Dienstag , 26 Mai 2020
HAW Hamburg @ NEO.Fashion 2020 – Graduate Show

HAW Hamburg @ NEO.Fashion 2020 – Graduate Show

Am Abend des 13. Januar fiel der Startschuss zur Fashion Week Berlin 2020 im Rahmen der Neo.Fashion. Die Veranstaltung gilt als einzigartige Plattform für junge Designer. Neun Modeschule aus ganz Deutschland zeigten ihre besten Abschlusskollektionen vor Fachpublikum und Modebegeisterten. Bereits letztes Jahr nahm die Hochschule für angewandte Wissenschaft – HAW – an dem Event teil. Dieses Jahr hatten neun Absolventen die Ehre, ihre Kollektionen zu präsentieren.

HAW Hamburg @ NEO.Fashion 2020

Charlotte Strindberg

Der Kollektionsname “Lilith 2.0” war für das Nachwuchstalent zugleich der Anfang des Designprozesses. Die Sage um Lilith, Adams erste Frau, die sich nicht ihrem Mann unterordnen wollte und darum aus dem Paradies floh, war Ausgangspunkt der Entwürfe. In der Show verlieh Charlotte Strindberg klassischen Herrenstoffen eine neue Weiblichkeit. Dies gelang  durch den Einsatz großflächiger Karo- und Hahnentritt-Stoffe in Kombination femininer Streublümchen-Muster. Die oftmals kantige Silhouette verlieh den Models eine besondere Präsenz. Außerdem baute sie durchgehend Sockboots und Bodys mit Handschuharmen ein. Darauf gedruckt war das Hahnentrittmuster in knalligem Blau, Magenta und Grün. Kleidungsstücke, die ebenso gut vom Vetements-Laufsteg stammen könnten. Insgesamt gelang es ihr wunderbar, Kunst und Alltagstauglichkeit zu vereinen.

Joséphine Sagna

Bei dieser Abschlussarbeit wurde der Pinsel geschwungen – im wahrsten Sinne des Wortes. Joséphine Sagna ließ unter dem Titel “Painting Fashion” ihre Leidenschaft für die Malerei einfließen. Dazu flocht sie immer wieder Pinsel in ihre Designs ein. Mal zierten sie die Schuhe, dann wieder die kastigen Sakkos und Mäntel.

Sarah Niederau 

Das Werk “Psychologie der Kleidung” von 1929 war die Grundlage der Kollektion von Sarah Niederau. Darin beschreibt der Psychoanalytiker John Carl Flügel die Wichtigkeit der Kleidung für die Persönlichkeit und das Leben der Menschen. Er vergleicht die Kleidung dabei mit dem Panzer einer Schildkröte, ihrem Zuhause, in den sie sich bei Gefahr zurückzieht. In der Kollektion “Insight Out” griff die Hamburger Designerin diese schützende Wirkung auf, indem sie die Zeltplane einer Jurte für ihre Designs verwendete.

Sonja Hormann

“Disintegration” – Auflösung. Das war das Kernthema der Masterarbeit aus Hamburg. Dazu entwickelte Sonja Hormann verschiedene Hand- und Maschinen-Stricktechniken, Färbungen, Batiken und Drapagen. Die transparenten Stoffe mit edler Batik-Optik erfüllten ihr Ziel, organische Formen zu erfinden, die mit dem Körper eine Einheit bilden. Hinzu kamen Strickhosen und -oberteile im Destroyed-Look und mit glitzernden Akzenten.

Catharina Holtgrave

Unter dem Titel “Verlanden” thematisierte die Designerin den Zusammenhang von Ursprung und Identität. Dazu setzte sie sich mit der eigenen familiären und geographischen Herkunft – der Niedergrafschaft Bentheim – auseinander. Die Moorlandschaft des Gebiets spiegelte sich auch in der Farbwahl wieder. Dunkle Grüntöne dominierten das Konzept. Dazu kombinierte Catharina Holtgrave ein gedecktes Lila und Jeansstoff. Besonders waren die geschickten Raffungen durch neongrüne Schnüre und die Holzelemente an der Kleidung. Dazu schickte sie die Models in großen Holzschuhen über den Laufsteg. Eine ansprechende Kombination von Natur und Moderne.

Margarete Geisler

Utility-Wear ist zurzeit allgegenwärtig in der Modebranche. Eben dieser Trend wurde durch die Bachelor-Kollektion “Under Construction” mit einer Prise Gesellschaftskritik gewürzt. Margarete Geisler befasste sich mit der Geschlechtertrennung in der Berufswelt. Die Kleidung sollte der Diskriminierung der “schwachen, schutzbedürftigen” Frau Ausdruck verleihen. Die Reflektoren und Leuchtfarben sollen als Zeichen der Sichtbarkeit der Frau in Männerberufen verstanden werden. Die Sicherheitsgurte und der starre Stoff stehen wiederum für die erschwerten Verhältnisse.

Katharina Rasch

Ein beiger Baumwollstoff mit weißem Streifen war das Herzstück der Abschlussarbeit “61° 7′ S, 55° 11′ W”. Der sperrige Name entstammt der Trans-Antarctic Expedition unter Sir Ernest Shackleton im frühen 20. Jahrhundert. Dieses geschichtliche Ereignis stieß die Auseinandersetzung mit dem Kollektivgedanken und der gegenwärtigen Spaltungsgesellschaft an. Katharina Rasch entwarf eine uniformelle und trotzdem individuelle Kollektion, in dem weit ausgestellte Schnitte dominierten. Die Schlichtheit und klare Linie machten die Kollektion zu einer der tragbarsten Präsentationen des Abends.

Céline van de Loo

In ihrer Arbeit nutzt die Absolventin oft gebrauchte Kleidungsstücke als Vorlage und Reflexion über Mode. Unter dem Titel “Die Bedeutung des Objekts. Eine Sammlung” liefen die Models in Vintage-T-Shirts und Upcycling-Röcken über den Runway. Die Praxis des Sammelns und die sentimentale Beziehung zwischen Mensch und Objekt betonte Céline van de Loo durch das Layering und die vielen Details. Auffällig war eine Art abstrakter Minion aus Schaumstoff. In überdimensionaler Größe wurde er wie ein Rucksack getragen. Außergewöhnlich waren auch ein Blazer, Korsagenkleid und eine Hose. Für diese Kleidungsstücke verwendete die Designerin ein leicht transparentes, wie Latex aussehendes Material.

Maximilian Lüers

Das Ende der HAW-Darbietung läutete “Die Unheimliche Frau”, die Kollektion von Maximilian Lüers, ein. Ihn inspirierten die Darstellungen der Frau durch surrealistische Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Diese Werke nutzte er, um ein zeitgenössisches, surrealistisches Frauenportrait zu schaffen. Neben den improvisierten Schnabelschuhen in High-Heel-Form, fiel vor allem der Materialmix auf. Beherzt griff er zu Kunstleder, Fake Fur, Animalprint, Glitzer u.v.m. Trotz der großen Experimentierfreude, war ein roter Faden durchweg zu erkennen.

Autor: Lisa Beusch – Fotos: KOWA-Berlin

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