Freitag , 13 Dezember 2019
Michael Sontag Spring Summer 2015

Michael Sontag Spring Summer 2015 – Bewegungsfreiheit durch Flip Flops auf dem Laufsteg

Michael Sontag Spring Summer 2015 – Bewegungsfreiheit durch Flip Flops auf dem Laufsteg

Michael Sontag drapiert seit seiner ersten Kollektion Kleidung, die durch geplanten Zufall – oder Intuition am Körper entsteht. Von Anfang an lautete sein Motto „giving body space“, was er für jede Kollektion, ohne ein konkretes Konzept, sondern viel mehr durch Experimentieren neu interpretiert. Für den Designer ist dabei von großer Bedeutung zu verstehen, wie sich der Raum zwischen bewegtem Körper und Kleidung verhält.

In seiner Kollektion für Frühjahr-Sommer 2015 entstanden dabei, in Kooperation mit der Künstlerin Caroline Bayer, drapierte Kleider aus leichten Stretchstoffen, die zusammen mit stark dehnbarer Wirkware sehr natürliche Silhouetten bildeten. Die Nähte wurden besonders unauffällig verarbeitet, so dass die fließenden Stoffe sich wie eine zweite Haut an die Trägerin anschmiegten. Da Michael Sontag seine Models mit Flip Flops über den Laufsteg schickte, schienen deren Bewegungen unglaublich natürlich, mit einem Twist von sportlicher Eleganz. Nach dem überraschenden Comeback der Birkenstock Latschen, der Chanel Schau im Supermarkt mit Sneakers und den Neuinterpretationen der Adidas Originals Badelatschen von großen Designern wie Marni, Chloé, Isabel Marant und Marc Jacobs dürfte es nun keine Überraschung sein, dass auch Sontag auf flache Sohlen setzt. Der Grund dafür ist allerdings weniger der Trend, sondern mehr die Idee, dem Körper so viel Raum wie möglich zu lassen, so dass er sich natürlich und frei entfalten kann.

Die feinen Jerseykleider der Michael Sontag Spring Summer 2015 Kollektion wurden mit Elementen aus festen, gewobenen Stoffqualitäten, wie asymmetrische Röcke oder minimalistische Jacken kombiniert. Besonders war auch der transparente Chiffon und der experimentelle Umgang mit etwas grober gestrickten Stoffen. Diese rollten sich durch Zerschneiden ein und wurden dann locker über die Schulterpartie drapiert, so dass die äußeren Streifen natürlich von den Schultern rutschten. Bei einigen figurbetonten Outfits blitzte ein freier Rücken oder Bauch hervor, jedoch waren auch großzügig geschnittene Leinenhosen und gerade geschnittene bodenlange Kleider zu sehen. Die Farben blieben dabei überwiegend gedeckt: Schwarz, Grau und Off-white mit einigen natürlichen Gelbtönen, sattem Rot und frischem Türkis als Highlights.

Beim Anschauen der luftig leichten Kollektion konnte man nahezu erahnen, wie wunderbar sich die hochwertigen Stoffe und anschmiegsamen Schnitte sich an einem warmen Sommertag auf der Haut anfühlen. Das Haarstyling der Models im Sleek-Look und die eher im Hintergrund stehenden Accessoires unterstrichen das Gefühl von angenehmer Unbeschwertheit, das die Kollektion im Großen und Ganzen vermittelte. Selten sind exklusive Designs so bequem und tragbar.

Michael Sontags Annäherung an Mode ist ohne Zweifel atemberaubend und erinnert ein wenig an Yohji Yamamoto und Rei Kawakubos (Comme des Garcons) Idee davon, dass das Material auf dem Körper der Ausgangspunkt eines Kleidungsstückes ist – und nicht ein Konzept. Nicht nur mit dieser Schau, sondern auch mit seinem internationalen Erfolg beweist Sontag seit seinem Abschluss als Modedesigner an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Jahr 2008, dass es auch einen erfolgreichen Weg außerhalb kommerzieller Methoden und lauten Schauen gibt.

Autor: Vanessa Huss – Fotos: Mercedes-Benz Fashion
Michael Sontag Spring Summer 2015

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