Samstag , 23 November 2019
Abury - Interview 2015

Abury – Interview mit Gründerin Andrea Kolb

Internationales Design mit traditionellem Handwerk verbinden. Dafür steht Abury, das Berliner Taschen-Label von Andrea Kolb. Genau diese Motivation zeigt sich auch in jeder einzelnen der liebevoll gestalteten Handarbeiten, egal ob lederne Umhängetasche, bunt besticktes iPad-Case oder Rucksack im Vintage-Look.

Abury ist aber nicht nur ein Taschen-Label, vor allem geht es Andrea Kolb neben traditioneller Handarbeit um Nachhaltigkeit, Fairness, Transparenz, Wertschätzung fremder Kulturen und soziales Engagement. Konkret heisst das, dass Abury seine Taschen in Ländern wie Morocco und Ecuador von dort ansässigen Näherinnen auf traditionelle Weise nähen lässt. Ehrlich, fair und transparent.

Goldene Abury-Tasche Traumfrauen 2015
Goldene Abury-Tasche vom Kinoplakat Traumfrauen.

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Fashionstreet-Berlin traf Andrea Kolb in ihrem Abury Store in der Kastanienallee in Berlin zum Gespräch über die Entwicklung ihres Labels, über die Message, die sie mit Abury nach Außen tragen will und über die Zukunft.

Andrea Kolb im Abury Interview

Andrea Kolb im Abury Interview
Andrea Kolb im Abury-Laden in Berlin Mitte.

 

Andrea, Sie haben das Label Abury 2011 als Start-Up gegründet. Wo stehen Sie heute?

Zuallererst einmal ist Abury für mich nicht nur ein Taschenlabel, sondern eine Plattform für Designer und Handwerk, wir fungieren praktisch als Katalysator für die Zusammenarbeit. Als ich Abury 2011 gegündet habe, war es anfangs vielmehr eine Idee, ein Gedanke und die Hoffnung, dass es funktionieren könnte. Die ersten beiden Jahre war es auch nur ein Projekt, ich wusste einfach nicht, was auf mich zukommen würde. Als ich aber immer mehr positive Resonanz bekommen habe, habe ich 2013 aus dem Projekt ein Unternehmen gemacht. Mit Abury habe ich eine Nische gefunden, die ich als Crafted Luxury bezeichne. Es geht darum, nicht einfach irgendwo hinzufahren und einen Container mit fertiger Ware zu kaufen. Es geht darum, mit den Leuten einer anderen Kultur vor Ort zusammenzuarbeiten und außergewöhnliche Handarbeit mit modernen Designeinflüssen zu mixen. Einzelstücke zu schaffen, die für etwas stehen. Mittlerweile sind wir mit Abury auf einem wirklich guten Weg, wir sind finanziell immer besser aufgestellt und werden immer bekannter. Nach wie vor ist das Internet unsere umsatzstärkste Verkaufsstelle und das soll auch so bleiben.

Ein Startup ist ein frisch gegründetes Unternehmen, das grundsätzlich vor allem auf einer guten Idee beruht. Finanzielle Ressourcen oder Investoren sind zusätzliche Bedingungen für die Umsetzung der Idee. Sie hatten damals bei der Gründung von Abury zusätzlich schon viel Berufserfahrung durch frühere Jobs und Anstellungen. Würden Sie heute hier stehen, wenn Sie nicht so viel berufliche Erfahrung gehabt hätten?

Grundsätzlich würde ich nie etwas ausschließen, denn alles ist möglich. Wenn man aber direkt nach dem Studium mit einer guten Idee durchstarten will, sollte man sich auf jeden Fall jemanden zur Seite holen, der in dem jeweiligen Bereich Erfahrung hat. Wenn du beispielweise Designer bist, würde ich mir jemanden zur Seite holen, der Ahnung von Buchhaltung hat, denn ich glaube, dass viele Ideen an bürokratischen Hürden scheitern. Niemand weiss alles, deshalb muss man sich öffnen und einen fremden Rat annehmen. Mir hat beispielweise Anita Tillmann geholfen, durch die ich bei der Premium-Messe ausstellen konnte. Da hat mir dann der Austausch mit anderen Labels viel gebracht, weil man sich viele banalen Dinge einfach abkucken konnte. Während dem ganzen Werdegang von Abury waren immer Menschen da, die uns unterstützt und uns geholfen haben.

Lassen Sie uns über die Designs der Taschen sprechen. Wie frei sind die Designer in ihren Ideen und in ihrem Schaffen?

Die Designer sind relativ frei was das Design angeht. Natürlich geben wir Ideen und Richtlinien vor, aber ansonsten können die Designer frei vor Ort agieren. Sie bekommen zwar ein Briefing aber keine engen Vorgaben. Natürlich kommt es dann auch mal vor, dass sie eine Kollektion oder Einzelteile entwickeln, die bei unseren Kunden nicht gut ankommen. – Wie beispielweise die Wollartikel aus Ecuador. Die Näherinnen dort hatten neben gestrickten Taschen auch Cardigans, Ponchos, Pullover und Schals gefertigt. Da wir aber nur mit Handarbeit arbeiten, ergaben sich Probleme bei den Passformen und Größen. Eine Näherin schlägt die Maschen nunmal etwas enger, die andere etwas loser und schon ist die eine 38 nicht gleich groß wie die andere 38. Aber solche Probleme lassen sich eben nicht vermeiden, man kann nur daraus lernen.

Andrea Kolb im Abury Interview 2015
Andrea Kolb im Abury-Laden in Berlin Mitte.

Orientieren Sie sich an Trends oder den Fashion Weeks?

Nein, Abury ist völlig gelöst von den Fashion Weeks. Genau das macht unser Label in meinen Augen so besonders. Obwohl wir uns dem internationalen Wettbewerb stellen, folge ich nicht den Regeln der Fashionindustrie, sondern entziehe mich hier praktisch wieder dem Wettbewerb. Unsere Taschen sind nicht trendspezifisch, sondern viel eher zeitlos.

Wie aber kommen dann die Richtlinien zustande, die Sie den Designern vorgeben?

Vor allem fragen wir unsere Kunden nach Feedback und Wünschen. Wir haben neben Frauen, die einmalig eine Tasche kaufen, auch viele treue Stammkunden, die bereits einige unserer Modelle besitzen und uns ganz einfach sagen, was sie sich sonst noch vorstellen oder wünschen würden. So entstand zum Beispiel die neue Kollektion Free People, mit der sich auch Frauen in einem gesetzteren Alter identifizieren können.

Die Kollektion ist männlicher, funktional, eleganter, die Taschen sind größer und praktischer. Die Kollektion bietet die perfekte Business, Tages oder Reisetasche, denn sie passt sogar auf einen kleinen Reisekoffer. Trotzdem bleiben die Stücke in der Abury-Tradition, denn es sind alles lederne, liebevoll gestaltete Klapptaschen.

Können Sie denn auf den Markt reagieren und wenn ja, wie schnell?

Ja, das auf jeden Fall, aber natürlich nicht von heute auf morgen. Im Notfall muss eine Kundin auf ihr Wunschmodell eben dann 2-3 Wochen warten, aber das sind ja immer noch überschaubare Zeiträume. Erstaunlicherweise haben wir aber generell immer positive Resonanz bekommen. Die Leute freut es viel eher, wenn wir ihnen sagen, dass sich da nun jemand in Morocco oder Ecuador extra für sie hinsetzt und speziell für sie eine einzigartige Tasche anfertigt.

Ganz aktuell herrscht zum Beispiel eine sehr große Nachfrage nach der goldenen Abury-Tasche, die die Schauspielerin Karoline Herfurth auf dem Kinoplakat zu Traumfrauen in der Hand trägt. Per Zufall ist die Autorin auf uns aufmerksam geworden und so landete die Tasche erst im Film und dann sogar auf dem Plakat. Dementsprechend war die Tasche auf einmal besonders gefragt.

Mit Abury wurde aus einem Projekt ein Unternehmen und für Sie eine Lebensaufgabe. Was sind Ihre Ziele?

Als erstes wollen wir ein weiteres Land in unsere Kartei, in der ja bisher nur Morocco und Ecuador sind, hinzuholen. Ganz konkret denke ich da an Rumänien, die Verhandlungen laufen auch schon. Ich wollte unbedingt etwas in Osteuropa machen, wir werden dort auch nicht nur Taschen herstellen, wenn auch der Fokus immer auf den Taschen liegen wird. Für Taschen sind wir bekannt, dafür steht Abury, deshalb steht das außer Frage. Nach und nach will ich dann mit immer mehr Kulturen zusammen arbeiten, das ist das größte Ziel. Dabei ist mir vor allem wichtig, dass die Basis in einem Land stimmt, die Produktionskette muss fair und absolut transparent sein.

Momentan sind wir finanziell noch nicht ganz sorgenfrei, das ist auch noch ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen. Im Moment bin ich einfach immer noch glücklich und stolz, was wir mit Abury geschafft haben und gespannt auf das, was wir mit Abury zukünftig noch schaffen und bewegen können.

Autor: Nathalie  –  Fotos: KOWA-Berlin / Abury
Abury – Interview mit Andrea Kolb

Abury Fashion Kollektion

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