durchscheinenden Materialien kombiniert. Die Kollektion verzichtete auf klare Geschlechterzuordnungen und setzte stattdessen auf universelle Formen, die offen interpretierbar sind. Damit griff KnitToChange ein zentrales Thema der zeitgenössischen Mode auf: Mode als Ausdruck von Identität, nicht als festgelegtes Rollenbild.
Inhaltlich bewegte sich die Kollektion zwischen Gegensätzen. Transparente Stoffe standen schweren, schützenden Strickteilen gegenüber und erzeugten eine visuelle Spannung, die sich durch die gesamte Show zog. Der Kontrast zwischen Körper und Hülle, Nähe und Distanz, Verletzlichkeit und Schutz wurde dabei subtil, aber konsequent umgesetzt.
Mit der Präsentation auf der BFW AW 26 positioniert sich KnitToChange klar im Kontext von Slow Fashion und handwerklicher Mode. Die Kollektion verzichtet bewusst auf schnelle Trends und setzt stattdessen auf Materialität, Konstruktion und zeitlose Formen reduziert, präzise und inhaltlich klar.
Autorin: Sila – Fotos: Lea Hilcken



















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