Samstag , 20 April 2019
Shih Chien University MBFW AW 2016
BERLIN, GERMANY - JANUARY 22: A model walks the runway at the Fashion Designs By Shih Chien University show during the Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2016 at Brandenburg Gate on January 22, 2016 in Berlin, Germany. (Photo by Frazer Harrison/Getty Images for Mercedes-Benz)

Shih Chien University – Autumn Winter 2016/17 – Buddha und ein Astronaut

Ein explosiver Abschluss! Am letzten Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin präsentierten die Studenten der Shih Chien University ihre Kollektionen mit dem Zweck, das Konzept der Mode herauszufordern – ein Bestreben, das sich in der Vielfältigkeit der Ergebnisse widerspiegelte. Die Master-Studenten der Privatuniversität in Taiwan entwarfen die PRAXES Kollektionen für ein simuliertes Modelabel und mussten im Zuge dessen gruppenweise Marketing- und Verkaufsstrategien erarbeiten.

Die finale Show begann mit dem Auftritt zweier männlicher Models, die komplett in Schwarz gekleidet waren und von Weitem nicht besonders spektakulär wirkten. Aus der Nähe betrachtet jedoch, faszinierten die Looks von Yu-Qi Zheng mit einer klassischen Optik, die über minimalistische Schnitte vermittelt und durch einen spannenden Materialmix aufgewertet wurde. Dazu harmonierten die unterschwellig innovativen Details wie Flügelschultern und aufwendige Kopfbedeckungen.

Im Folgenden wurde der kulturelle Kontext der Designer durch Buddha-Prints wie bei Yi Ma, asiatische Schriftzeichen und royal oder rituell anmutende Accessoires verkörpert. Bei Yan-Cing Human erinnerten die Models in perlenartigen Hängern an hinduistische Gottheiten. Auch comicartige Applikationen waren ein Indiz für die asiatische Ader, die hinter den Entwürfen steckt. Die Schnitte umhüllten den Körper mal ganz weit und waren an anderer Stelle rüstungsähnlich und nah an der Silhouette geführt – bei Yi-Qing Wu’s Kollektion “My stränge love with orthopaedics” wirkten sie fast wie ein Panzer. Ein spannungsvolles Spiel von Farben und Formen entstand ebenso durch Patchwork wie durch abstrakte Versätze mit diagonaler Linienführung.

Neben gedeckten oder farblosen Tönen gab es auch knallige Farben und einen Hauch leichter Sorbet-Nuancen. Asymmetrie kontrastierte mit Ausgewogenheit und glänzende Textilien hoben sich von wasted-Looks ab, die an Malerkleidung erinnerten. Zu finden waren diese in der spannend dekonstruierten Kollektion “Those Days and Now” von Ying-Fong Wu.

Traditionelle Elemente wie ein altmodisches Hahnentritt-Muster wurden modern verarbeitet. So auch transparente Plissees und ein camouflageartiger Print, der in sommerlichen Farben daherkam. Businesselemente flossen reichlich in die Designs ein, wurden aber nie übermächtig, weil durch verschiedenfarbige Hosenbeine oder visionären Textilgebrauch eine moderne Optik entstand. Neben Lackleder und plastikartigen Qualitäten, wirkten individuelle Grobstrickformen mit langen herabhängenden Fransen sehr naturbelassen. Besonders gut hat uns die ästhetische Kollektion “Just Be Heal” von Fei-Ran Xu gefallen, die durch braune und grüne Naturfasern einen beinahe ländlichen Charme versprühte. Künstlich anmutende Accessoires wie Knieschoner und Gesichtsschutz ließen wiederum auf interessante konzeptionelle Ansätze schließen.

Die Studenten wurden ermutigt, ihrem kreativen Denken nachzugehen, um innovative Kleidung darzulegen. Moderne Ideen wie Männer in Tüll, Kleidern oder mit riesigen aufgesetzten Pflanzen demonstrierten, wie die Studenten Grundsätze in Frage stellen wollten. Sie experimentierte mit 3D-Oberflächen, neuartigen Stoffen und ungebräuchlichen Schnitten. Alles in allem zeigten die Studenten der Shih Chien University ein Feuerwerk der Gegensätze. Mal avantgardistisch. Mal tragbar und funktional-sportlich. Verspielt, schon fast Coachella-tauglich. Futuristisch mit Sciece-Fiction-Anmutung im Astronauten-Look. Hier minimalistisch, da leidenschaftlich extravagant wie bei einem knallroten mit Glitzer verziertem Look. Mal ganz strukturiert und mal mit herabhängenden Fetzen. Immer mit ganz viel Liebe zum Detail. Immer mit dem Grundsatz, sich nicht von Konventionen ersticken zu lassen und als Ermutigung an die gesamte Modewelt. Design bedeutet Freiheit und die  sollte zwanglos in all ihren Zügen ergründet werden!

Autor: Julia Sophie Hellmann – Fotos: Mercedes-Benz Fashion

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