Seefashion25 – Graduate Fashion Show der KH Weißensee 2025

Seefashion25 – Graduate Fashion Show der KH Weißensee 2025

Seefashion25 ist zurück – und in diesem Jahr kraftvoller, politischer und eindrucksvoller denn je. Am Montag, den 21. Juli 2025, wurde das Kulturforum Berlin zur Bühne für 28 Abschlusskollektionen der weißensee kunsthochschule berlin. Die jährliche Graduate Fashion Show präsentierte sich erneut als kreativer Höhepunkt im Berliner Modesommer – diesmal in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum, das nicht nur architektonisch, sondern auch symbolisch den passenden Rahmen bot.

Seefashion25 – „A Journey Together“

Unter dem programmatischen Titel „A Journey Together“ formulierten die Studenten ihre Abschlussarbeiten als kollektives künstlerisches Statement. Jede Kollektion – ein gestalterischer Halt auf einer gemeinsamen Reise, die visuelle Sprache mit Haltung verknüpft. In Zeiten wachsender politischer Unsicherheit und massiver Kürzungen im Kulturbereich wird Mode zum Ausdruck von Protest, Selbstermächtigung und Solidarität. Die gezeigten Arbeiten sprachen nicht nur durch Materialien und Formen, sondern durch ihre Themen: Geschlechteridentitäten, Zukunftsängste, kulturelle Zugehörigkeit und die Frage, wie Mode in einer krisengeprägten Welt weiterbestehen kann.

Trotz begrenzter Mittel zeigten die Absolventen große Visionen. Was fehlte, wurde durch Mut, Gemeinschaft und ästhetische Schärfe kompensiert. Seefashion25 war nicht nur eine Abschlussmodenschau – es war ein kulturelles Ereignis, das die Relevanz und Notwendigkeit kreativer Bildungsprozesse sichtbar machte. Mode als Manifest, Laufsteg als Bühne für Zukunftsfragen.

Seefashion25 – Designer und Kollektionen

Ben van Heyden – GLAUBE, LIEBE – HOFFNUNG? (BA)

Ben van Heydens Kollektion ist ein intensives Spiel mit Gegensätzen und Emotionen. Sie thematisiert Glauben, Liebe und Hoffnung als fundamentale menschliche Kräfte – fragil und doch unerschütterlich. Die Designs zeichnen sich durch expressive Silhouetten und eine kühne Materialwahl aus, die tiefgründige Geschichten erzählen. Instagram: @benvanheyden

Alexis Thelen – Me ta rouha kimame – Sleeping with my clothes on (BA)

Alexis Thelens „Me ta rouha kimame“ nimmt traditionelle griechische Trachten als Ausgangspunkt und verwandelt sie in zeitgenössische Statement-Pieces. Die Kollektion verbindet kulturelles Erbe mit moderner Ästhetik und feiert dabei Identität und Wandel gleichermaßen. Instagram: @thelenalexis

Lena Psenner – gioco n. quattordici (BA)

Lena Psenner experimentiert mit spielerischen Formen und einer klaren Farbpalette in „gioco n. quattordici“. Ihre Kollektion ist leicht und doch strukturiert, ein Spiel mit Leichtigkeit und Konzepten, das zum Nachdenken über Mode als Kunstform einlädt. Instagram: @psennerlena

Patricia Alessa Dinges – Joséphines Demonstration (BA)

Patricia Alessa Dinges setzt mit „Joséphines Demonstration“ ein feministisches Statement. Ihre kraftvollen Looks erzählen von Empowerment und Widerstand, durchzogen von historischer Referenz und moderner Rebellion. Instagram: @paddiad

Franka Ilg – Noch ein bisschen schön, bevor die Welt untergeht. (BA)

Franka Ilgs Kollektion reflektiert Schönheit und Vergänglichkeit. Mit poetischer Leichtigkeit thematisiert sie das Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Endlichkeit, zwischen Hoffnung und Resignation. Instagram: @franka_rabe

Juliane Längin – Akin (BA)

Juliane Längins Kollektion „Akin“ verbindet Tradition und Moderne auf überraschende Weise. Inspiriert von familiären Wurzeln und kultureller Vielfalt, schafft sie Kleidungsstücke, die Geschichten erzählen und Identitäten verhandeln. Ihre Designs sind geprägt von handwerklicher Präzision und emotionaler Tiefe, die das Publikum auf eine Reise durch persönliche und kollektive Erinnerung mitnehmen.

Justus Borschke – dressing the bands (BA)

Justus Borschke setzt in „dressing the bands“ auf urbane Coolness und eine rockige Attitüde. Seine Kollektion spielt mit Schichten, Texturen und auffälligen Silhouetten, die Musik, Subkultur und Rebellion sichtbar machen. Die Outfits sind nicht nur Mode, sondern Ausdruck einer Haltung – laut, selbstbewusst und voller Energie. Instagram: @j___borschke

Nele Westerkowsky – EXO (MA)

In „EXO“ verwandelt Nele Westerkowsky das Spannungsverhältnis von Muschel und Metall in eine textile Dramaturgie. Reliefartige Oberflächen, changierende Stoffe und massive Schmuckdetails lassen Körperlichkeit und Rüstung, Zartheit und Härte miteinander verschmelzen. Zwischen Drapage und Konstruktion, zwischen Lingerie und Rüstung entsteht eine Ästhetik der Ambivalenz. Schmuck wird zu Hülle, Stoff zur Haut – ein Spiel zwischen Intimität und Schutz. „EXO“ ist fragil, opulent und kompromisslos körpernah. Instagram: @nele_westerkowsky

Lea Maria Scheere – Aussöhnung (BA)

Lea Maria Scheeres „Aussöhnung“ erzählt von Versöhnung und innerem Frieden. Ihre Designs wirken zart und gleichzeitig kraftvoll, sie spielen mit Kontrasten und fließenden Linien. Die Kollektion lädt dazu ein, sich selbst zu begegnen, Verletzlichkeit anzunehmen und Heilung durch Mode zu erleben – eine sanfte Protestform in turbulenten Zeiten. Instagram: @leamariascheere

Jule Schreiter – Echo einer kommenden Form (BA)

Jule Schreiter erforscht mit „Echo einer kommenden Form“ die Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ihre Arbeit zeichnet sich durch skulpturale Silhouetten und organische Strukturen aus, die sich wie ein Flüstern aus der Zukunft in die Gegenwart schieben. Eine Kollektion, die zum Nachdenken über Wandel und Nachhaltigkeit anregt. Instagram: @girls_being_rude

Surya Pohly – Drifting Thoughts (MA)

In „Drifting Thoughts“ von Surya Pohly verschmelzen Leichtigkeit und Tiefgang. Die Kollektion setzt auf fließende Stoffe und verspielte Details, die Gedankenströme und Erinnerungen visualisieren. Ein poetischer Dialog zwischen Innerlichkeit und der äußeren Welt, der Mode als emotionales Erlebnis inszeniert. Instagram: @surya_pohly

Eva Dobler – NOWHERE / NOW HERE (BA)

Eva Doblers „NOWHERE / NOW HERE“ ist ein Spiel mit Ortlosigkeit und Gegenwärtigkeit. Die Designs reflektieren das Gefühl des „Zwischen“ – weder hier noch dort – und fangen diese Ambivalenz in reduzierten, aber kraftvollen Formen ein. Eine Kollektion, die Fragen nach Zugehörigkeit und Selbstbestimmung aufwirft. Instagram: @source_va

Oscar Thiemt – unfold (BA)

Oscar Thiemt zeigt mit „unfold“ eine Kollektion voller Spannung und Dynamik. Durch die Nutzung von Falttechniken und überraschenden Schnitten öffnet er neue Perspektiven auf Stoff und Form. Seine Arbeiten sind Ausdruck von Bewegung, Veränderung und dem Prozess des Werdens – ein modisches Entfalten.

Laura Obst – DIE ARBEITERIN (MA)

Laura Obst widmet sich mit „DIE ARBEITERIN“ der Arbeitswelt und ihren Gesichtern. Die Kollektion verbindet Funktionalität mit ästhetischem Anspruch, nutzt robuste Materialien und klare Linien. Sie ist Hommage an die Kraft und den Wert von Arbeit, präsentiert durch eine feministische Linse, die Empowerment sichtbar macht. Instagram: @laura__obst

Mara Menger – reset arrangement (BA)

In „reset arrangement“ untersucht Mara Menger, wie Kleidung zur Schnittstelle zwischen digitalem Selbstbild und physischer Präsenz wird. Die Kollektion zeigt Körper als wandelbare Avatare, deren Eigenschaften sich durch Layering, Verschiebung und bewusste Störung der Silhouette neu zusammensetzen. Oberflächen, Prints und konstruktive Eingriffe verweisen auf digitale Ästhetiken – mit Glitches, Verschiebungen und Brüchen, die Identität nicht festlegen, sondern in Bewegung halten. Kleidung wird zum Filter, der den Körper nicht nur verhüllt, sondern ihn aktiv formt und codiert. Eine Kollektion wie ein Spiegelkabinett der Gegenwart: scharf, verspielt, reflektierend. Instagram: @maramenger

Louis Grau – German Angst (MA)

Louis Grau thematisiert mit „German Angst“ kollektive Ängste und gesellschaftliche Zwänge. Seine düsteren, fast dystopischen Looks spiegeln Unsicherheiten und den Druck der Gegenwart wider. Die Kollektion ist ein kritisches Statement und fordert zur Reflexion über die eigene Haltung gegenüber Angst und Kontrolle auf. Instagram: @heron_mortuum

Yasmin Herrera – Un Perreo Derviche – Anziehen Ausziehen (BA)

Mit „Un Perreo Derviche“ verhandelt Yasmin Herrera die Spannungen einer Identität zwischen muslimischem Glauben und lateinamerikanischer Kultur. Aufgewachsen als Latina in einem muslimischen Haushalt, tanzte sie zu Reggaeton, rezitierte den Koran und praktizierte später sufistische Rituale mit ihrer Familie. Diese persönliche Dualität spiegelt sich in ihrer Kollektion wider – im Spiel zwischen An- und Ausziehen, Verhüllen und Offenbaren. Der rutschende Turban wird dabei zur wiederkehrenden Geste, die spirituelle Wandlung und körperliche Selbstbestimmung zugleich andeutet. Schmuck in Pferdeform symbolisiert das Ego – stark, widerspenstig, aber zähmbar durch Liebe statt Zwang. Herrera zeigt eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Körper, Glauben und kultureller Zugehörigkeit – kraftvoll, poetisch, radikal persönlich. Instagram: @yas.herrera.s

Kim Alessi – Kairos (BA)

Kim Alessis „Kairos“ nimmt den Moment der Gelegenheit und Transformation in den Fokus. Die Kollektion arbeitet mit dramatischen Formen und fließenden Stoffen, die Zeitlichkeit und Veränderung inszenieren. Ein sinnliches Spiel mit dem „richtigen Zeitpunkt“ für Wandel und Selbstfindung. Instagram: @its.kim.alessi

Fritz Fromm – FERNAH (MA)

Mit „FERNAH“ bringt Fritz Fromm Nähe und Distanz, Heimat und globale Vernetzung in ein sensibles Gleichgewicht. Die Kollektion verbindet lokale Handwerkstraditionen mit digitalen Designtechniken und erzählt von der emotionalen Spannung zwischen physischer Präsenz und virtueller Verbindung. Strick trifft auf Lasercut, Folkloreband auf präzise Schnitte – ein Spiel aus Material, Herkunft und Zukunft. Mit jeder Naht spürt man den Versuch, in einer komplexen Welt ein persönliches Koordinatensystem zu zeichnen. „FERNAH“ ist leise, kraftvoll und zutiefst menschlich. Instagram: @fritzfromm

Alissa Marlen Epple – I Got Dressed and Things Got Personal (BA)

Alissa Marlen Epples Kollektion „I Got Dressed and Things Got Personal“ erzählt intime Geschichten durch Kleidung. Die Werke sind emotional und authentisch, nutzen persönliche Erinnerungen als Inspirationsquelle. Ein modisches Tagebuch, das individuelle Erfahrungen und Gefühle sichtbar macht. Instagram: @alissamarlenepple

Sanja Philipp – Hysteria (MA)

„Hysteria“ von Sanja Philipp ist ein kraftvolles Statement über Emotionen und gesellschaftliche Zuschreibungen. Die Kollektion spielt mit expressiven Schnitten und starken Farben, die Widerstand und Selbstbehauptung symbolisieren. Ein mutiger Ausdruck von Emotionalität als politischer Akt. Instagram: @sanjap

Alice Kister – The Passerby (BA)

Alice Kisters „The Passerby“ fängt das flüchtige Moment und die Begegnung mit Fremden ein. Ihre Designs sind leicht, transparent und doch aussagekräftig, sie erzählen von Bewegungen und Übergängen. Eine poetische Reflexion über das Leben als Reise voller Begegnungen und Abschiede. Instagram: @alicedanielakister

Luise Sonntag – what i already am (BA)

Luise Sonntag verwebt persönliche Reflexion mit modischer Sprache. „what i already am“ ist ein Bekenntnis zur eigenen Identität, zur Selbstakzeptanz – fernab von Trends oder Dogmen. Ihre Entwürfe wirken wie textile Tagebucheinträge: roh, ehrlich, fragil. Stoffe mit Texturen wie Haut, Schnitte wie innere Landkarten. Diese Kollektion ist kein Versuch, sich neu zu erfinden – sondern eine Einladung, sich selbst zu erkennen. Instagram: @luisemariasonntag

Laurin Schuler – MULTIPLIANCY (BA)

Laurin Schuler denkt das Thema Identität als Vielheit – „MULTIPLIANCY“ ist eine Kollektion über das Paradoxe, das Widersprüchliche, das Nebeneinander. Technisch anspruchsvolle Drapierungen treffen auf bewusst gebrochene Formen. Die Looks changieren zwischen Softness und Rüstung, zwischen Anonymität und Selbstausdruck. Eine Kollektion wie ein Spiegelkabinett, das sich weigert, nur ein Bild zurückzugeben. Instagram: @laurinschuler

Tess Schleifer – All Between (BA)

Tess Schleifer lotet in „All Between“ die Räume zwischen Gegensätzen aus – zwischen Struktur und Auflösung, Innen und Außen, Nähe und Distanz. Die Designs wirken wie textile Membranen: durchlässig, schützend, transformierbar. Mit feinem Gespür für Materialität inszeniert sie eine stille, zugleich intensive Auseinandersetzung mit Zwischenzuständen. Eine Kollektion für alle, die sich im Dazwischen beheimatet fühlen. Instagram: @_tess_s_

Tung Son Trinh – Sunset and Snacks (MA)

Tung Son Trinh bringt mit „Sunset and Snacks“ eine Prise Ironie auf den Laufsteg. Zwischen kulinarischer Popkultur und melancholischen Abendstimmungen entsteht eine Kollektion, die humorvoll mit Konsum, Komfort und Nostalgie spielt. Fast Food trifft auf High Fashion, Alltag auf Eskapismus. Ein kritischer Augenzwinkerer, der uns fragt: Was nährt uns eigentlich wirklich? Instagram: @sontung_trinh

Fabienne Peranović – Go Touch Grass (BA)

Fabienne Peranović schließt Seefashion25 mit einem textilem Weckruf: „Go Touch Grass“ ist mehr als ein Spruch – es ist eine Einladung zum Entschleunigen, zum Wiedersehen mit der Welt außerhalb digitaler Filterblasen. Die Kollektion erinnert an Natur, Atmen, Loslassen. Erdige Töne, archaische Formen, funktionale Details. Kleidung als Rückverbindung – nicht zur Vergangenheit, sondern zum Jetzt. Instagram: @fabienneperanovic

Arthur Werner – Mäntig Morge, Mercredi Soir (BA)

Arthur Werner verbindet in „Mäntig Morge, Mercredi Soir“ Sprachspiel mit Stilbewusstsein. Die Kollektion pendelt zwischen der Schweizer Herkunft des Designers und einer frankophilen Leichtigkeit. Die Looks changieren von Alltagsästhetik bis Theaterszene, von Montagmorgen bis Mittwochabend. Werner übersetzt biografische Momente in modische Szenenbilder – poetisch, präzise und eigen. Instagram: @werner______

Autor: fsb – Fotos: KOWA-Berlin

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