RE/CLAIMED: Die Upcycling-Show, die Mode neu schreibt

RE/CLAIMED: Die Upcycling-Show, die Mode neu schreibt

Kurz vor der Berlin Fashion Week (30.01.–02.02.2026) fand am Abend des 22.01.2026 die Modenschau „RE/CLAIMED“ im Studio dB in Berlin-Wedding statt. Das interdisziplinäre Projekt wurde von Eric Vincent gemeinsam mit Alicia Staufenbiel (alias Cleo) und Déborah-Loïs Séry konzipiert und versteht Kreativität als Werkzeug für Awareness, Widerstand und Transformation.

RE/CLAIMED: Die Upcycling-Show, die Mode neu schreibt
RE/CLAIMED Upcycling-Show im db studio

Gründer Eric Vincent, mit Erfahrung im Bereich Supply Development und Sustainability Management, sieht in Mode nicht nur reinen ästhetischen Ausdruck, sondern auch eine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung. Auf die Frage, was er heute an der Modeindustrie verändern würde, verweist Vincent auf die Notwendigkeit eines zirkulären Systems. Im Zentrum steht dabei die Weiterverarbeitung bestehender Kleidungsstücke zu wiederverwendbaren Stoffen anstelle der Nutzung neu gewonnener Rohmaterialien. So könnte ein bedeutender Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Mode geleistet werden.

RE/CLAIMED: Fashion, Art, Activism

RE/CLAIMED basiert auf drei Leitprinzipien: OWN, DISRUPT und REINVENT. Das Projekt lädt dazu ein, die Realitäten hinter Modeproduktion anzuerkennen, extraktive Systeme durch zirkuläre Praktiken zu stören und Mode als Raum für Verantwortung, Ausdruck und kollektiven Wandel neu zu denken. Mit finanzieller Unterstützung von Engagement Global und Fashion Revolution Germany wurden die nachhaltigen Designs der Marken FADE OUT Label, Sobrenegro, The Future Club, A New Kind of Blue und Almana durch musikalische Untermalung, Tanz und Performance Art in Szene gesetzt.

Die Show begann mit einer Tanzperformance auf einem Berg aus Altkleidern, begleitet vom Summen von Nähmaschinen und Bildern riesiger Mülldeponien voller Textilreste. Eine Erinnerung an die akuten Probleme, die der heutige Modekonsum mit sich bringt. Dass es auch anders geht, wurde live vor Ort gezeigt: Während die Models den Laufsteg entlangliefen, verarbeitete Susan Speer an einer Nähmaschine Teile des Kleiderbergs direkt zu neuen Kleidungsstücken.

Auch Sound spielte eine erzählerische Rolle: Die eigens produzierte Komposition arbeitete mit industriellen und factory-inspirierten Klängen (wie Nähmaschinen) und steuerte die Atmosphäre zwischen kontrolliertem Chaos und kollektivem Erwachen.

RE/CLAIMED Upcycling-Show

FADE OUT Label: Unisex, Deconstructed Vintage, Handcraft Methods

Den Anfang machte das 2015 gegründete FADE OUT Label (@fadeoutlabel) der beiden Designerinnen Andrea Bonfini und Nicola Gomiero mit oversized Looks und starken Proportionen. Das Label arbeitet mit deconstructed vintage und handwerklichen Methoden und denkt seine Pieces konsequent unisex. In der Show dominierten Unisex-Teile aus altem Jeansstoff, darunter alltagstaugliche Bomberjacken, riesige Schals, Taschen und voluminöse Kleider.FADE OUT Label

Sobrenegro: Textile Artifacts, Upcycling, Experimental Tailoring

Sobrenegros (@sobrenegrocl) von Lola Garcia drapiert alte Stoffe zu fließenden, ausgefallenen Kreationen. Das Label beschreibt seine Arbeiten als textile artifacts und setzt auf Upcycling sowie experimentelles Tailoring. Die chilenische Designerin lässt sich vom urbanen Umfeld der Stadt inspirieren, was ihren Entwürfen einen futuristischen, dystopischen Touch verleiht. Die Looks wirkten wie aus einem urbanen Umfeld heraus gedacht – eher Labor als klassische Brand.

Sobrenegro

The Future Club: Genderless Clubwear, One-Size, Size-Inclusive Fokus

Die Mode von The Future Club (@thefutureclub_berlin) von Emrah Polywka ist alles andere als gewöhnlich. Gegründet 2017 (seit 2024 unter dem Namen The Future Club) und mit Sitz in Berlin-Kreuzberg, setzt die Clubwear- und Streetstyle-Marke bewusst auf Farbe, Materialmixe sowie genderneutrale, inklusive und komfortable Schnitte – oft mit one-size Ansatz. Dieser Fokus auf Komfort wurde während der Show unmittelbar zur Schau gestellt, als die Models statt eines klassischen Walks den Laufsteg entlang tanzten.

The Future Club

A New Kind of Blue: Circular Denim, Truly Circular Product Lifecycle

A New Kind of Blue (@anewkindof_blue) verfolgt das Ziel, alten Jeans neuen Glanz zu verleihen. Gegründet 2021 in Berlin, steht hinter dem Studio Tim van der Loo gemeinsam mit Sandra Nicoline Nielsen. Indem sie aussortierte Stücke zerlegen, entsteht ein komplett neuer Stoff: Discarded Denim wird zu Fasern geschnitten und zu einem Vlies gebunden – daraus werden dann klassische Mäntel, Overalls und Westen kreiert.

A New Kind of Blue

Almana: Wearable Art, Dead-Stock Fabrics, Slow/Intentional Making

Almana (@almana.studio) von Alfonso Maria Nava schafft nachhaltige Mode mit Persönlichkeit und arbeitet dabei mit geretteten Materialien und dead-stock Stoffen. Mit auffälligen Cut-outs, asymmetrischen Jacken und Hosen sowie starken Farbkontrasten setzt das Label auf Pieces mit klarer Attitüde und Wiedererkennungswert – und möchte Menschen, die die Designs tragen, Mut verleihen, ganz sie selbst zu sein.

Almana

Als „Children of the Revolution“ vereinten die Design- und Kreativteams Mode mit Kunst und Aktivismus. Mit der Show und dem Verteilen von Flugblättern, die einen QR-Code zum A-GAIN Guide enthielten – einer Karte, die Reparaturdienste, Second-Hand-Läden und Upcycling-Designer in der Nähe anzeigt – lieferten sie konkrete Vorschläge, wie Mode bewusster und nachhaltiger erlebt werden kann.

RE/CLAIMED fashion show

Autorin: Michelle Stoll – Fotos: KOWA-Berlin

Impressionen RE/CLAIMED

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