Am ersten Tag der Berlin Fashion Week startete die Talk-Series „METAMORPHOSIS – Dialogues about Change“, präsentiert vom Fashion Council Germany und unterstützt von eBay. Die mehrtägige Veranstaltungsreihe, die im Rahmen der Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2026 stattfindet, widmet sich den drängendsten Fragen der Modebranche. Sie setzt dabei einen klaren Fokus auf Künstliche Intelligenz und deren Impact auf kreative Prozesse, Businessmodelle und Konsumverhalten.
Das Leitthema des ersten Tages lautete Tech / Talent / Transformation. Zahlreiche Expert:innen aus Mode, Technologie und Digitalwirtschaft kamen zusammen, um in Talks und Panels über die Zukunft der Branche zu diskutieren, zwischen Innovation, Kreativität und gesellschaftlicher Verantwortung.
AI Fluency: Building Worlds at the Speed of Thoughts
Den Auftakt machte Taskin Goec, Creative Technologist und AI-Experte, der an der Schnittstelle von Design, 3D und generativer KI arbeitet. In seinem Talk sprach er über AI-Fluency, die Fähigkeit, mit KI nicht nur zu arbeiten, sondern sie als kreativen Partner wirklich zu verstehen.
Mit der Aufforderung „Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine braune Bomberjacke und einen kurzen Rock vor“ zeigte er, wie schnell sich visuelle Konzepte heute mithilfe von KI materialisieren lassen. Zunächst präsentierte er Beispiele, die vollständig von der AI generiert wurden, ästhetisch überzeugend, aber konzeptuell noch zufällig. Anschließend zeigte er eigene Designs, die er Schritt für Schritt in Kollaboration mit der KI entwickelt hatte.
Sein Fazit: „We are now able to build new worlds with our thoughts. Speed is not the only thing that matters – the thoughts do, too.“ Eine klare Botschaft: Nicht die Technologie entscheidet, sondern die Qualität der Idee.
Fashion in Realtime: How Technology Is Reshaping Creativity & Retail
In den weiteren Talks wurde deutlich, wie tiefgreifend sich Mode aktuell transformiert. Digitale Produkte, virtuelle Showrooms und Virtual Try-Ons ermöglichen neue Einkaufserlebnisse, bei denen Konsument:innen Mode nicht mehr nur betrachten, sondern aktiv erleben. Digitale Zwillinge fungieren dabei als Schnittstelle zwischen Design, Marketing und Retail und werden zu zentralen Assets für Prototyping, Storytelling und immersive Experiences.
Auch Live Shopping entwickelt sich rasant zu einem der relevantesten Trends im Fashion E-Commerce. Statt klassischer Produktlistings stehen Storytelling, Echtzeit-Interaktion und direkte Kommunikation im Mittelpunkt. Marken werden zu Entertainern. Hosts zu neuen Opinion Leadern und Konsument:innen zu aktiven Teilnehmenden.
Im Panel „What’s Trending Tomorrow“ wurde zudem klar: Talent bedeutet heute mehr als reine Kreativität. Es geht um Haltung, interdisziplinäres Denken und die Fähigkeit, Technologie kritisch und bewusst einzusetzen. AI wird als Werkzeug verstanden, nicht als Ersatz für Vision. Entscheidend für die Zukunft sind Community-Aufbau, Lernbereitschaft und eine klare Identität in einer fragmentierten, digitalen Modewelt.
Gaming-Technologien wie Unreal Engine oder Plattformen wie Epic Games werden dabei zunehmend zur strategischen Infrastruktur für Fashion Brands. Generative AI beschleunigt Prozesse und demokratisiert Zugänge, doch die kreative Vision bleibt menschlich. Technologie ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Mode als narrative, interaktive Realität neu zu denken.
Autorin: Sila Kocabey – Fotos: Jonas Ruhs
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