Interview mit Haderlump Designer Johann Ehrhardt 2023

Interview mit Haderlump Designer Johann Ehrhardt – Weg zum Erfolg

Die Fashionstreet-Berlin Redakteurin Kiara Rodrigues führte im Juni 2023 mit dem Designer Johann Ehrhardt, Mitbegründer der aufstrebenden Modemarke Haderlump, ein spannendes Interview. Er gewährt uns 2 Wochen vor der Berlin Fashion Week SS24 einen Blick hinter die Kulissen seiner bemerkenswerten Karriere. Vom Handwerker als Kindheitstraum bis hin zur Teilnahme an renommierten Fashion Shows – sein Weg zur Erfüllung war voller überraschender Wendungen.

Interview mit Haderlump Designer Johann Ehrhardt

Fashionstreet-Berlin (FSB):  Früher war dein Traumberuf Handwerker. Jetzt baust du Mode?
Irgendwas, was mit Bauen zu tun hat, war immer geil. Das mit der Mode war damals mehr ein Zufall. In der 8. Klasse gab es einen Nähkurs, in dem eine Klassenkameradin war, die ich ziemlich süß fand. Wir konnten zwischen Holzhandwerk oder Nähen wählen. Natürlich bin ich dann zum Nähen gegangen. Das fand ich so cool, dass ich zehn Jahre später, angetrunken, in meinem Wohnzimmer meinem Mitbewohner erzählt habe, dass ich damals einen Nähkurs gemacht habe. Der meinte: ,,Geil. Lass uns doch mal mit dem Nähen anfangen.‘‘ Also habe ich angefangen zu nähen und nicht mehr aufgehört. Drei Jahre lang habe ich Zuhause in meinem Schlafzimmer nur vor mich her genäht. Irgendwann kam meine Nachbarin und meinte, ich sollte das studieren. Dann habe ich mich am Lette Verein beworben – hat direkt gekappt. Während des Abschlusses kam ein Freund und meinte, wir sollten doch was zusammen machen. Und als ich mein Studium anfing, kannte ich Chanel. Vielleicht noch Dior. Mehr nicht.

FSB: Gab es danach ein Projekt, das deine Karriere geprägt hat?
Ich glaube, dass das schönste Projekt, was ich je gemacht habe, nicht mal die Kleidung selbst war, sondern ein ganzes Projekt: letztes Jahr wurden wir irgendwann um 15:00 von der Stylistin Saskia Jung angerufen:,,Zoe Wees tritt morgen in Nürnberg bei Wetten dass? auf.‘‘ Wir sollten für sie bis zum nächsten Tag ein Outfit für die Bühne erstellen. Also haben wir schnell ein paar Zeichnungen geschickt und bis 17:00 Uhr grünes Licht bekommen. Danach sind wir ganz schnell in den Stoffladen geflitzt, haben die komplette Nacht durch genäht, um schließlich ein Outfit fertig zu bekommen, das sehr aufwendig war. Morgens um sieben sind wir ins Auto gestiegen, haben dann im Auto noch zu zweit die Pailletten angestesteckt und kamen dann direkt in die Hallen rein. Wir waren genau on Point fertig. Nach der Anprobe kam sie aus dem Backstage raus, hat mich umarmt und meinte: ,,Ich fühl mich grade so stark‘!‘ Das war schon schön. Danach saßen wir im Essensbereich, wo meine ganze Kindheit an mir vorbeilief. Zum Beispiel ABBA oder Joko und Klaas. Das war der Job und es war mega geil!

FSB: So viele spannende Projekte, aber du erwähnst gar nicht, dass du 2021 deine Ausbildung zum Modedesigner beendet hast und 2022 schon im Showroom auf der Paris Fashion Week gezeigt wurdest!
Genau, 2021 habe ich meine Ausbildung beendet. Am 7. Oktober 21 haben Julius und ich dann Haderlump gegründet und sind ins Atelier gezogen. Danach haben wir ein halbes Jahr lang eigentlich nur für Zoe Wees genäht und Einzelaufträge gemacht. Für Madame Tussauds Berlin, da hat sie jetzt eine Wachsfigur oder auch für ihre Auftritte bei Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon und den American Music Awards, das größte Musikfestival der Welt. 2022 waren wir dann über Arne Eberle beim Beliner Showroom in Paris dabei. Das war eine unglaubliche Erfahrung.

Champions League. Ein großes Learning. Wir haben gemerkt, dass wir da gerade noch nicht hingehören. Wenn du in Paris einen Showroom hast, dann versuchst du natürlich, Sales zu haben, zu verkaufen und vor allem viel zu verkaufen. Da stehen wir ein bisschen in der Zwickmühle, weil wir selbst eigentlich nicht auf Masse fertigen wollen. Wir möchten gerne On Demand bleiben und von Manufaktur Handwerk erzählen.

FSB: Wie habt ihr es geschafft, die Marke so aufzubauen?
Es ist viel Glück gewesen. Wir hatten diese zwei, drei Aufträge für Zoe und irgendwann hat sie dann gesagt, dass sie gerne nur noch von uns eingekleidet werden möchte. Dadurch haben wir am Anfang gar nicht erst dran gearbeitet, die Marke aufzubauen. Natürlich haben wir einen Onlineshop aufgemacht und ein bisschen an Basics gearbeitet, da haben wir uns auch sehr viel Mühe gegeben, aber wir waren am Anfang einfach viel mit Einzelaufträgen beschäftigt. Wir fangen erst seit einem halben Jahr so richtig an, die Firma aufzubauen. Aber ich kann nur jedem empfehlen, der eine Marke aufbauen möchte: kauft keine Basic-T Shirts aus Bangladesch, bedrucken sie hier sagt dann: ‘‘Wir sind eine nachhaltige Firma.‘‘ Ich würde empfehlen Klein anzufangen und dann zu schauen, wie es funktioniert.

FSB: Hattest du irgendwelche Schwierigkeiten?
Ich glaube, nicht die ganze Zeit an die Arbeit zu denken, war die größte Schwierigkeit. Es gibt nicht mehr so viel von dem Privatleben. Aber ich lerne gerade immer mehr, mich privat wieder wohlzufühlen. Inzwischen fahre ich immer mit meiner Freundin sonntags raus in die Natur, zu meinen Eltern nach Brandenburg. Das genieße ich. Freizeit ist sehr wichtig. Eine Work-Life-Balance werde ich in meinem Leben wahrscheinlich nicht mehr hinkriegen. Dafür arbeite ich einfach zu gerne. Aber ja, ein gesunder Ausgleich muss auf jeden Fall da sein, damit es nicht mehr erzwungen ist, sondern das, was du willst.

FSB: Hast Du und Dein Team Pläne für die Zukunft?
Nein ganz und gar nicht. Es geht eher darum, dass wir alle davon gut leben können und ein Team aufzubauen, mit dem wir uns superwohlfühlen. So was ist, glaube ich, unser Ziel. Wir müssen nicht im Luxussegment viele Millionen Umsatz machen. Es geht uns darum, dass wir hier niemanden ausnutzen und dass wir ein Team haben, das wir genießen.

FSB: Jetzt steht ja auch in 2 Wochen die Berlin Fashion Week an. Wie fühlt es sich an, seine Kollektion auf Shows vielen Menschen zu zeigen?
Ich muss sagen, die erste Show auf der Berlin Fashion Week hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Ich war sehr, sehr, sehr, sehr aufgeregt, einfach nur überfordert und die ganze Zeit hatte ich ein Zucken im Auge. Das ist kein gutes Zeichen. Jetzt ist es so, dass wir uns einfach darauf gefreut haben. Inzwischen sind wir ein Team, das sich schon gegenseitig kennt. Das heißt, wir wissen schon die Abläufe von der letzten Show. Dadurch ist viel Optimierungsarbeit reingekommen. Wir haben unsere Designprozesse verbessert, wodurch ich finde ich, dass ich zu 99% hinter der Kollektion ,,Opus Manuum‘‘, die wir jetzt rausbringen, stehe. Ich bin echt superglücklich und freue mich einfach darauf. Wir haben uns unglaublich viel Mühe gegeben. Auch für die Location, das ganze Setting, Setup und so weiter. Das Konzept handelt vom Handwerk. Dadurch, dass ich als Kind schon sehr gerne viel gebaut habe, fand ich Werkstätte schon immer schön, wodurch sie heute etwas superintimes, etwas superprivates für mich sind. Ich bin gespannt, was die Leute dazu sagen.

FSB: Bist du schon aufgeregt wegen der Berlin Fashion Week, oder ist es inzwischen Routine?
Ja, ich bin sehr aufgeregt! Es sind noch zwei Wochen, zwei Tage und drei Stunden. Ich bin unglaublich gespannt. Innerlich habe ich ein Gefühl von, ich bin vier Jahre alt und übermorgen ist Weihnachten. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mir ein super tolles Geschenk gewünscht habe, das ist auch bekomme. Trotzdem habe ich sehr viel Schiss, dass alles gut gehen wird. Das ist so meine innerliche Gefühlslage.

Das klingt sehr aufregend! Wir wünschen Johann Ehrhardt viel Erfolg und hoffen, dass die Show am 13. Juli 2023 ein voller Erfolg für ihn und sein Kollektion wird. Wir freuen uns schon sehr dabei zu sein.

Autorin: Kiara Rodrigues – Fotos: PR

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