Zum Auftakt der Berlin Fashion Week zeigte die Kölner Brand MARKE ihre neue Spring/Summer 2025 Kollektion „Zapfenstreich“. Designer Mario Keine verbindet darin seine Herkunft mit präziser Schnittführung und einem konsequenten Fokus auf Nachhaltigkeit. Im Kulturforum fand er den passenden Ort für die Präsentation und setzte auf rhythmisch-musikalische Bässe, kombiniert mit einer klaren, einheitlichen Farbgrundstimmung.
Mario Keine: Von Traditionen zu Freiheit und Persönlichkeit
Mit „Zapfenstreich“ knüpft Mario Keine an seine Kindheit und Heimat an und übersetzt lokale Bräuche in eine zeitgenössische, zugleich kritische Erzählung. Der Titel leitet sich von Traditionen wie dem Schützenfest ab, das Gemeinschaft, lokale Farben und Zusammenhalt symbolisieren soll. Genau hier setzt Keine jedoch an – und bricht bewusst mit dem, was traditionell als „Gemeinschaft“ verstanden wird. Die Kollektion thematisiert Mechanismen von Ausgrenzung, etwa gegenüber Minderheiten, sowie Strukturen, in denen Frauen ausgeschlossen oder nicht zugelassen werden.
Mit Fragen wie „Was nützt es, das Gemeinschaftsdenken zu feiern, wenn es in Wirklichkeit nichts anderes ist, als auszuschließen? Was ist der Wert von Traditionen, wenn sie nicht ständig über den Zeitgeist und die Weltangelegenheiten reflektiert werden?“ öffnet Keine den Raum für eine neue Lesart: weg von starren Ritualen, hin zu einer Haltung, die Freiheit, Fluidität und Persönlichkeit betont.
Vielfalt trotz einheitlicher Codes
Neben den musikalisch-rhythmischen Elementen fiel vor allem die Farbwelt ins Auge: Keine orientierte sie an den lokalen Farbcodes seiner Heimat. Zu sehen waren überwiegend Weiß, Schwarz, Grau sowie Akzente in Rosa, Rot und Blau. In der präzisen Verarbeitung und der klaren Abfolge der Looks zeigte sich sein Gespür für Filigranität und technische Genauigkeit.
Auch das Spiel mit tradierten Geschlechterbildern setzte ein deutliches Statement: MARKE ließ männliche Models in Röcken laufen und unterstrich damit den Anspruch, Mode als offenen Raum für Ausdruck zu begreifen. Gleichzeitig arbeitete die Inszenierung mit bewusst gesetzten Uniformierungen: Jedes Model trug dieselben Accessoires – schwarze Lackschuhe und eine weiß-graue Cap. Diese Wiederholung wirkte wie eine direkte Referenz auf alte Traditionen und deren Dresscodes. Gerade im Kontrast dazu konnten die Kleidungsstücke umso stärker über Details sprechen: filigrane Knöpfe, präzise Gürtelarbeiten und feine, durchdachte Verarbeitungen setzten die Akzente.
Nachhaltigkeit als konstruktives Prinzip
Wie schon in früheren Arbeiten setzt Keine auch bei Spring/Summer 2025 klar auf Nachhaltigkeit. Die Kollektionen bestehen laut Angabe aus 100% Bio-Baumwolle, die Markenetiketten aus 50% Seide und 50% Hanf. Synthetische Fasern werden vermieden, was die Recyclingfähigkeit verbessert und den Materialansatz konsequent abrundet.
Insgesamt zeigt „Zapfenstreich“ eine Kollektion, die bewusst mit Traditionen arbeitet, sie aber zugleich hinterfragt – und dabei Präzision, Haltung und Materialbewusstsein in ein geschlossenes, modernes Bild übersetzt.
Autorin: Carolin Ruddies – Fotos: Alexander Fischer




















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