MARKE ist kein Label, das sich über Logos oder Lautstärke definiert. Die Marke von dem Designer Mario Keine, gegründet in Köln, arbeitet leiser und gerade deshalb mit umso größerer Wirkung. In einer Zeit, in der Mode oft zwischen Nostalgie und Algorithmus schwankt, positioniert sich MARKE als Projekt, das Kleidung wieder als kulturelle Sprache versteht. Hier geht es weniger um Trends als um Bilder, Haltungen und Bedeutungen.
Mario Keine entwirft nicht für ein klar umrissenes Zielpublikum. Seine Kollektionen wirken wie offene Erzählungen, die persönliche Erinnerung, kollektive Geschichte und zeitgenössische Körperbilder miteinander verschränken. Mode wird bei MARKE nicht konsumiert, sondern gelesen.
Zwischen Ritual, Uniform und individueller Freiheit
Formal bewegt sich MARKE in einem Spannungsfeld aus klassischem Tailoring, Alltagskleidung und subkulturellen Referenzen. Schnitte sind oft präzise und kontrolliert, während Materialien und Styling diese Strenge wieder aufbrechen. Uniformen, Vereinsästhetik oder militärische Codes tauchen immer wieder auf, jedoch nie nostalgisch, sondern als Fragmente, die neu zusammengesetzt werden.
Das wurde besonders deutlich bei der Spring/Summer 2025 Show auf der Berlin Fashion Week, die unter dem Titel „Zapfenstreich“ lief. Was zunächst nach Ordnung und Tradition klingt, entfaltete auf dem Laufsteg eine andere Lesart: lokale Rituale, Schützenfarben und Gemeinschaftssymbole wurden in zeitgenössische Silhouetten übersetzt. Die Kollektion wirkte wie eine stille Untersuchung darüber, wer dazugehört, wer ausgeschlossen wird und wie Traditionen weiterleben können, ohne zu erstarren. MARKE nutzt solche Referenzen nicht als Folklore, sondern als kulturelles Material. Die Kleidung erzählt von Herkunft, aber auch von Reibung, zwischen Individuum und Gruppe, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Mode als Haltung
Mario Keine gehört zu einer neuen Generation deutscher Designer, die Mode nicht als reines Produkt, sondern als Haltung begreifen. Geschlechtercodes werden bei MARKE nicht spektakulär gebrochen, sondern selbstverständlich ignoriert. Röcke, weiche Stoffe oder figurbetonte Silhouetten erscheinen an männlichen Körpern ohne erklärenden Unterton. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht den Ansatz politisch, ohne plakativ zu sein.
Auch Nachhaltigkeit ist Teil dieser Haltung. MARKE arbeitet mit Deadstock-Materialien und europäischer Produktion, nicht als Marketingversprechen, sondern als logische Konsequenz eines bewussten Designprozesses. Die Marke denkt in Serien, nicht in Wegwerfkollektionen. International wächst die Präsenz von Berlin über Florenz bis Kopenhagen, doch MARKE bleibt dabei konsequent in seiner Sprache. Kein lautes Branding, kein schneller Hype. Stattdessen ein Label, das sich langsam einschreibt, weil es Fragen stellt, wo andere Antworten verkaufen.
In der Berliner Modeszene nimmt MARKE damit eine besondere Position ein: als Marke, die nicht versucht, die Welt zu vereinfachen, sondern sie durch Kleidung sichtbar komplex zu halten.
Autorin: Sila Kocabey / Fotos: Andreas Hofrichter
Mario Keine – Autumn Winter 2026 BFW Berlin – Runway-Fotos
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