Dienstag , 15 Oktober 2019
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UMASAN im Interview auf der Fashion Week Berlin SS 2015

Nach der Präsentation ihrer Spring/Summer 2015 Kollektion anlässlich der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin sprachen Anja und Sandra Umann im Interview mit Fashionstreet-Berlin über ihr veganes Label UMASAN, das Thema Nachhaltigkeit und zeitlose Mode.

UMASAN Interview mit Anja und Sandra Umann:

Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?
Ruhig, gelassen und im Detail spannend. Man muss zweimal hinschauen, um die Raffinesse und das, was das Design ausmacht, zu erkennen. Wir spielen wenig mit Farben, weil Farben oft ein Mittel sind, um schnell und plakativ Aufmerksamkeit zu erregen. Wir aber wollen den Träger und den Inhalt in den Vordergrund stellen.

Mit eurem Label nehmt ihr eine Pionierrolle in der veganen High-Fashion-Szene ein.
Hat Nachhaltigkeit ihren Durchbruch in der Modebranche schon erreicht?
Nicht wirklich. In den letzten Jahren gab es zwar eine große Entwicklung, aber wir sind noch nicht am Höhepunkt angelangt.
Viel zu oft leidet das Design unter der Nachhaltigkeit und zudem sitzt in den Köpfen vieler Konsumenten das verstaubte 90er-Jahre Image fest. Außerdem wird sehr viel Green Washing betrieben.

Wen wollt ihr mit eurer Mode ansprechen?
Genau diejenigen, die bislang die Finger von Nachhaltigkeit gelassen haben, weil sie das Gefühl hatten, das Design käme dabei zu kurz. Wir wollen Menschen erreichen, die das Thema Nachhaltigkeit bisher noch nicht im Fokus ihres eigenen Lebensstils gefunden haben, jetzt aber sehen, dass Mode nicht auf den ersten Blick nachhaltig aussehen muss.
Die Leute sollen wissen, dass Nachhaltigkeit nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern durchaus mit High-End-Design vereinbar ist. Wir wollen keine Nische, sondern eine breite Masse ansprechen.

Inwiefern und seit wann lebt ihr selbst vegan?
Wir leben natürlich selbst vegan, alles andere wäre unauthentisch. Wir haben sehr früh angefangen vegetarisch und später auch vegan zu leben. Das hatte den einfachen Grund, dass wir Fleisch nie sehr gemocht haben und somit war die Umstellung kein großer Verzicht. Mit der Zeit hat der Markt immer mehr Dinge herausgebracht, die uns dazu brachten noch einen Schritt weiter zu gehen: Innovationen, die beispielsweise eine Mangelernährung verhindern und Genuss auch ohne tierische Produkte ermöglichen. Vor ca. 6-8 Jahren trafen wir somit die Entscheidung komplett vegan zu leben.

Welche Pflanzenfasern verwendet ihr für die Textilproduktion?
Zum Beispiel mit Algen oder Zink angereicherte Fasern, Eukalyptus und Buchenholz.
Dabei spielt auch der kosmetische Aspekt eine Rolle, da die Fasern prädestiniert für Probleme wie sensible Haut oder Allergien sind.

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Wie schafft ihr es, eine Vertrauens- und Kontrollbasis mit euren Produzenten aufrechtzuerhalten, was die Einhaltung von Standards etc. angeht?
Das Schlüsselwort ist Nähe! Nähe zu unseren Lieferanten und Kooperanten.
Wenn man beispielsweise in Asien produziert, ist es sehr schwierig und aufwendig über so eine große Distanz hinweg Kontrolle auszuüben und Vertrauen zu gewinnen.
Unsere Produktionsbetriebe befinden sich alle im eigenen Land und auch unsere Stoffe beziehen wir ausschließlich aus dem deutschsprachigen Raum. So ist es viel einfacher Kontrolle auszuüben und beispielsweise die Reinheitsstandards sicherzustellen.
Wenn man an den Transport der Waren denkt, spielt bei der Lokalität natürlich auch der Umweltaspekt eine Rolle.

Eure Kollektionen sind fast ausschließlich schwarz. Wollt ihr dadurch die Zeitlosigkeit eurer Mode unterstreichen?
Auf jeden Fall. Wir wollen mit unseren Farben und Schnitten keinen Trends unterliegen, sondern Kollektionen kreieren, die sich nicht nur einen Saison auf dem Markt halten. Unser Ziel ist es stattdessen Lieblingsteile zu entwerfen, die über Jahre und Jahrzehnte hin getragen werden können. Außerdem ist schwarz mit allem kombinierbar.

Was sind eure wichtigsten Inspirationsquellen?
Das Leben ist die wichtigste Inspirationsquelle überhaupt! Das Alltägliche, Kulturen und Menschen in ihrer Substanz. Uns interessiert, wie die Menschen denken, wie sie arbeiten, wie sie sich bewegen und eben nicht nur das äußerlich Ersichtliche. Das ist es, was uns die entscheidenden Impulse gibt.

Angenommen die Nachfrage nach dem Trend „Nachhaltigkeit“ wächst. Würde sich euer Wachstum entsprechend anpassen?
Wir haben auf jeden Fall ein gewisses Wachstum einkalkuliert. Die Fasern, die wir verwenden, sind ausreichend verfügbar und schnell nachwachsende Rohstoffe. Das ist ein großer Unterschied zu Materialien wie z.B. Bio-Leder. Auch die Produktionsbetriebe in Deutschland freuen sich natürlich über mehr Arbeitsplätze.
Jedoch haben wir uns selbst den Anspruch eines gesunden Wachstums gesetzt.

Bei Veranstaltungen wie der Fashion Week spielen Oberflächlichkeiten und Kommerz eine große Rolle. Wie vereint ihr das mit euren persönlichen Überzeugungen?
Gerade hier haben wir die Möglichkeit den Menschen zu zeigen, dass Kommerz und Schnelllebigkeit nicht alles sind. Es gibt keinen besseren Platz, um an Menschen ranzukommen und ihnen eine Botschaft nahezubringen.
Klar, hatten wir zu Beginn das Gefühl, uns distanzieren zu müssen. Doch das ist nicht der richtige Weg. Konfrontation und Interaktion mit den Menschen sind das Wichtigste und es funktioniert, unser Konzept geht auf!

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit UMASAN!

Interview: Marlene B. und Vanessa Huss – Autor: Marlene Blaul  –  Fotos: KOWA-Berlin
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