Montag , 20 Januar 2020
Nele in Berlin - Recyclingmode DIY

Kostümbildnerin Sabine Greunig im Interview: Recycling-Mode im Film Nele in Berlin

Recyclingmode. Schon lange nicht mehr wird unter dem Begriff altbackene, farblose Kleidung à la “mehr Nutzen als Ästhetik” verstanden. Abgesehen von all den Gründen für Umwelt und Nachhaltigkeit, geht es auch darum, mit recycelter Mode einzigartige Kleidungsstücke mit Charakter zu erschaffen. Vor allem in Berlin ist Recycling – nicht nur in der Mode – schon immer und immer mehr ein wichtiges Thema. Nicht nur deshalb spielt der Film Nele in Berlin, der am 1. März um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, in der deutschen Hauptstadt.

Nele in Berlin – Ein Film über Selbstbestimmung und das Leben

Die 23-jährige Nele soll eigentlich die Familien-Kleinstadt-Apotheke von Vater Hans-Peter übernehmen. Doch die junge Frau hat das Pharmazie-Studium in Berlin heimlich abgebrochen und widmet sich stattdessen ganz ihrer eigentlichen Leidenschaft, der Möbelrestauration. Ihre Eltern wissen davon nichts und natürlich entstehen dadurch vermehrt Komplikationen und Probleme. Im Fokus des Film stehen neben Themen wie Selbstfindung auch die Stadt Berlin und das Thema Recycling, denn Neles beste Freundin hat sich der Recycling-Mode verschrieben.

Sabine Greunig  Interview Recycelte Mode Film Nele in Berlin
Schauspielerin Katharina Müller-Elmau in einem recycelten Kleid aus Krawatten

Nele in Berlin – Zu sehen am Sonntag, den 1. März um 20:15 Uhr im ZDF

In den Hauptrollen des Films spielen Cornelia Gröschel, August Zirner, Katharina Müller-Elmau, sowie Vladimir Burlakov und Uwe Ochsenknecht in Nebenrollen. Die mehrfach ausgezeichnete Kostümbildnerin Sabine Greunig entwarf die selbstgestalteten Do-it-yourself-Kleider und den recycelten Rucksack, die in der ZDF-Produktion Nele in Berlin im Mode-Fokus stehen.

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Kostümbildnerin Sabine Greunig im Interview: Recycling-Mode im Film Nele in Berlin  

Wir haben uns mit der Kostümbildnerin Sabine Greunig über ihre Arbeit in dem Film Nele in Berlin, Selbstbestimmung in ihrem Beruf und die Zukunft von Recycling-Mode unterhalten:

 

Frau Greunig, Sie sind eine erfolgreiche Kostümbildnerin, wurden durch Filme wie das Drama Kirschblüten-Hanami oder die Romanverfilmung Als wir träumten bekannt und haben für Ihre Arbeiten zahlreiche Preise erhalten. In Ihrem neuesten Projekt Nele in Berlin entscheidet sich die Protagonistin gegen den Willen ihrer Eltern für ein selbstbestimmtes Leben. In wie weit ist Ihr eigener Weg, Ihr Weg zur Kostümbildnerin zielgenau und selbstbestimmt verlaufen?

Mein Weg zum Kostümbild verlief weder ausgesprochen zielstrebig, noch geradlinig. Lange war es nicht klar, dass ich einmal in meinem heutigen Beruf arbeiten würde, denn im Nachhinein hätte auch Vieles anders kommen können. Nach meinem Abitur machte ich zuallererst eine Ausbildung zur Maßschneiderin bei der DEFA, der Deutschen Film AG in Babelsberg. Über Umwege habe ich dann an der Hochschule für Künste in Dresden Kostümgestaltung studiert. Im Anschluss folgte Modedesign an der Kunsthochschule Weißensee, Berlin. Durch die Ausbildungs-Zeit in Babelsberg, die die Hochschulen für meine Bewerbung verlangten, lernte ich viele sehr talentierte und inspirierende Menschen kennen. So zum Beispiel den Regisseur Andreas Dresen, mit dem ich bis heute sehr gerne zusammen arbeite. Meinen Beruf habe ich selbstbestimmt gewählt, aber auf Umwegen gefunden.

Sabine Greunig Interview Kostümbildnerin
Die Kostümbildnerin Sabine Greunig

Für Nele in Berlin beschäftigten Sie sich mit Recycling-Mode. Was halten Sie generell davon, alte Kleidung auf neu zu trimmen? War Recycling und Do-it-yourself für Sie schon immer ein Thema, oder haben Sie sich erst für den Film verstärkt damit befasst?

Ich habe mich schon immer sehr viel mit dem Thema auseinandergesetzt. Das kommt natürlich vor allem durch das Theater. Beim Theater versucht man, eine Illusion zu erschaffen. Das erreicht man unter anderem dadurch, dass man aus alten Stoffen Neues erschafft, alte Materialien verwandelt und etwas ganz Anderes daraus zaubert.

Haben Sie denn auch schon privat selber Kleidungsstücke recycelt?

Ja, eine meiner Lieblingsjacken habe ich aus einem Kleid gemacht.

Scheint so, als liege Ihnen das Thema Redesign und damit auch der Film Nele in Berlin sehr am Herzen. An welche vergangenen Fimprojekte erinnern Sie sich denn sonst noch besonders gern?

Natürlich gibt es da ganz viele Projekte und Filme, die mir besonders Spaß gemacht oder mich besonders berührt haben. Bei mir ist das zum Beispiel der Film Sommer vorm Balkon aus dem Jahr 2004.

In dem Film waren Sie unter anderem verantwortlich für das Kostüm der Filmfigur Nike, die von Nadja Uhl gespielt wurde. Wie verläuft denn allgemein Ihr Arbeitsprozess?

Generell bekomme ich eine Story, ein Drehbuch zugeschickt, das ich dann lese. Dabei mache ich mir Gedanken zu den Personen in der Geschichte, zu ihrem Charakter, zu ihrem Wirken, zu ihrer Funktion, zu ihrem Auftreten und zu Ihrem Erscheinungsbild. Das Film-Kostüm sollte den Charakter unterstützen und ihn nach außen hin sichtbar machen.

Sind Sie dabei in Ihren Ideen und Vorschlägen gar nicht gebunden?

Ich bin bei meiner Arbeit erst einmal sehr frei. Mein Konzept bespreche ich mit dem/der RegisseurIN, auch die Zusammenarbeit mit dem/der SzenenbildnerIN und MaskenbildnerIN ist sehr wichtig. Es hilft, wenn Kostümbild und Regie die gleiche Grundhaltung zu Menschen haben und sich die Sichtweise auf die Geschichte und ihre Charaktere ähnelt. Aus dieser Übereinstimmung kann dann eine lange Arbeitsbeziehung wachsen.

In dem Film Nele in Berlin spielt die Stadt eine sehr große Rolle, inspiriert und beeinflusst die Protagonisten der Erzählung. Welche Rolle spielt Berlin für Sie?

Ich lebe in Potsdam, also in der Nähe Berlins. Ich liebe Berlin, genauso auch wie ich ein großes Faible für Filme habe, die eine insgeheime Hommage und Liebeserklärung an die Stadt darstellen. Natürlich ist es auch kein Zufall, dass der Film Nele in Berlin genau hier spielt. Berlin ist meiner Meinung nach genau der richtige Standort für solch ein Projekt, das sich mit Kunst, Recycling und Do-it-yourself auseinandersetzt. Berlin ist so eine offene, kreative und künstlerische Stadt, in der es nicht nur um Äußerlichkeiten geht. Berlin tickt, was das angeht, anders als die meisten anderen Großstädte. Teure Kleidung, bekannte Marken und Luxus spielen hier weniger eine Rolle, es geht viel mehr darum, sich selbst durch Kleidung auszudrücken. In Berlin findet man Kleidung in allen Varianten, in allen Formen und in allen Materialien. Das gefällt mir.

Auch wenn Recycling-Mode in Berlin selbstverständlich ist – allgemein ist das Umfunktionieren von Kleidungsstücken und Do-it-yourself nicht überall ein großes Thema. Wie schätzen Sie die Zukunft des Redesigns von Kleidungsstücken ein?

Ich sehe definitiv eine große Chance für Recycling-Mode, nicht nur in Berlin. Nachhaltigkeit, Konsum, Verbrauch und Selber-machen sind doch schon lange wichtige Themen in der heutigen Zeit. Es ist wichtig, dass sich jeder dafür interessiert.

Der Film Nele in Berlin ist dabei sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Autor: Nathalie – Fotos:
Kleider auf Schneiderpuppe und Rucksack: © sabotage films GmbH
Schauspielerin Katharina Müller-Elmau im Kleid: © ZDF/Pola Sieverding
Porträt von Kostümbildnerin Sabine Greunig: Sabine Greunig
Titelbild: ZDF

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