Im Alte Hörsaalruine der Charité wird Mode zur Sprache und Stoff zur Stimme. Mit Couture & Confessionsinszeniert Plaid-à-Porter kein klassisches Runway-Format, sondern eine atmosphärische Verschmelzung aus Oper, Schauspiel und Upcycling Couture. Inspiriert von dem skandalträchtigen Briefroman Les Liaisons dangereuses entfaltet sich ein Abend, der Verführung, Macht und Inszenierung nicht nur thematisiert, sondern körperlich erfahrbar macht. Zwischen historischen Mauern entsteht ein vielschichtiges Spiel aus Klängen und textilen Fragmenten, ein lebendiges Tableau, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt.
Ein Auftakt zwischen Schleier, Schrei und Sehnsucht
Die Show beginnt nicht am Boden, sondern in der Höhe. In einem Fenster der Ruine erscheint eine Frau ganz in Weiß, ihr Gesicht und Körper von Spitze verdeckt. Operngesang füllt den Raum. Plötzlich durchschneidet eine tiefe Stimme die Stille: Ich bin verloren. Mit diesem Moment setzt die Bewegung ein. Die Harfe beginnt zu spielen, Models treten auf den Laufsteg und mit ihnen beginnt Couture & Confessions, eine immersive Performance.
Die ersten Looks markieren klare Grenzen: Schauspieler:innen tragen Fragmente alter Gobelin-Wandteppiche, während die Models in weißer Spitze auftreten. Filigrane Kleider mit Blumensträußen setzen den Ton. Historische Textilien werden neu zusammengesetzt, ihre Geschichten bleiben sichtbar, genau wie die Emotionen, die sie transportieren.
Wenn Mode den Raum durchbricht
Eine Schauspielerin erhebt sich aus dem Publikum, die Bühne öffnet sich, die Trennung zwischen Beobachten und Teilnehmen löst sich auf. Mit dem Wechsel der Musik, von Harfe und Oper zu zeitgenössischen DJ-Sounds, verschieben sich auch die Rollen. Nun erscheinen auch die Models in Gobelin-Fragmenten. Spitze bleibt nur noch als Echo: in Handschuhen, als Top oder im finalen Look als Schleier.
Accessoires setzen spielerische Akzente: Wasserperlen als Schmuck, Taschen mit Baguette oder kleinen Weinflaschen erinnern an barocke Stillleben. Die Looks sind elegant, modern gelayert und verleihen den nachhaltigen Materialien einen neuen, individuellen Charme. Couture & Confessions feiert Couture als erzählende Kunstform und macht sichtbar, wie sehr Begehren, Eitelkeit und Macht noch immer in unsere eigenen Leben eingewoben sind.
Autorin: Jette Jäger – Fotos: Ben Mönks
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