DZHUS Spring Summer 2024 BFW Berlin

DZHUS Spring Summer 2024 BFW Berlin – Nachts im Museum

Es ist dunkel. Stockdunkel. Die Zuschauer tasten sich in einem schmalen Gang zu unseren Plätzen vor. Die Architektur des alten Telekommunikationsbunkers aus dem zweiten Weltkrieg strahlt eine abweisende Aura aus. Rund herum stammt die reizvolle, zeitgenössische Kunst aus Asien. Hier unten im “The Feuerle Collection” am Hallesches Ufer 70 ist man unter sich. Mittendrin, zeigte das Label DZHUS am 12. Juli 2023 seine luxuriöse Spring Summer 2024 Kollektion. Draußen ist zwar noch nicht die Sonne untergegangen, trotzdem spürt man ein Gefühl von Nachts im Museum.

DZHUS Spring Summer 2024 – Von Models und Mumien

Draußen ist es noch hell. Drinnen wurde es nie hell. Plötzlich erklingt dramatische Musik. Ein Seniormodel schreitet langsam vor sich hin, steif schiebt sie einen Fuß vor den anderen. Ihre Haare sind zerzaust, sie erinnert an eine Mumie. Haben die Models viel durchgemacht, sind sie gerade aufgestanden, ist Frankenstein mit ihnen verwandt oder tragen sie einfach eine zu lange Geschichte mit sich? An einer Säule nimmt die zombieähnliche Kreatur einen Platz ein.

Die DZHUS Kollektion erzählt jede Saison eine andere Geschichte. Dafür wird sie so geschätzt. Diese Show spielt Irina Dzhus auf die geschlechterspeziefischen Attribute in unserer Gesellschaft an, und vermischt die Grenzen zwischen Maskulinität und Femininität, in dem sie unabhängig von Alter oder Geschlecht ihre Mode dekonstruiert. Models, tragen sogar auffällig oft Tattoos und weichen vom klassischen Schönheitsideal ab. Nachts im Museum, beginnen beinahe alle ausgestellten Exponate, ihre Standorte zu verlassen und nun „herumzuwandern“.

Der Laufsteg als Atelier

Als letzte Station fängt die Designerin die Menschen gewordenen Wachsfiguren ab, und transformiert ihre Looks um. Jedes Mal, wenn die interaktive Präsentation beginnt, verändert sich das Licht, der Runway steht nicht mehr im Fokus, sondern auch sie.

DZHUS Spring Summer 2024 BFW Berlin

Neue Formen und Materialien prägen die monochromen Stücke. Irina Dzhus packt selbst an, drapiert, arrangiert und dekonstruiert klassische Elemente. Wir sehen eine Krawatte, die sich zu einem Abendkleid verwandelt, genauso wie ein Umhang, der sich öffnet und Uhren präsentiert. Zeit, die abläuft, als Symbol. Eine subtile Anspielung auf die ständige Präsentation von Luxusuhren und die kritische Reflektion über die Überproduktion in der Luxusbranche? Das Symbol der ablaufenden Zeit. Seit der Gründung 2010 besticht die ukrainische Marke durch ihren Mehrwert Gedanken – ethisch und tierversuchsfrei. Sogar der archetypische Schmuck wird zur Kleidung.

DZHUS in dunkler Transformation

Auch mit den letzten Look beweist Dzhus einmal mehr das sie die Meisterin der kühnen Transformation ist: Ein Male Model trägt einen BH aus zwei Caps, der zu einem Blazer verschmilzt. Die Caps rekonstruiert sie zu Tasche und Kopfbedeckung und bezieht sich auf die Wandlungsphase des nicht-binären Designs. Mutig, stellt sie die modischen Konventionen auf den Kopf. Das einzige was bleibt in der Mode, ist die Veränderung.

Autor: Marie Prinz – Fotos: Finnegan Koichi Godenschweger  

DZHUS Spring Summer 2024- Nachts im Museum – Runway Fotos

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