Mittwoch , 16 Oktober 2019
euro fashion award 2016

Anastasia Lotikova (“Shuî”) – Gewinnerin des Euro Fashion Award 2016

„Nachhaltige Mode“… Dieser oder ähnliche Begriffe finden sich immer häufiger in Modemagazinen, auf der Straße und auf Websites der zahlreichen Fashion-Startups. Dennoch verbindet ein Großteil der Menschen mit diesen Begriffen noch immer grünbraune Leinen-Ballonröcke oder Pumphosen.
Da dieses Thema aber immer populärer wird, stellt sich doch die Frage, ob man „sustainable fashion“ nur auf diese Weise produzieren kann.

Anastasia Lotikova, die Gewinnerin des diesjährigen Euro Fashion Awards 2016, konnte sich in Görlitz mit ihrer Kollektion, die sich mit eben diesem großen Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigt, gegen zehn weitere Mitstreiter durchsetzen.

Ihre Menswear Kollektion hob sich ab, stach heraus und bleibt in Erinnerung.

Sie verwendete zur Herstellung der Designs ausschließlich Stoffreste aus der Industrie oder bereits vorhandene Kleidungsstücke. Das führte dazu, dass sie für die gesamte Entwicklung der Outfits nicht etwa wie andere Designer vier bis fünf Monate, sondern über ein Jahr brauchte, da sie ständig auf die „Kleiderspenden“ von Familie, Freunden und Bekannten angewiesen war.

Die Jungdesignerin brachte uns eine ganz neue Form des „Upcyclings“ nahe, bei dem bereits vorhandene Kleidungsstücke zu neuen Teilen zusammengesetzt wurden. Anastasia Lotikova trieb das ganze noch auf die Spitze. Während man beim Upcycling teilweise noch erahnen kann, woraus das Stück ursprünglich genäht wurde, zerlegte sie den Stoff in kleine Teile und setzte diese völlig neu zusammen. Dadurch entstand eine prägnante Struktur, die einen besonderen Wiedererkennungswert aufweist. Applikationen wie Taschen oder Hosenbünde übernahm Sie dabei teilweise von alten Stücken.

Mit dieser Patchwork-Technik gelang es ihr, den Stoff des bereits vorhandenen Kleidungsstücks bestmöglich auszunutzen, da keine Stoffabfälle aus den neuen Stücken entstanden. Ein Verfahren,  von dem sich die große Modeindustrie gerne ein großes Stück abschneiden darf.
Anastasia Lotikova hat durch ihr Studium und die Arbeit in der Industrie erfahren, unter welchen Bedingungen Kleidung gefertigt und durch die geringen oder nicht vorhandenen Schutzmaßnamen Mensch und Natur zu Grunde gerichtet werden. Durch diese Impressionen kam auch der außergewöhnliche Kollektionsname „Shuî“ zustande. Dies ist chinesisch und bedeutet „Wasser“.

Genau darum ging es bei ihrem Design. Die Mode zählt zu den größten industriellen Zweigen der Welt und ist damit ganz vorne dabei, wenn es um den Grad der Wasserverschmutzung auf unserer Erde geht. In ihrem Video zur Kollektion zeigte die Designerin erschreckende Bilder und Zahlen, um die Zuschauer wachzurütteln und einen Schritt weg von der Fast-Fashion-Gesellschaft zu machen.

euro fashion award 2016

Ihr Statement ist klar: Wir müssen uns von der „haben-wollen-Mentalität“ und der immer stärker ansteigenden Schnelllebigkeit des Trenddrucks und der Mode im Allgemeinen distanzieren, sonst erhalten wir irgendwann die endgültige Rechnung.
Das Problem sei, sagt die junge Designerin in unserem Interview, dass wir nicht erleben, wie unsere Kleidung gemacht wird. Zahlen und Fakten prallen irgendwann an uns ab und machen uns taub für weit entfernte Probleme.
Nicht nur Energieriesen müssen nachhaltiger werden, auch die Modewelt muss umdenken.
Shuî ist ein außergewöhnlicher Ausblick auf neue Perspektiven und zeigt, dass es auch anders geht, dass sich Nachhaltigkeit und Style nicht gegenüberstehen, sondern – im Gegenteil – Hand in Hand gehen.

Autor: Louise Grotenhöfer – Fotos: Peter Kirchhoff

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