Wer sich mit Berliner Fashion auskennt, ist ohne Zweifel schon über UNVAIN gestolpert. Die Kollektionen von Robert Friedrichs sind anspruchsvoll, roh, minimalistisch und vor allem authentisch Berlin. Das Label verbindet Streetwear, Clubkultur und eine reduzierte Designsprache zu einem Look, der die Energie der Stadt auf den Laufsteg bringt.
Streetstyle als Ausgangspunkt des Labels
Während die Welt im Lockdown mit neuen Hobbys experimentierte, launchte der gebürtige Rostocker Robert Friedrichs 2020 seine Streetwearmarke UNVAIN. Ganz ohne klassisches Designstudium, dafür mit selbstbewusstem Stil, feinem Gespür für Mode und einer bereits bestehenden Community auf YouTube, entwickelte Friedrichs ein Label, das von Beginn an stark mit seiner persönlichen Perspektive auf Kleidung verbunden war.
In seinen Videos nimmt er das Publikum mit zum Vintage-Shopping, stellt Kollektionen nahbar vor und vermittelt nebenbei Wissen über Qualität, Silhouetten und Geschmack. Ein wichtiger Bestandteil seines Channels ist außerdem die Dokumentation des Berliner Streetstyles: Friedrichs interviewt Menschen auf der Straße und hält fest, wie Mode im Alltag der Stadt tatsächlich getragen wird. Sein Ziel war es von Beginn an, die Stimmung Berlins einzufangen und tragbare Kleidung für modeaffine Menschen mit starker Persönlichkeit zu entwerfen.
Warum UNVAIN für Berliner Mode relevant ist
Während viele junge Streetwear-Labels auf plakative Logos, schnelle Drops und kurzfristige Trends setzen, verfolgt UNVAIN einen deutlich reduzierteren Ansatz. Das Label bewegt sich zwischen Streetwear, Contemporary Fashion und avantgardistischen Einflüssen. Gerade diese Verbindung aus Berliner Subkultur, hochwertiger Verarbeitung und architektonischer Formensprache macht UNVAIN innerhalb der jungen deutschen Modelandschaft interessant.
Robert Friedrichs übersetzt die Codes der Berliner Club- und Straßenszene nicht in reine Merch-Ästhetik, sondern in Kollektionen mit klarer Haltung. Die Entwürfe wirken roh, aber kontrolliert; lässig, aber präzise konstruiert. Dadurch entsteht eine Mode, die sowohl im urbanen Alltag als auch auf dem Runway funktioniert.
UNVAIN im Überblick
| Label | UNVAIN |
| Gründer | Robert Friedrichs |
| Gründungsjahr | 2020 |
| Standort | Berlin |
| Stil | Streetwear, Contemporary Fashion, Berliner Clubästhetik |
| Schwerpunkte | Leder, Denim, Tailoring, industrielle Details, reduzierte Silhouetten |
| Nächster Termin | Berlin Fashion Week SS27, 3. Juli 2026 |
Inspiration aus der Architektur
Ästhetisch wie konzeptionell ist Friedrichs Arbeit immer wieder vom Brutalismus beeinflusst. Die Grundidee des Brutalismus besteht darin, Struktur, Material und Gebrauchsspuren sichtbar zu machen, statt sie zu verstecken. Auch UNVAIN arbeitet mit Materialien, die eine ausdrucksstarke Oberfläche besitzen und Spuren von Nutzung, Bewegung und Zeitlichkeit zulassen.
Natürliche Töne, Leder, Denim und industriell anmutende Details prägen die visuelle Sprache des Labels. Schnitt und Silhouette basieren häufig auf bekannten Kleidungsstücken wie Vintage-T-Shirts, Five-Pocket-Jeans oder Bomberjacken, die puristisch reduziert und anschließend neu interpretiert werden. Neben Kleidung erkundet UNVAIN auch Accessoires wie Schuhe, Sonnenbrillen oder Parfum und erweitert damit konsequent die eigene Markenwelt.
UNVAIN auf dem Runway
Seit den Anfängen der Brand hat UNVAIN viel Wachstum und Veränderung erlebt. Noch immer präsentiert Robert Friedrichs zeitlose Kollektionen mit subkulturellen Einflüssen, doch auf der AW26-Show zeigte sich das Label mit neuer Reife. Skulpturale Formen, starkes Tailoring und elegante Schleppen hoben UNVAIN sichtbar von einer Online-Brand in Richtung Runway-Fashion.
Besonders prägend waren die langen Silhouetten, die zwischen militärischer Strenge und fließender Eleganz oszillierten. Leder, Denim und technische Materialien trafen auf transparente Stoffe und erzeugten einen spannenden Kontrast zwischen Härte und Leichtigkeit. Die Models mit lässig gestylten Haaren und Sonnenbrillen verkörperten die mühelose Sexiness der Berliner Clubszene, während das Designteam militärisches Outerwear, Vintage-Distressing und kontrastierende Transparenz in eine gehobene Designsprache übersetzte.
Auffällig waren auch Broschen, die als wiederkehrendes Accessoire eingesetzt wurden und der Kollektion eine dekorative, fast historische Note verliehen. Sie kontrastierten mit Seilornamenten, die an Napoleonjacken erinnerten und sich wie ein roter Faden durch die Looks zogen. So entstand eine Kollektion, die Berliner Subkultur nicht nur zitierte, sondern in eine präzise, modische Erzählung übersetzte.
Ausblick auf die Berlin Fashion Week SS27
Am 3. Juli wird UNVAIN im Rahmen der Berlin Fashion Week SS27 erneut zeigen, wie sich Berliner Streetwear weiterentwickeln kann. Nach dem starken Runway-Moment der vergangenen Saison darf man gespannt sein, ob Robert Friedrichs den Weg zwischen roher Clubästhetik, architektonischer Strenge und tragbarer High Fashion konsequent weiterführt.
Autorin: Maya Zieger- Fotos: PR