Sonntag , 17 Februar 2019
FABTALKS 2019: B Corp and fashion

FABTALKS 2019: B Corp and fashion – using business as a force for good

Ein weiteres Siegel ist das wirklich nötig ? Pro-Plant, MSC, Fair Wear Foundation, Global Organic Textile Standard… Der Kunde ist überfordert und dies nicht nur beim Kleiderkauf sondern schon im Supermarkt. B Corp ist jedoch nicht nur ein Siegel, welches falsche Wahrheiten verspricht und den Konsumenten sein schlechtes Gewissen nehmen soll. Das aus den USA stammende Siegel fast mehrere in einem zusammen. Dabei wird nicht nur das Produkt bewertet, sondern die ganze Unternehmensstrategie. Im Fokus stehen sowohl ökologische als auch soziale Richtlinien.

Dies ist Thema des 20. FABTALKS im Schaltraum des Kraftwerks der Neonyt-Messe, dabei leitet Andrea Burg von Abury das Gespräch mit Bert van Son von Mut Jeans und Benjamin Marias von air Coop. Alle drei haben positive Erfahrung mit dem Konzept in ihren Unternehmen während den letzten Jahren gesammelt und erzählen begeistert davon wie sie davon profitiert haben.

B Corp – mehr Bewegung als ein Siegel

Der Buchstabe B steht für „Benefit“, somit für die positiven Auswirkungen und „Corp“ für Corporation (Unternehmen). 

Der Erfolg des Unternehmens ist somit nicht auf den eigenen Gewinn gerichtet, sondern auf den „Benefit“ aller. Die Punkte werden daran gemessen inwiefern die Aktivität des Unternehmens Auswirkungen auf seine Kunden, Mitarbeiter und die Umwelt hat. Die Kriterien der Bewertungen sind kostenlos zugänglich, dagegen kostet eine Zertifikaten eine jährliche Gebühr, welche jedoch an dem Gewinn des Unternehmens angepasst wird. Ganz schön fair. Alle zwei Jahre werden die Unternehmen erneut bewertet, wodurch eine ständige Verbesserung entsteht. Bei Problemen unterstützt das B Corp -Team.

Fragen sind zum Beispiel:

“Wie viel Prozent der Mitarbeiter gehören zu unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen ? (Dazu gehören Frauen, Monderheiten/ ausgegrenzte Bevölkerungsgruppen, Menschen mit Behinderungen und/oder Personen die in einkommensschwachen Gemeinden leben)” oder “Welcher Prozentsatz der Vollzeitbeschäftigten wurde im vergangenen Geschäftsjahr für Weiterbildungsmöglichkeiten vergütet? “

20. FABTALKS 2019

Die Zuschauer sind überwiegend weiblich, überraschen viele kennen bereits das Konzept hinter dem Siegel. Jedoch sind sie damit in Deutschland bisher leider noch in der Unterzahl. In 50 Ländern nutzen bereits über 2.600 Unternehmen diese Unternehmensstruktur. Im Modebereich davon bisher leider nur 92 Labels und davon auch nur 29 deutsche. Während in den USA sowie Italien die Regierungen das Konzept per Gesetz anerkannt haben, ist in Deutschland noch ein weiter Weg davon entfernt. Doch wie das Publikum bestätigt, der Drang nach einen Unternehmenswandel ist in der Bevölkerung stark zu spüren, viele neue Firmen arbeiten mit den selben Zielen.

Eine Community für Wissens- und Ideenaustausch

Groß mit dabei sind Unternehmen wir Patagonia, Ben & Jerry’s, Veja, Ecoalf und viele weitere bekannte Konzerne. Das Siegel soll den “Nachhaltigen-Konsumenten” bei seinem Kauf das finden von ökologischen und sozialen Produkten erleichtern. Aber viel mehr kommt aus der Diskussion heraus, dass die Mitglieder aus der Community untereinander profitieren. Bert van Son erzählt wie Dank dem Siegel sich ständig viele intelligente, junge Interessenten bei ihren Unternehmen melden, sie wurden über das Siegel auf sie aufmerksam und wollen für sie arbeiten. 

Unter den ‚Gleichdenkenden‘ besteht ein großer Wissens- und Ideenaustausch, der alle Beteiligten voran treibt. Mit B Corp hat sich eine internationale Community gebildet die ein klares Ziel einer besseren Welt, aber auch die gemeinsamen Probleme auf den Weg dorthin teilt.

Auch die Big boys folgen

Jedoch haben die drei Unternehmen (Mut Jeans, air Coop und Abury) einen Vorteil, sie waren von Beginn an mit dem Ziel gegründet, sozial-gerecht und umweltfreundlich zu handeln. 

Das Konzept hinter Mud Jeans beispielsweise wurde mit dem Verlangen nach moralisch tragbaren Jeans (das schmutzigste aller Kleiderstücke, welches ein Großteil der Menschheit aber besitzt) gegründet. Eine Mud Jeans kann der Kunde leasen und bei dem Bedarf nach Ersatz erhält der Kunde eine neue. Die alte wird recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet. Die Jeans bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und wurden nur mit Sauerstoff geblichen.

Denim, ein Unternehmen welches nicht aus soziale- oder umweltfreundliche Gedanken gegründet wurde steigt nun nach. Dabei hat das große Unternehmen mit viel größeren Strukturänderungen zu kämpfen. Jedoch können große Arbeitgeber wie Denim damit umso mehr bewirken. 

B Corp beweist mit seiner schnell wachsenden Zahl an Mitgliedern, dass ein Wandel in der Gesellschaft im Gange ist, ein Wandel weg von dem Profitdenken und hin zum Nutzen für Mensch und Natur. Jedoch würde dieser Wandel schneller vollzogen werden können, wenn von Seiten der Politik mehr Unterstützung kommen würde. Hoffnung bleibt, dass das neue Siegel Kunden, ins Auge springt und die Nachricht dahinter um die Welt geht.

Autor: Luise Zimmermann – Fotos:

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