Der Berliner Modedesigner Taskin Goec lässt kreative Handwerkstechniken mit innovativen Technologien verschmelzen. Seine Arbeit bewegt sich zwischen analogem Entwurf, digitaler Simulation, KI, 3D-Design und einer futuristischen Interpretation des menschlichen Körpers.
Von digitalen Räumen zur Mode
Bereits in jungen Jahren prägte sich seine Begeisterung und Faszination für digitale Räume: In digitalen Simulationen gestaltete Taskin Goec Avatare und kleidete diese in seinem Stil ein. Diese frühe Auseinandersetzung mit virtuellen Körpern, digitalen Identitäten und gestalteten Welten ist bis heute ein wichtiger Ausgangspunkt seiner Arbeit.
An der Kunsthochschule Weißensee Berlin präzisierte er seine handwerklichen Fähigkeiten und verknüpfte diese später mit seinem Master in Fashion Design Technology am London College of Fashion. Goec versteht Design als einen kontinuierlichen Experimentierprozess. Damit denkt er auch über ressourcenschonendere Formen der Modeproduktion nach, etwa indem eine digitale Garderobe zunächst virtuell entsteht und erst bei tatsächlicher Nachfrage physisch umgesetzt wird.
Seine Arbeitsprozesse stützen sich auf eine Vielfalt an Methoden. Mal beginnt er mit einem analogen Entwurf und entwickelt diesen digital weiter, manchmal erstellt er zuerst ein digitales Schnittmuster, das er anschließend analog verfeinert. Gerade in diesem Wechselspiel zwischen Handwerk und Technologie liegt die besondere Spannung seiner Arbeit.
Taskin Goec im Überblick
| Name | Taskin Goec |
| Studio | Studio Taskin |
| Standort | Berlin |
| Ausbildung | Kunsthochschule Weißensee Berlin, Master in Fashion Design Technology am London College of Fashion |
| Designansatz | Verbindung von Handwerk, KI, 3D-Design und Mixed Reality |
| Ästhetik | Voluminöse Silhouetten, organische Texturen, digitale Körperbilder und futuristische Accessoires |
| Material- und Bildsprache | Rohe Naturtexturen, erdige und pastellige Farbtöne, technische Elemente und virtuelle Oberflächen |
| Bekannte Arbeiten | „The Last Dance“, digitale Kollektionen und Mixed-Reality-Projekte |
| Besonderheit | KI wird nicht als Ersatz für Design verstanden, sondern als kreatives Werkzeug zur Erweiterung des Entwurfsprozesses |
Studio Taskin erweitert Realitäten
Anstelle von Mode im klassischen Sinne kreiert der Designer auch virtuelle Kollektionen und digitale Modewelten. Als Teil des SYKY Collectives wurden seine Arbeiten bereits im Kontext der London Fashion Week präsentiert. Bei der Fashion Week AW2024 stellte er seine Kollektion „The Last Dance“ vor, die Spuren des Menschseins – Bewegung und Emotion – mit einer rauen, digitalen Welt vereint.
Studio Taskin integriert moderne Technologien, 3D-Software und KI aktiv in den Designprozess der Mode. Goec trainierte ein KI-Modell auf Basis seiner vorherigen Werke und seiner persönlichen Design-DNA. Dadurch entsteht eine umfangreiche Menge an weitergedachten Variationen seiner Ideen.
KI fungiert für ihn dabei nicht als Ersatz für den kreativen Prozess des analogen Designens, sondern vielmehr als erweitertes Gegenüber, das eng mit ihm zusammenarbeitet und ihn in seiner Kreativität fördert. Seine Arbeit zeichnet weit mehr aus als ein klassischer Designprozess von Mode: Taskin Goec erschafft eine parallele Welt, in der sowohl die Avatare, die er visualisiert, als auch die Mode seine Designsprache sprechen.
Studio Taskin widersetzt sich dabei konsequent traditionellen Schönheitsidealen und formt die menschlichen Proportionen seiner digitalen Figuren auf fast avantgardistische Weise neu.
Rohe Naturtexturen im futuristischen Stil
Die Neuinterpretation des Körpers zeigt sich besonders in den voluminösen Formen und dreidimensionalen Silhouetten. Stark ins Auge sticht die Textur der Oberflächen. Organische, fast lebendige Strukturen sowie farblich verschwimmende Drucktechniken erzeugen eine visuelle Tiefe. Sie erinnern an moorige, steinige Landschaften und menschliche Hautstrukturen.
Ästhetisch bewegt sich das Studio zwischen roher, natürlicher Materialität und futuristischer Konstruktion. Erdige und pastellige Farbtöne treffen auf technische Elemente wie übergroße Brillen, digitale Körperformen und dreidimensionale Silhouetten. Dadurch entsteht eine Bildsprache, die zugleich organisch und künstlich, verletzlich und technologisch wirkt.
Warum Taskin Goec für die Zukunft der Mode interessant ist
Mit seinen innovativen Kollektionen zeigt Taskin Goec, dass KI und neue Technologien nicht als Ersatz für Gestaltung funktionieren müssen, sondern als Werkzeuge, um neue Formen von Mode zu entwickeln und weiterzudenken. Er eröffnet neue Perspektiven darauf, wie Mode im digitalen Zeitalter gedacht, gestaltet und erlebt werden kann.
Gerade für Berlin ist seine Arbeit spannend, weil sie die Stadt als Experimentierraum für hybride Modeformen sichtbar macht. Taskin Goec verbindet Handwerk, Technologie, digitale Körperbilder und eine avantgardistische Ästhetik zu einem Designansatz, der weit über klassische Kleidung hinausgeht.
Autorin: Jade Arnodt – Fotos: PR