Als einzige deutsche Brand im diesjährigen Kalender der London Fashion Week Autumn Winter 2026 präsentierte MYL BERLIN am 20. Feb. 2026 ihre bisher umfangreichste Kollektion – „BROKEN ENOUGH?“. Nachdem bereits die Spring/Summer 2025 Kollektion via Livestream von Berlin nach London übertragen wurde, knüpfte das Label unter der kreativen Leitung von Sebastian S.K. Pladwig und Ayham Hussein nun an dieses Format an. Schauplatz der Inszenierung war die Eventlocation CANK in Berlin-Neukölln, dessen industrielle, raue Ästhetik den perfekten Rahmen bildete. Schon im Vorfeld unterstrich MYL BERLIN den diesjährigen Anspruch damit, dass es „lauter, kompromissloser und energiegeladener als je zuvor“ sein werde, und kündigte die bislang größte Show der Brand-Geschichte an.
Vom Grün ins Grau
Die Location markierte diese Saison einen deutlichen Kontrast zur vorherigen Show im grünen Treehouse. In industrieller Ästhetik wurden die Gäste im vierten Stockwerk des ehemaligen Kaufhauses von einer zynischen Installation der Künstlerin Natalie von Matt empfangen. Arbeiten aus ihrer Serie „Broken Childhood“, wie enthauptete Puppen mit Sprüchen wie „unfortunately not everybody gets what he deserves“ oder ein Baby mit der Aufschrift „worthless“, machten sofort klar, dass es diesmal düsterer zugehen würde.
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Pünktlich um 20 Uhr füllte voluminöser Bass den Raum und deutscher Techno setzte ein – „Ich bin ein Zustand, ich bin Brand“ ertönte aus den Boxen. Die von Marie Zechiel inszenierte Choreografie zeigte Tänzerinnen in einem disruptiven Tanzstil, die an die Säulen des Gebäudes angekettet waren und sich symbolisch loszureißen versuchten.
Anatomie des Wendepunkts
Die MYL Kollektion „BROKEN ENOUGH?“ ist als Anatomie eines Wendepunkts konzipiert und erzählt vom Sprengen der Ketten, die fälschlicherweise für Liebe, Zuhause, Heimat oder Sicherheit gehalten wurden. Dabei geht es – je nach Biografie – um sehr konkrete Brüche: für manche um das Verlassen eines vom Krieg erschütterten Landes, für andere um den Ausstieg aus einer missbräuchlichen Beziehung, das Brechen des Schweigens über Kindheitstraumata oder das Einfordern einer Identität, die lange nicht akzeptiert wurde.
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Entworfen wurde die Linie von Sebastian S.K. Pladwig und Ayham Hussein, wobei diese Saison Husseins erste offizielle Nennung als Designer markiert. Die Looks bleiben klar und genderfluid: Lack, Leder und Mesh dominieren, dazu neofuturistische Schnitte und Details wie eingenähte Netze. Toga-ähnliche Elemente verleihen einzelnen Outfits eine moderne Gladiatoren-Anmutung – verstärkt durch den fokussierten, teils trampelnden Laufstil der Models. Dank der gestalterischen Bandbreite findet sich in der Kollektion für jede Situation der richtige Look – MYL BERLIN kleidet den Clubbesuch ebenso stilsicher ein wie das Dinner-Date oder den Weg zum nächsten Späti.
Haltung, Handwerk, Nachhaltigkeit
In der Marke steckt zudem ein klarer Fokus auf verantwortungsbewusste Fertigung und Langlebigkeit. MYL BERLIN arbeitet mit Zero-Waste-Schnittmustern, um Abfälle schon im Designprozess zu minimieren. Der Schmuck besteht zu 75 Prozent aus recyceltem Edelstahl. Für Lederwaren wird robustes Sattelleder genutzt, das als Nebenprodukt der Industrie sonst oft ungenutzt bleibt. So verbindet das Label lokale Produktion mit einer konsequenten Absage an binäre Geschlechterrollen – und definiert Luxus eher über Haltung und Handwerk als über den Preis.
Autor: Michel Winges – Fotos: KOWA-Berlin





























































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