Samstag , 24 August 2019
INVANMAN Interview 2015 Fashion Week

IVANMAN – Interview mit Designer Ivan Mandzukic auf der MBFW SS16

Am ersten Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin im Juli 2015 präsentierte Ivan Mandzukic die neue Kollektion seines Menswearlabels IVANMAN. Fashionstreet war vor der Show backstage und hatte die Chance, ihn zu interviewen.

Hallo Ivan, ich bin Sophie von Fashionstreet Berlin.
Hi.

Danke erstmal, dass wir dir heute ein paar Fragen stellen können. Ich leg gleich mal los. Wie fühlst du dich?
Ich bin entspannt.

Kannst du grad noch ein bisschen durchatmen vor der Show?
Jetzt wird es hier gerade ein bisschen stressig. Wir müssen langsam anfangen, die Proben zu machen. Aber ich bin immer entspannt.

Hast du irgendein Ritual, um dich auf die Präsentation deiner Kollektionen vorzubereiten?
Eigentlich nicht, wir haben es eher zu unserem Brauch gemacht, zu wissen, wie alles läuft, damit der Ablauf funktioniert. Das schaffen wir, weil wir meistens schon mindestens eine Woche vor der Show mit allem fertig sind.

Die Frage hörst du wahrscheinlich andauernd, aber mich würde brennend interessieren, was deine Inspiration für die Kollektion war oder was das Thema ist.
Ich habe eigentlich nie eine Inspiration, an der ich alles fest mache, weil mich das einschränken würde. Für mich ist eine Inspiration ein Alltag. Wenn ich mir zum Beispiel eine Farbe heraussuche, dann sehe ich sie plötzlich überall – auf der Straße oder in meinem Atelier. Alles an einem ganz gewöhnlichen Tag kann mich inspirieren, vor allem Menschen und Gebäude. Aber ich habe schon irgendwie immer ein Leitthema.

Und was war das bei dieser Kollektion?
Hier war es „Barton Fink“.

Der Film von den Coen-Brüdern?
Genau, aus den Neunzigern.

Interessant.
Ja. Solche Sachen sind keine konkrete Inspiration, sondern eher etwas, dass mir Kraft gibt.

Hast du ein Lieblingsoutfit aus der aktuellen Kollektion?
Hmm, also diesmal habe ich viel mit Strick experimentiert und die drei entstandenen Looks gefallen mir am besten.

Kannst du mir sagen, was für einen Typ Mann du in deinen Outfits siehst?
Ich finde das schwierig zu sagen. Wenn ich Kollektionen erarbeite, denke ich natürlich auch auf der kommerziellen Ebene. Wenn man meine Sachen auf dem Laufsteg sieht, denkt man immer, dass es sehr laut und farbig ist, aber letztendlich wirkt alles eher ruhig, wenn es im Laden hängt. Und im Einzelnen sind die Sachen ja recht klassisch – ich meine, ein Hemd kann jeder tragen.

Das stimmt. Mir gefällt sehr gut, dass deine Sachen sich immer irgendwie am Rande der Tragbarkeit bewegen. Man braucht schon ein bisschen Mut als Mann, um deine Farbwahl in den Alltag zu integrieren.
Genau, aber in den Schnitten sind sie ja dafür meist klassisch gehalten. Ich sehe mich auch manchmal nicht als typischer Designer, sondern eher als Stylist, der seine eigenen Sachen macht. Als Einzelteile sind die Sachen alle tragbar, für die Show wird spannend gestylt.

Das Spiel mit Farben ist für deine Entwürfe ja sehr wichtig. Hast du eine Lieblingsfarbe oder entscheidest du je nach der Wirkung, die du erreichen willst?
Ich habe nur eine Hassfarbe: Pink.

Pink? Wir sind uns aber einig, dass wir hier gerade davon umgeben sind, oder?
Ja. (lacht) Ich nehme es trotzdem oft in meine Kollektionen, weil es gut zu kombinieren ist.

2004 bist du hier her gekommen – Siehst du Berlin als die perfekte Stadt für die spannenden pinkgeladenen Looks an oder glaubst du, die passen eher woanders hin?
Ich liebe Berlin. Es ist inzwischen meine Heimat. Berlin hat es mir erst ermöglicht, so etwas wie Design überhaupt zu machen. Aber ob ich meine Entwürfe hier wirklich sehe, weiß ich nicht so recht. Ich hoffe, dass meine Sachen in Zukunft allgemein im Ausland präsenter werden.

Könntest du dir auch vorstellen in eine ganz andere Stadt wie New York oder London zu ziehen?
New York mag ich eigentlich nicht besonders, aber London gefällt mir sehr. Aber Berlin wie gesagt auch.

Hast du hier in der Stadt einen Lieblingsort?
Die Phillharmonie.

Lässt du dich eigentlich auch durch deine serbische Herkunft beeinflussen?
Nein, überhaupt nicht. In Serbien habe ich mich als Kind in der Schule sehr oft nicht verstanden gefühlt und heute sehe ich Berlin mit all seinen Möglichkeiten wirklich als mein Zuhause an. In dieser Stadt kann ich machen, was ich liebe.

Um nochmal kurz auf deine Laufbahn einzugehen: Du kommst eigentlich eher aus der Informatikbranche, nicht wahr? Was hat dich letztendlich dazu bewegt, in die Richtung Mode zu gehen?
Ich denke, das kam dadurch, dass ich schon immer eine große Vorliebe für das Theater, die Kostüme und das Bühnenbild hatte. Außerdem habe ich während meines Studiums in Aachen viel mit Architekten zusammengearbeitet. So bin ich dann irgendwie in den kreativen Bereich gekommen, aber habe mir auch minimalistische Züge abgeguckt.

Das sieht man deinen Entwürfen auch an. Sie wirken immer strukturiert und trotzdem irgendwie originell. Du arbeitest im Großen und Ganzen ja immer sehr intuitiv. Kannst du mir vielleicht trotzdem kurz beschreiben, wie sich so eine Kollektion bei dir entwickelt? Ich meine, kümmerst du dich „nur“ um die Entwürfe oder bist du auch für Sachen wie Schnitt und Fertigung zuständig?
Arbeiten und an allem beteiligt sein ist für mich wichtig. Ich bin nicht so ein Designer, der nur rumsitzt und Anweisungen gibt. Einen großen Teil der Arbeit mache ich selbst, auch beim Nähen, weil ich es nicht ertragen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Dann hoffen wir mal, dass gleich alles gut läuft. Wirst du nach der Show erstmal ein paar Tage Pause machen oder schwirren dir schon wieder Ideen für deine nächste Kollektion im Kopf herum?
Am 12. Juli fliege ich erstmal nach Antwerpen, danach kann ich eine Pause einlegen.

Ach stimmt ja, du bist für den Internationalen Woolmark Preis nominiert. Glückwunsch, nebenbei. Was genau würde es denn für dich bedeuten, diesen Preis zu gewinnen?
Nun, auf der einen Seite gibt es ein Preisgeld von bis zu 100.000 australische Dollar, womit man ja schon größer und aufwendiger durchstarten kann. Und auf der anderen Seite erhält man eben eine Menge internationaler Aufmerksamkeit.

Ich drücke dir dafür und für die Show ganz fest die Daumen! Danke für das Interview!

Das Interview führte: Julia Sophie Hellmann – Foto: KOWA-Berlin

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