Samstag , 23 März 2019
Seefashion 15 Modenschau

Seefashion 15 – Graduate Show der Weißensee Kunsthochschule Berlin

“Sieg Am 17. Oktober 2015 fand in der weitläufigen Räumlichkeit der Station-Berlin die Modenschau Seefashion 15 statt. Studenten der Weißensee Kunsthochschule Berlin zeigten ein vielseitiges Spektrum an Einzelarbeiten und interdisziplinären Projekten. Die ehemalige Bahnhofshalle war atmosphärisch durch Lichtspiele erfüllt und bot den Gästen die Möglichkeit, sich schon vor der Show mit den Arbeiten zu befassen.

Seefashion 15 - Leonie Baumann - Weißensee Kunsthochschule Berlin
Leonie Baumann, Rektorin an der Weißensee Kunsthochschule Berlin

Fotos hingen an großen weißen Rahmenstellwänden, optimal beleuchtet durch Neonlampen, die teilweise wie zufällig umgefallen auf dem Boden lagen – eine für die Kunsthochschule typische analytisch-konzeptionelle Raumgestaltung. Die Modenschau wurde von der Rektorin Leonie Baumann mit einer kurzen Rede eingeleitet, wo auch gleich auf die Pause zur Hälfte der Präsentation hingewiesen wurde. Wir haben den Hinweis bei weit über 200 Outfits dankend aufgenommen, denn es wurden neben den Graduate Kollektionen auch viele weitere, teilweise sehr sehenswerte Pieces gezeigt.

Autor: Julia Sophie Hellmann – Fotos: KOWA-Berlin

DIE FOTOS DÜRFEN WEDER KOPIERT NOCH VERÖFFENTLICHT (zB. Facebook) WERDEN!
Anfragen zur Fotonutzung an: Jens@kowa-berlin.com

Seefashion 15 – Modenschau der Weißensee Kunsthochschule Berlin 2015

Frank Salewski – „Smalltown Boy“

Bevor die Präsentation des Master-Absolventen Frank Salewski begann, war auf dem Beamer ein comicartig illustriertes Gesichtsprofil zu sehen, bei dem die Tränen flossen. Dann betraten seine männlichen Models den Laufsteg. Charakteristisch war ein großflächiges und cleanes Patchwork, das die schwarzen Looks durch grüne und rote Akzente brach. Sowohl die Stoffwahl als auch Schnitte und Details verkörperten einen angenehmen Mix aus Business, Funktionalität, Sportlichkeit und Ästhetik. Kaum ein Stück war anliegend, alles hatte leichten Oversize-Charakter. Innovative Ansätze fanden sich in illustrativen Stickereien, wobei ein Auge wiederkehrendes Element war und in einer Stoffbearbeitung, bei der sich gummiartige, aufgesetzte Strömungen auf transparentem Textil fanden. Die Outfits wurden passend mit Mützen und Dr. Martens kombiniert.

Entwurfsprojekt – Plastisch-experimentelle Formfindung WS 2014/15

Nachdem die Musik sich bis zum Limit gesteigert hatte konnte man eine Vielfalt an Textilkombinationen und asymmetrischen Schnittexperimenten bewundern. Mal standen Falten und Volants im Vordergrund, mal lockere Stoffteile, die wie vergessene Fetzen herumflatterten. Hier und da sah etwas unfertig oder zerschlissen aus. Einige Entwürfe muteten leicht und sommerlich an, andere waren eher skulptural und formten den Körper durch korsettartiges Auftreten. Es wurden viele monochrome Looks gezeigt, gebrochen wurde das Bild oft durch neonfarbene Akzente. Layering und Stoffwahl ließen oft auf kulturell beeinflusste Inspirationen schließen. Besonders interessant waren Details aus Lasercut-Plexisglas mit innovativem Charakter, während braune Papiertüten als Accessoire eher konzeptionelle Tiefgründigkeit vermuten ließen.

Judith Bondy – „Qu’avant“ (dt.: „wie zuvor“)

Die Bachelor-Kollektion der Studentin Judith Bondy wurde durch die Beziehung  von Mann und Maschine inspiriert. Die Farbpalette unterstützt das Konzept durch eine Reduktion, die sich auf Rot und Grau beläuft. Rot steht dabei für den Mann, den menschlichen Körper, sein Blut. Grau oder Silber soll mit der Maschine assoziiert werden. Zu sehen waren Outfits, die in ihrer Farbwahl monochrom waren, aber sich schnitttechnisch und detailbezogen durch facettenreiche Kontraste auszeichneten. Locker-fließende Teile trafen auf feste Strukturen und Strumpfhosen bildeten die unterste Layering-Schicht. Neben seidigen und transparenten Stoffen gab es Knitwear und Wollstoffe. Besonders interessant ist die Tatsache, dass Stoffe handgewebt sind, in Zusammenarbeit mit einer Textilstudentin. Großen Wert wurde auf Accessoires gelegt, die hier sehr ungewöhnlich ausfielen: transparente Gürtel, Geschirre aus dünnen Plastikschläuchen, Metallplättchen vom Baumarkt und Kunsthaare, die sich an Ketten oder in Ärmeln fanden.

Lisa Mensching – „Emotionen“

Die edle Kollektion der Bachelor-Studentin Lisa Mensching ist an die Theorie der Basisemotionen des amerikanischen Anthropologen und Psychologen Paul Ekman angelehnt. Die Outfits sind von den Emotionen Wut, Trauer, Furcht, Überraschung, Freude und Ekel inspiriert, sollen diese jedoch nicht ausdrücken. Durch die Wahl der Stoffhaptik entstanden Werke mit klassischer Anmutung, die sich auch in der Farbwahl wiederspiegelte, die vor allem Schwarz, Rot, Beige und Rosé umfasste. Eine Vielzahl von Techniken wie Sieb- und Digitaldruck oder Strick, sowie die Verwendung theatralischer Federn auf einer Jacke sorgte bei näherem Hinsehen für eine moderne Note.Ein schöner Blickfang waren die ringförmigen Ketten, an denen lange Fransen hingen.

Anne-Katrin Rülicke – „12 Beaufort“

Die Bachelor-Absolventin Anne- Katrin Rülicke präsentierte sportliche Looks, die sich durch eine Mischung von klassischen und experimentell-futuristischen Stofflichkeiten auszeichneten. Die innovative Materialwahl verdeutlichte sich in erster Linie durch einen matten Kunststoff, aus dem tolle Jacken entstanden. Das Spektrum der Farbigkeit umfasst zu Anfang Weiß und Türkis, später wird es durch ein anthrazitfarbenes Outfit ergänzt. Neben den fließenden weiten Schnitten bildete ein Plastikrucksack mit Rolllasche einen Blickfang. 12 Beaufort steht als Windstärke für einen Orkan. Die Beaufortskala findet viel in der Seefahrt Verwendung und es lässt sich vermuten, dass die Designerin sich durch die schäumenden Wellen auf hoher See, den Wind und die dunkle Tiefe des Meeres inspirieren ließ.

Lena Chabrova und Kristina Huber – „Sieg über die Sonne“

Die Bachelor-Absolventinnen Lena Chabrova und Kristina Huber thematisieren mit dem Titel “Sieg über die Sonne” die bahnbrechende gleichnamige Oper und die russische Avantgardebewegung des Jahres 1913. Das Russische Museum in St. Petersburg zeigt in einer Dauerausstellung die originalen   Kostüme, die die beiden Studentinnen ausgehend von Skizzen Kasimir Malewitschs rekonstruiert haben. Am 13. April 2015 präsentierten die Designerinnen bereits ihre Arbeit mit musikalischer und filmischer Untermalung. Aufbauend auf eine Rekonstruktion starrer Skulpturen-Kostüme und einer Eigeninterpretation der Designerinnen entstand eine Kollektion mit tragbarem Charakter. Zu sehen waren hauptsächlich Weiß- und Graunuancen, die von kräftigen Farben gebrochen wurden. Patchwork fand im Schnitt keine Verwendung, wurde im Print jedoch gekonnt eingesetzt. Ebenso verfuhr man mit der Asymmetrie, die nicht an der Form, jedoch manchmal an der Farb- oder Musterwahl zu erkennen war. Eine  aufregend gecuttete Netzspitze und blinkende Schuhe zogen die Blicke auf sich. Bei näherem Hinsehen wurden rough edges, Löcher und zerschlissene Teilstücke sichtbar. Die Formen der Stücke waren größtenteils kastig und voluminös, Volumen wurde vor allem in die Ärmel gelegt.

Experimentelle Raumcollage – Entwurf und Gestaltung eines Kleides SS2015

(Alina Rentsch, Laura Beham, Laura Lührmann, David Quast, Anna-Maria Lösel, Luisa Kleemann, Anne Bellinger, Irina Hefner, Alma Johanna Hagen, Peter Reinholdt, Golo Pauleit, Nadine Bakota)

Die Studenten des Grundstudiums gestalteten im Zuge dieses Projektes Papier- und Materialcollagen, aus deren zweidimensionalen Ansätzen sich später dreidimensionale Objekte entwickelten. Dabei stand das Spiel von Materialien, Texturen und Farben im Vordergrund, so dass letztendlich kontrastreiche menschliche Collagen entstanden. Es wurde ein breites Spektrum gezeigt, dass viele Gegensätze aufwarf: steife und fließende Stoffe, Transparenz und Undurchsichtigkeit, Naturfarben und künstliche Töne, Glanzoptik und matte Anmutung, Futuristik und Klassik, Minimalistik und Extravaganz.

Cornelia Bölke – „Heritage“

Die Kollektion der Bachelor-Absolventin Cornelia Bölke wurde von elektronischer Musik mit arabischem Touch eingeleitet. Die Designerin zeigte Männer und Frauen, die allesamt Hosen trugen. Für die Oberbekleidung hatte sie Hemdformen neu interpretiert und modern aufgearbeitet. Die Kollektion vermittelte einen locker-lässigen Flair, was durch Sonnenbrillen und flaches Schuhwerk unterstützt wurde. Im Gesamtbild vermittelten die Sachen auch oftmals ein angenehmes Unisex-Gefühl, das beispielsweise durch überschnittene Schultern erzeugt wurde. Ein Businesscharakter ließ sich in den ursprünglichen Schnittformen vermuten und blieb durch einen Nadelstreifen-Stoff präsent. Neben den grundlegenden Blauabstufungen und Weiß boten neonfarbene Teilstücke oder Einfassungen hier und da einen Blickfang.

Mira Hardt – „Crossing Lines“

Party!!! Techno-Beats ertönen und die Entwürfe der Master-Studentin Mira Hardt rocken den Laufsteg. Wie der Titel “Crossing Lines” schon vermuten lässt spielt diagonale Linienführung eine große Rolle und wird in Form von Wickeloberteilen und -Röcken umgesetzt. Linien finden sich in dieser Kollektion an den verschiedensten Stellen: Stoffen überlappen sich, Linien kreuzen einander, manche sind dominant, andere fein. Asymmetrie wirkt immer genau durchdacht. In Schnitt und Stoff kommen Längs- und Querbetonungen vor. Gekonnt spielt die Designerin mit verschiedensten Stoffqualitäten wie Mash, Satin und Leder. Pastelltöne harmonieren mit Schwarz, Weiß und einem satten Orange. Auf Schmuck wird verzichtet, aber der Hals wird nur selten vollkommen unbedeckt gelassen. Es wird eine sportlich-schicke Eleganz erzeugt. Die Vermittlung von einnehmender Persönlichkeit sorgt für eine extravagante Anmutung, dennoch sind die Sachen tragbar und für verschiedenste Anlässe geeignet.

Apolda Strick- und Textilworkshop SS2015

Im Zuge des 15. Strick- und Textilworkshops arbeiteten acht Firmen aus den Bereichen Textil-, Strick- und Lederwaren in Apolda (Kreis Weimarer Land) eine Woche mit Designstudierenden von vier europäischen Designschulen. Dazu gehörten neben der Weißensee Kunsthochschule Berlin die Esmod Paris, die Hochschule Trier und die Designskol Kolding. In einem „experimentellen Lehrraum“ konnten die Studenten des Hauptstudiums ihre Kollektionen unter den Themen „Les Fleurs du Mal“ (Gedichtband von Charles Baudelaire), Power Flower und Enchanted Wild entwickeln und produzieren.

Carine Kuntz und Alexander Gaertner produzierten interessante Textildrucke, die sich zwar an natürlichen Inspirationen bedienten, jedoch abstrakte Gebilde zeigten. Ein männliches Model war von Kopf bis Fuß in einen Neonprint gekleidet. Strickelemente wurden bei dem Designteam mal großflächig eingesetzt, mal nur als Detail verwendet.

Céline Kesselring zeigte sehr feminine Entwürfe, bei denen sie oftmals camelfarbenes Leder zweilagig verwendete. Ein wichtiges Element war die Schnürung in der Taille durch eine schmale Kordel.

Schon fast exzessives Layering war bei Nam Nguyen zu sehen, wo Transparenz und Festigkeit aufeinander trafen und asymmetrisch übereinander gelegt wurden. Das Spektrum der Farbigkeit blieb überwiegend hell und monochrom, was für sommerliche Leichtigkeit sorgte.

Lina Phillis Falkner erschuf kleine Kunstwerke, deren Schwarz-bis-Weiß-Palette, durch bunte fotografische Pflanzen-Prints gebrochen wurde. Auffallend waren die Stückelung der einzelnen Schnitte und deren markante Sichtbarkeit durch farbig abgesetzte Ränder.

Dina Kemmerling und Johanna Liebl zeigten ein recht breites Sortiment Teilen, die mit einem wiederkehrenden Muster versehen waren. Typisch war eine cleane Optik, bei der verschiedene Stoffe in einem Kleidungsstück ohne Patchwork-Charakter kombiniert wurden.

Hannah Maria Schmutterer – „New Romantics – Basic Forms of Anxiety“

Überwältigend. Tatsächlich schuf Hannah Maria Schmutterer mit ihrer Bachelor-Kollektion eine Abfolge einnehmender Kunstobjekte, die die Grenzen zwischen Romantik, Beklemmung, Kitsch und Ästhetik zu überbrücken scheinen. Passend dazu spielten Violinen und die Models trugen als Accessoire in ihren Händen Dekorationsgegenstände wie Kerzen und später dann Kameras.Sie wirkten behangen wie Weihnachtsbäume. Die Entwürfe waren extrem weit und voluminös, der Körper war kaum noch zu erahnen. Das Sortiment war zu Beginn recht monochrom und hell gehalten, umfasste jedoch bald auch Blau- und Rottöne. Es war augenscheinlich die detailreichste und aufwendigste Arbeit des Abends. Die Vielfalt an Stofflichkeiten und Techniken war nur zu erahnen, sogar Gips wurde hier verwendet.

Pina Riederer – „I have no time for Avant-Garde“

(aus „Megalopolis“/Constanza Macras, Dorky Park)
Die Bachelor-Absolventin Pina Riederer zeigte eine vergleichsweise minimalistische Kollektion, in der sie klassische Elemente der Damenmode modern aufgearbeitet hatte. Ihre stilvolle Asymmetrie nahm den Outfits, die Härte und verminderte die Businessoptik die sonst durch Hosen und Blazerformen entstanden wäre. Glänzende Textilien sorgten für das Gewisse Etwas. Ein kräftiges Royalblau kehrte immer wieder, mal als ganzer Stoff mal als Teil eines großen Musters in Kombination mit Rot und Violett. Der teilweise architektonische Stil wirkte vor allem aus der Nähe, wo man klare und unverspielte Drapierungen oder Stoffbearbeitungen bewundern konnte.

Ylenia Gortana – „Back to the Boys“

Zurück zu den Wurzeln. Zurück in die 70er, wo die Latzhose Szeneobjekt war. Hier innovativ aufgefasst von der Bachelor-Absolventin Ylenia Gortana. Ihre Menswear-Kollektion war geprägt von weiten Hosen und Mänteln. Dabei gab es einen unübersehbaren Kontrast von altmodischen Materialien wie Samt, Sporttextilien und Stoffen mit Science-Fiction-Anmutung. Westen und Bomberjacken wirkten aufgeplustert und voluminös. Große aufgesetzte Taschen brachten ein geometrischen Flair mit sich. Neben den silbernen Nieten war der aufgedruckte Schriftzug “Back to the Boys” ein cooler Hingucker.

Aileen Klein – o.T. 04/2015

Drama, Baby! Die Bachelor-Absolventin Aileen Klein präsentierte eine theatralisch wirkende Kollektion, die uns ein mysteriös-anmutiges Frauenbild vor Augen führte. Schwarz, Crème, Hellgrau, Rosé und Bordeaux wurden fast ausschließlich monochrom verwendet und auf vielschichtige Stoffkombinationen in einem Outfit wurde verzichtet. Elegante Formen sorgten für einen subtilen Sexappeal. Hier und da gab es eine Taillenbetonung, aber meist wurde das Auge eher durch die Unwissenheit angeregt, die die weit fließenden Schnitte erzeugten. Überlange Ärmel und hohe Krägen waren  wiederkehrende Elemente. Schön waren auch die farblich angepassten hohen Lederstiefel, die sich Knöchel stauchten. Der Hingucker waren allerdings transparente plissierte Formen, die rund nach oben und zur Seite standen und zum Teil das Gesicht der Models verdeckten.

Lina Phillis Falkner – „Allerleirauh“

Besonders viel Mut zur Unkonventionalität bewies unter anderem die Bachelor-Absolventin Lina Philis Falkner. In undurchschaubaren, asymmetrischen Lagen kombinierte sie verschiedenste Stoffqualitäten und Farben. Obwohl farbkräftige fusselige Wollmäntel in Gelb und Grün zu sehen waren, vermittelte die Kollektion wahrhaft Leichtigkeit. Häufig waren die Teile in der Taille zusammengebunden. Die Ungewissheit, wo Anfang und Ende jeweiliger Teile waren, gab den Looks etwas geheimnisvolles, ohne dabei theatralisch verstellt zu wirken. Besonders schön waren die weiten Hosen, die an den Seiten geschlitzt waren. Insgesamt entstanden Outfits, die immer interessanter wurden, je länger man sie betrachtete. Durch die Schnitte wirkte vieles japanisch, durch die Farben schlichtweg märchenhaft, niemals jedoch kitschig.

Sabrina Weigt – „Cultivated Naivete“

Der Titel “Kultivierte Naitivität” passt bei der Kollektion der Master-Absolventin Sabrina Weigt wie die Faust aufs Auge. Kindliches Grün und Royalblau harmonieren mit hellen warmen Tönen. Skandinavisch anmutend schlichter Minimalismus wird aus der Entfernung vermittelt. Bei näherem Hinsehen ist die durchdachte Perfektion erkennbar, die von Details wie einem Klickverschluss oder einer Bauchtasche, die am Rücken getragen wird, lebt. Subtile Weiblichkeit verschwimmt mit einem Bild der Bequemlichkeit, das durch die angenehme Stoffwahl und die oft lockeren, körperumspielenden Schnitte erzeugt wird. Teilweise sommerlich wirkende Looks kontrastierten mit einer eher winterlichen Stoffwahl, die auch einen Grobstrick umfasste und die plissierten Formen zu etwas Besonderem machte.

Tobias F. Müller (for Arys)

Der Master-Absolvent Tobias F. Müller begeisterte mit einer ausgewogenen Menswear-Kollektion. Die Farbpalette bliebt vorwiegend im dunklen Schwarz-Grau Bereich und harmonierte mit den Sport- und Funktionstextilien. Hosen mit tiefem Schritt, Bomberjacken und weite Hosen vermittelten eine Lässigkeit, die durch Hemden und Jacken gebrochen wurde, sodass ein sportlich-elegantes Männerbild mit einem Hauch Szene-Charakter entstand. Bei der Arbeit mit architektonisch-geometrischen Elementen waren vor allem die riesigen Layering-Kapuzen ein Hingucker. Alles in allem eine schöne und relativ tragbar Kollektion – und ja, wir würden uns freuen, wenn solch ein Stil mehr Verbreitung fände.

Chi-Mai Schreiber – „Team BFF“

Eine sehr experimentelle Kollektion wurde von der Bachelor-Absolventin Chi-Mai Schreiber präsentiert. Sie zeigte eine schürzenartige Asymmetrie mit umgewickelte-Decke-Charakter. Dabei spielten Drapierungen und Überlappungen eine ebenso wichtige Rolle wie große Knopfbuttons und riesige farbige Nieten. Textilien wie Cord harmonierten mit schimmernden Materialien und farbig eingefasste Säume rundeten das Gesamtbild ab. In der Farbigkeit hielt sich die Designerin nicht zurück und arbeitete mit bis zu vier kontrastierenden Farben pro Outfit.

Post Category Utopia SS 2015

(Johanna Liebl & Dina Kemmerling, Cecilie Schou Gronbeck, Regina Weber, Dennis Eichmann, Maria Günther)

Im Hauptstudium haben sich die Studenten der Weißensee Kunsthochschule Berlin dem Projekt “Post Category Utopia” gewidmet und sich damit gegen das kategorische Denken der heutigen Zeit gewendet. Mit diesem visionären Ansatz haben sie Looks geschaffen, die sich über Regeln und Normen hinwegsetzen, die durch kein Schönheitsideal geschaffen oder verdrängt werden sollen. Dabei haben die Designer ganz verschiedene Ansätze gewählt. Oft wird die menschliche Figur als solches verändert, verdeutlicht, ironisiert. Weiblichkeit und Männlichkeit sind nicht länger Vorschriften oder Grundsätze, nicht mal mehr Richtlinien, der individuelle Ausdruck ist alles, was zählt. Es wurde viel mit Asymmetrie gearbeitet. Oft sehen die Sachen auseinandergenommen und neu zusammengesetzt aus. Verdeckte Gesichter verbieten es uns, die Objekte zuzuordnen, in eine Schublade zu stecken – und alles, was uns übrig bleibt, ist, sie vollständig wahrzunehmen. Ein sehr interessanter Ansatz, der ausdrucksstarke Modelle geschaffen hat.