Ein Designer, der Trends ignoriert und gerade deshalb den Zeitgeist trifft. Seine neue Kollektion „The Blue“ ist eine Hommage an den Winter an der See, gefertigt aus den vergessenen Schätzen der großen Modehäuser. Von der rauen Brise in Ahrenshoop direkt auf den Runway: Wenn dieser Designer von seiner Marke spricht, fallen keine Phrasen über „Must haves“ der Saison.
Luxus aus dem „Deadstock“
Der Kern seiner Arbeit ist so nachhaltig wie exklusiv. 80 % seiner Materialien sind Deadstock-Stoffe. Er reist nach Italien zu seiner Agentin, um in riesigen Hallen Schätze zu bergen. Es sind Stoffe, die bereits von Größen wie Armani, Gucci oder Dries Van Noten genutzt wurden. Er kauft sie direkt in Italien bei seiner Agentin ein. Es wird nichts Neues produziert, was nicht schon existiert. Sogar alte Satinbänder, die er in seinem Lager wiederentdeckte, finden in den neuen Entwürfen ein zweites Leben.
Marcel Ostertag im Interview
„The Blue“: Wenn der Himmel zum Blueprint wird
Die aktuelle Kollektion trägt den Namen „The Blue“. Die Inspiration fand er an der Ostsee. Ein Sonnenuntergang, der den Himmel in Farben tauchte, die nun die Laufstiege erobern. „Der Winter ist für mich wie ein Restart“, erklärt er. „Ich brauche diese Zeit zum Reflektieren.“
Während andere auf digitale Designs setzen, zeichnet er noch klassisch mit Bleistift. Das Stricken der Accessoires ist für ihn abendliche Meditation, eine Struktur der Entschleunigung, die man jedem Teil ansieht. Dass er dabei manchmal unbewusst Trends trifft, wie den aktuellen blauen Farbverlauf, ist für ihn ein glücklicher Zufall, kein Kalkül.
Nahbarkeit statt Barrieren: Von Berlin nach Paris
Dieses Credo der Entschleunigung bedeutet jedoch keinen Stillstand. Während der Fashion Week suchte er bewusst den direkten Kontakt und präsentierte seine Stücke in einem eigenen Showroom hier in Berlin. Ihm geht es nicht um die große Distanz des Laufstegs, sondern um das echte Gespräch und das haptische Erlebnis der Stoffe. Diese Reise der Nähe setzt er fort: Im Oktober zieht es ihn nach Paris, um auch dort seine Vision einer beständigen, nahbaren Mode persönlich zu präsentieren.
Mode als Familientradition
Seine Mode kennt keine Altersgrenzen. Die jüngste Kundin ist 14, die älteste 80. Sein Ziel ist es das am Esstisch die gesamte Familie seine Entwürfe trägt. Seine Stücke sollen Selbstbewusstsein schenken, egal ob im Office oder zu besonderen Anlässen.
„Wir können alle ein bisschen Glitzer vertragen, das tut uns gut.“Ein Motto, das er auch mit Kollegen wie Kilian Kerner teilt.
Ein Statement gegen Fast Fashion
In einer Welt, die sich durch soziale Medien oft gespalten fühlt, wünscht er sich mehr Zusammenhalt. Seine Mode ist sein Beitrag dazu: Kleidung, die man nicht nach einer Saison auf Resale Plattformen wie eBay Kleinanzeigen wieder loswird. Während seine kommerzielleren Linien dort durchaus zu finden sind, bleiben die echten „Meisterstücke“ über Jahrzehnte im Kleiderschrank der Besitzer.
Er setzt auf Beständigkeit statt auf „Springen“. Er kreiert keine Fast Fashion, sondern Erbstücke. Am Ende ist es diese Mischung aus handwerklicher Präzision, italienischem Luxus-Material und der Erdung durch die Natur der Ostsee, die seine Marke so einzigartig macht.
Autorin: Lina Reinhard – Fotos: Deborah Spanhol
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