Stromberg (Der Film) – Interview mit Christoph Maria Herbst

Stromberg ist zurück

Stromberg, die Serie, war in Deutschland ein voller Erfolg – vielleicht auch deshalb, weil sich so viele im Stromberg-Büro-Kosmos wiederfanden. Jetzt zeigt sich Stromberg auf noch größerem Format: der Kinoleinwand.

Interview mit Christoph Maria Herbst, siehe unten.
Hier geht’s zur Film-Website: Stromberg – Der Film.

Inhalt

„Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht und am Ende gibt’s Ärger“. Eine weise Vorahnung – und trotzdem macht sich Stromberg mit seinen Mitarbeitern aus der Schadensregulierung auf den Weg in ein Landhotel, in das die CAPITOL Versicherung die gesamte Belegschaft zur 50-Jahre-Jubiläumsfeier geladen hat. Mit dabei sind natürlich auch Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne I. Mädel), das langjährige Mobbingopfer der Abteilung, Lieblingskollegin Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) und das verheiratete Kollegenpaar Ulf und Tanja Steinke (Oliver K. Wnuk, Diana Staehly) samt Pflegesohn Marvin. Es könnte so ein schöner Abend werden – hätte Stromberg nicht erfahren, dass die Schließung seiner Filiale unmittelbar bevor steht. Rettung verspricht nur ein Wechsel in die Zentrale – und genau den will er auf der Feier anbahnen, wo alle Entscheidungsträger der CAPITOL versammelt sind. Doch ausgerechnet Ernie hat denselben Plan – und liefert sich mit Stromberg ein Duell, in dem sich beide dem Vorstand von ihrer allerbesten Seite präsentieren. Während Ernie den Vorzeigeangestellten mimt, gibt sich Stromberg als fürsorglicher Vater der Abteilung, der von seinen Mitarbeitern geschätzt und geachtet wird. Dass genau das nicht der Fall ist, wird schnell klar – doch „Büro ist Krieg, und den gewinnt man nicht bei der Heilsarmee“. Und Stromberg wäre nicht Stromberg, wenn er nicht trotzdem auf seine unvergleichliche Art punkten könnte. So scheint das Ziel ganz nah – und doch so fern. Denn irgendetwas ist faul im Staate CAPITOL, und Stromberg muss sich entscheiden: Soll er sich durchmogeln wie sonst auch, oder soll er diesmal Farbe bekennen und alles auf eine Karte setzen? (Quelle: NFP Verleih)

Zum Einstimmen auf den Kinofilm: .

Über den Film

Ein Gespräch mit Christoph Maria Herbst (Quelle: NFP Verleih)

Mehr noch als bei der Serie fällt bei dem Film auf, dass Bernd Stromberg nicht einfach eine Figur zum Lachen oder Fremdschämen ist, sondern dass sie auch eine große Emotionalität entwickelt.

Das war mir immer wichtig. Ich wollte nie, dass Bernd Stromberg nur so eine Abziehfigur ist, die in einem merkwürdigen Büro rumturnt. Er sollte den Zuschauer immer auch berühren. Und das Drehbuch für den Film hat mich berührt. Wenn sich das nun durch unser Spiel, unsere Performance einlösen sollte, dann ist das natürlich besonders toll.

Sie spielen den Stromberg seit fast zehn Jahren. Ist das noch eine Herausforderung?

Wir haben es tatsächlich geschafft, den Stromberg in den fünf Staffeln immer wieder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Für mich wäre z.B. vor zehn Jahren, als wir „Stromberg“ aus der Taufe hoben, noch nicht denkbar gewesen, dass er sich auch verlieben kann, dass er es mit einer Frau auf seine Weise wirklich ernst meinen könnte. Wir wussten damals zwar, dass er verheiratet ist, aber da haben wir seine Frau ja erst einmal noch nicht gesehen. Das kam erst später. Das ging dann irgendwann in die Brüche. Und in die Jennifer Schirrmann ist er tatsächlich verliebt – auf seine Weise, dass muss ich immer dazu sagen. Diese anderen Facetten, die uns Menschen im Unterschied zum Tier letztlich auch ausmachen, dass wir mehr sind als Arbeitstier, sondern auch ein Hauch Privatheit dabei ist, das hat mir im Lauf der fünf Staffeln immer gut gefallen. Und nun kommt im Film noch eine universelle Seite dazu. Das hat mir diese Figur ein weiteres Mal sehr kurzweilig vorkommen lassen und sie auch mit großer Kurzweil spielen lassen. Entscheidend war uns, nicht auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, sondern zu versuchen, das Rad jedes Mal noch weiter zu drehen. Eine Figur wie Stromberg hält das alles aus – der Figur kann man viel zumuten. Und dem Publikum kann man viel mit der Figur zumuten.

Glauben Sie Stromberg heute besser zu kennen als damals? Hat die Figur noch Geheimnisse für Sie?

Der Gralshüter ist Ralf Husmann. Und der entlockt Stromberg die allermeisten Geheimnisse. Ich habe es immer schon gesagt, dass Ralf Husmann viel mehr Stromberg ist als ich. Klar, ich gebe ihm meinen Körper, meine Stimme, meine Mimik. Aber die Haltung, auf’s Leben zu gucken, ist bei Ralf Husmann viel mehr Zuhause als bei mir. Ich stelle aber fest, dass es sehr viel Spaß macht, eine Figur, die man Jahre lang in eine gewisse Richtung gespielt hat, auf einmal konfrontiert zu sehen mit einem Liebesbekenntnis oder dem ohnmächtigen Versuch, mit einer Frau über Gefühle zu reden. In dem Moment mache ich mir Zuhause gar nicht so viele Gedanken, wie könnte ich das jetzt spielen. Das passiert am Set. Man lernt diesen Text, und wenn man beim Dreh wirklich mit dieser Realität konfrontiert wird, wenn man vor dem realen Büro steht, vor der realen Jennifer Schirrmann, gespielt von der wunderbaren Milena Dreißig, lässt man es einfach fließen.

Wenn es Ihnen nicht so wichtig ist, dass Stromberg Sie überraschen muss, stellt sich doch gleich die Frage: Überrascht Sie Ralf Husmann mit dem, was er sich für ihn einfallen lässt?

Der Husmann und seine Autorinnen und Autoren überraschen mich immer wieder total. Es ist immer wieder ein Fest, seine Bücher überhaupt ins Haus geschickt zu bekommen. Ich erlebe das bei keinem anderen Autor oder keiner anderen Produktion, dass man sich die Texte eben nicht mit dem gespitzten Bleistift durchlesen, Fragezeichen an den Rand machen oder ganze Sätze umstellen muss. Man muss nicht am Rand Anmerkungen machen wie: So spricht doch keiner. Oder: Verstehe ich nicht. Wenn die „Stromberg“- Bücher ins Haus geflattert kommen, lasse ich mir ein Vollbad ein und öffne eine Flasche Rotwein, weil man sich dann von A bis Z nur noch freuen kann. Und ja, dann wundere selbst ich – der sicherlich zu den Leuten gehört, die Stromberg am besten kennen – mich unentwegt: Ach, das macht er jetzt auch noch? Oder: Aha, in diese Richtung kann man den ja auch treiben. Ich glaube das, was ich lese. Ich habe mich oft überraschen lassen. Und das trifft für das Drehbuch für den Kinofilm genauso zu. Ich spiele den Stromberg nur so lange gerne, wie ich mich von ihm selbst auch zum Narren halten lassen kann.

Fällt es Ihnen leicht, Stromberg „zu werden“?

Stromberg zu werden ist tatsächlich ein physischer Prozess. Ich lasse diesen Haarkranz wachsen. Allein das nimmt fünf bis sechs Wochen in Anspruch, bis der diese Drei-Zentimeter-Dichte hat und diese Strombergsche Flauschigkeit. Für den Klobrillenbart brauche ich etwa die Hälfte dieser Zeit. Währenddessen wachse ich regelrecht phänotypisch in den Bernd hinein. Und wenn ich die Texte lerne, mache ich den Sack dann zu. Sobald ich am Set stehe, ist es für mich kein Stochern im Nebel mehr. In dem Moment, in dem ich die Ernies und Ulfs und Tanjas um mich mir sehe, bin ich wie ferngesteuert, wie ein Zombie. Ich bin dann Stromberg. Aber ich streife nie an der Pathologie entlang. Natürlich bin ich mir immer bewusst, dass ich Schauspieler bin und eine Figur spiele. Es ist nicht so, dass der Stromberg mich in der Hand hätte und ich seine Marionette wäre. Wenn ich abends nach Hause komme, dann weiß ich auch, was ich getan habe. Ich gucke dann in den Spiegel und sehe immer noch die Fratze von Bernd. Aber meine Liebsten um mich herum, sehen spätestens in meinen Augen, wen sie vor sich haben. Alles andere wäre auch schlimm.

Gibt es Momente, in denen Sie Stromberg verabscheuen? Oder macht er für Sie immer Sinn?

Das eine schließt das andere nicht aus. Sicher gibt es Augenblicke, in denen ich den Bernd verabscheue. Aber es gibt niemals Augenblicke, in denen ich sage: Das kann ich nicht spielen. Es ist nun mal Stromberg in diesem Moment. Es macht Sinn, es ist in sich schlüssig, wenn er einer schwarzen Putzfrau an den Hintern fasst oder es so wirkt, als sei er der schwangeren Jennifer zugewandt, obwohl es ihm doch nur wichtig ist, einen überdachten Parkplatz zu kriegen. Das sind Dinge, wo ich abends schon mal ein paar Minuten länger unter der Dusche stehe, weil ich das Gefühl habe, da sind noch Reste, die ich abwaschen muss. Aber innerhalb des „Kosmos Stromberg“ macht es Sinn. Und es widert mich trotzdem an. Aber das ist auch das Schöne: Wenn es mich nicht anwidern würde, wie kann ich dann erwarten, dass es dem Zuschauer so geht. Denn wir wollen doch Figuren spielen, die den Zuschauer bewegen, die ihm durch den Kopf gehen und die ihn den Kopf schütteln lassen. Den Stromberg will ich so spielen, dass man ihn in den Arm nehmen, ihm aber gleichzeitig auch einen Tritt in den Hintern verpassen will.

Musste man bei Ihnen Überzeugungsarbeit leisten, Stromberg auch fürs Kino zu spielen?

Ich musste ein bisschen überlegen, ob ich mir den Stromberg auch im Kino vorstellen kann, kam dann aber schnell zu der Überzeugung, dass das bei Ralf Husmann in den richtigen Händen lag. Husmann hat ja schon bewiesen, dass er mehr beherrscht als den Dreißigminüter. „Dr. Psycho“ lief eine Stunde und war vorzüglich. Und 60 plus 30 – das ist schon fast ein ganzer Kinofilm. Mir war klar, dass der Husmann nicht einfach vier Folgen „Stromberg“ nehmen und zu einem Kinofilm zusammenschweißen würde. Der Mann hat Ahnung von Dramaturgie. Ich habe also einmal tief durchgeatmet und gesagt: Tolle Idee, ihr kriegt das sicherlich hin. Es wäre doch ein Ritterschlag, die „Stromberg“-Welt auf die Leinwand zu hieven, bevor wir den Stecker ziehen.

War es anders, Stromberg fürs Kino zu spielen?

Im Grunde spielt das Format für mich keine Rolle. Aber eine andere Verantwortung hat man schon, bei dem deutlich höheren Aufwand und dem Bewusstsein, dass die Fangemeinde mit Hilfe des Crowdfunding ein klares Votum für „Stromberg“ und den Film abgegeben hat. Aber auf den Dreh selbst hatte das keinerlei Auswirkung. Das Format ist egal. Wir machen zwar Comedy, aber wir nehmen unfassbar ernst, was wir da tun. Da spaßen wir nicht. Komödie ist letztlich nichts anderes als Tragödie plus Timing.

Und das fordert Ihr Regisseur ein?

Mein Latein ist sehr bescheiden, aber hier will ich es einsetzen: Per aspera ad astra. Der Weg ist oft ein sehr steiniger. Und das liegt bei „Stromberg“ daran, dass Arne Feldhusen ein ungemein pingeliger Regisseur ist und immer wahnsinnig genau hinguckt. Von der Arbeitsweise ist er absolut Loriot-verdächtig.

Nicht zuletzt, weil Sie das pseudodokumentarische Format gewählt haben, das Beliebigkeit suggerieren muss, aber nie beliebig sein darf.

Hier muss ich unseren kongenialen Kameramann Johannes Imdahl herausheben, der von der Doku kommt. Das macht absolut Sinn bei „Stromberg“. Für mich ist er der wichtigste Mann am Set, Schauspieler, Regisseur und Kameramann – er vereint alle drei Positionen in seinem schlaksigen 1.95-Meter- Körper. Ich leide immer mit ihm, weil er aufgrund seiner Größe in die Knie gehen muss, um auf Augenhöhe mit uns zu sein. Die Kamera bei „Stromberg“ ist keine agierende, sondern eine reagierende. In jedem normalen Film ist der Schnitt zunächst auf die Tür und dann kommt jemand herein. Bei „Stromberg“ ist es so, dass jemand die Tür öffnet und dann schwenkt die Kamera in die Richtung. Der Vorgang des Durch-die-Tür-Gehens wird gar nicht aufgezeichnet. Johannes Imdahl muss da wie ein Schauspieler sein, weil auch er jedes Mal wieder aufs Neue wirken muss, als sei er überrascht. Und dann spielt er dabei noch meisterlich mit Unschärfen, wackelt etwas herum, damit man das Gefühl hat, jemand sei da live dabei und wisse auch nicht, was als nächstes kommt.

War es wichtig, dass STROMBERG – DER FILM mit einem aufeinander eingespielten Team vor und hinter der Kamera gearbeitet hat?

Extrem wichtig. Der ausgelutschte Satz „Never change a winning team“ trifft bei uns absolut zu. Ich gehe vorsichtig mit dem Begriff „Familie“ um, weil wir bei einer Film- oder Fernsehproduktion keine Familie sind, sondern Kollegen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten und sich dann wieder in alle Winde zerstreuen. Hier war aber die Kontinuität gegeben, dass sich über Kollegialität hinaus so etwas wie familiäre Freundschaft entwickeln konnte. Das tut dem Format wahnsinnig gut, denn man muss gar nicht viele Worte machen, kann ausgesprochen effizient arbeiten und Tacheles reden.

Versuchen Sie, bei der Gestaltung der Figur Stromberg Einfluss auf Ralf Husmann zu nehmen?

Nichts würde ich lieber tun, als die Figur als die meine zu reklamieren. Liebend gern würde ich behaupten, er sei meine Idee gewesen, ich hätte ihn ausgearbeitet und ihn dann Ralf Husmann in den Laptop diktiert. Leider ist es so nicht gewesen. Das geht auf Nico Paalzow, den damaligen Geschäftsführer von ProSieben zurück, der in Montreux „The Office“ gesehen hatte und sich eine Serie in diesem Stil für seinen Sender wünschte. Aus alter Bekanntschaft sprach er BRAINPOOL an, wo sich ein Mann namens Ralf Husmann meldete, der sich an die Entwicklung machte. Ich kannte ihn damals noch gar nicht, spielte bei „Ladykracher“ mit Anke Engelke, bin ihm dort aufgefallen mit meiner vermeintlich englischen Spielweise, wie er mir später erzählte. Er sprach mich also an und präsentierte mir „Stromberg“. Ich sagte aber zunächst ab, weil ich mich dem „Ladykracher“-Team verpflichtet fühlte, und Husmann castete die Figur daher erst einmal mit anderen. Er war aber nicht zufrieden, weil er keinen so richtig lustig finden wollte – also habe ich doch noch angeboten es zu versuchen, und das fand er dann lustig. Und ich fand es abgefahren, mit der Kamera zu spielen und so zu tun, als stünde da ein Reporter, der einem Fragen stellt. Stromberg ist also Husmanns Baby. Ich verhelfe der Figur mit meiner Performance zu Transparenz und steuere das Aussehen bei. Das immerhin geht vollumfänglich auf mich.

Der Kinofilm ist – zumindest vorläufig – der Schlusspunkt für „Stromberg“. Wie fühlen Sie sich damit?

Die letzten Drehtage kochte eine große Melancholie in uns allen hoch. Es war nicht ganz einfach nach der tollen Zeit, die wir miteinander hatten, über all die Jahre hinweg. Umso mehr freuen wir uns darauf, dass wir mit dem Kinofilm noch einmal eine richtige Rakete zünden können.

Was soll der Zuschauer aus dem Kino mitnehmen?

Er soll singend aus dem Kino kommen und „Lass das mal den Papa machen“ vor sich hinträllern.
Titel: Lass das mal den Papa machen – Der Song zum Film
Künstler: Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg
Komponist: Stefan Raab
Text: Stefan Raab / Ralf Husmann

Besetzung

Bernd Stromberg Christoph Maria Herbst
Ernie (Berthold) Heisterkamp Bjarne I. Mädel
Ulf Steinke Oliver K. Wnuk
Tanja Steinke (geb. Seifert) Diana Staehly
Jennifer Schirrmann Milena Dreißig
Lars Lehnhoff Laurens Walter
Sabine (Sabbel) Buhrer Maja Beckmann
Günni Carsten Meyer
Klaus Klinkhammer Michael Wittenborn
Sinan Turçulu Sinan Akkus
Tatjana Berkel Tatjana Alexander
Marvin Max Kluge

Kinostart: 20. Februar 2014

Autor: Caspar Keller

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