Kilian Kerner AW 2022

Kilian Kerner Herbst Winter 2022 – Interview zu “Claudette & Rico”

Kilian Kerner präsentiert seine Herbst Winter Kollektion 2022 mit einem völlig neuem Konzept – er stellt ein Drehbuch auf die Beine! Und dieses kann sich sehen lassen. “Claudette und Rico” ist eine moderne Liebesgeschichte zwischen einer Prinzessin und einem Boxer, die durch ihre Zeit miteinander den Weg zu ihrem Wahren Ich finden. Wie der deutsche Designer auf diese Idee gekommen ist, die liebsten Momente seiner Karriere und welche Dinge ihn in der Modebranche beschäftigen beantwortet uns Kerner im Interview mit Fashionstreet-Berlin:

Fashionstreet-Berlin (FSB): Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen für deine Arbeit?
Inspirationen passieren tatsächlich einfach. Also, ich setze mich gar nicht hin und sage: „Okay, was kannst du jetzt tun?“ Es kommt einfach im alltäglichen Leben. Dieses Mal war es zum Beispiel so, dass ich eine Kollektion für eine Bühnenshow gemacht habe, die durch den Boxsport inspiriert war. Das fand ich cool und wollte mehr in diese Richtung machen. Ich bin nach bestimmt 10 Jahren wieder einmal Bus gefahren und da ist mir dieses Thema mit der Liebesgeschichte zwischen einem Boxer und einer Prinzessin eingefallen. Die Geschichte von zwei Menschen, die in ihrer Welt gefangen sind und hinauswollen. Dann dachte ich mir: „Okay, das hört sich an wie ein Drehbuch, das ich durch und mit Kleidung umsetzen möchte. Nämlich die Geschichte, wie sie sich beide durch den anderen verändern und anfangen, ein neues Leben zu führen.

FSB: Welche neuen Erfahrungen hast du durch dieses Konzept, also der Verwendung eines Drehbuchs, gesammelt?
So etwas gab es bis jetzt wirklich noch nicht. Es hat mir sehr viele Türen geöffnet.

Die Geschichte handelt von sehr eigenen Charakteren. Claudette ist keine Prinzessin, die einer üblichen Prinzessin entspricht. Sie hat gar keine Lust auf das Hofleben und liebt zum Beispiel Süßigkeiten und Pizza, was aber eigentlich auf dem Schloss untersagt ist. Wenn sie alleine ist, was öfters mal passiert, nimmt sie ihr Zweithandy und bestellt sich Pizza.

Ein anderes Beispiel ist das Staubsaugen. Sie liebt Staubsaugen und wird auch nicht gerne von Personal umsorgt. Sie nimmt eine andere Identität an, wenn sie alleine auf dem Schloss ist und dann trifft sie auf Rico. Sie verlieben sich in der ersten Sekunde und beginnen dann quasi zusammen, sich zu finden. Und dadurch wurde zum Beispiel vieles möglich, also ich habe die ganzen Eigenheiten – welche beide Figuren mitsichbringen – begonnen in meiner Kollektion einzubauen. Wie sieht man beispielsweise, dass Claudette gerne Pizza isst oder gerne Staub saugt? Beim Versuch, das alles in meine Kollektion einzubinden, entstanden ganz lustige Sachen und auch Partnerschaften, die wir so auch noch nicht hatten.

Es wird nun zum Beispiel eine „Kilian-Kerner-Calzone bei Call a Pizza “ auf der Fashion Week geben, und auch auf dem Catwalk wird es noch eine Überraschung geben. Außerdem war ein Partner für Dessous wichtig! Unsere Kleider sind ohne Futter, also transparent. Das machen wir gezielt, denn die Frau kann heute tun und lassen was sie will! Und wenn sie Bock hat transparente Kleider zu tragen, dann macht sie das ebenfalls. Ganz eng zusammengearbeitet habe ich deshalb mit „mey“, der Unterwäschen Firma, die es liebt zu provozieren.

FSB: Du baust Partnerschaften und Accessoires ein, die sich gedanklich eigentlich überhaupt nicht mit der Branche verknüpfen lassen – also jetzt zum Beispiel Wasserflaschen, wie kommt es zu diesen Ideen?
Mode ist doch nicht nur mehr Mode. Die Branche wandelt sich und immer mehr Dinge werden zu Trends. Man unterhält sich heutzutage über so viel mehr. Und in meiner Geschichte und Kollektion ist das Thema des Sportlers präsent. Da liegt es auf der Hand, dass auch Staatl. Fachingen Wasser eine Rolle spielen kann. Es ist eine Abendkollektion, auch für den Mann, und ich wollte auch Rico darstellen und welchen Einfluss auch Claudette auf ihn hat – dass er eben nicht mehr in Jogginghosen herumläuft. Es war jetzt klar, es würde keine kurzen Boxerhosen geben, aber man soll trotzdem erkennen, um welchen Beruf es sich handelt. Das sind so Sachen, die ich mir gedacht habe und ich habe immer schon mit Partnern gearbeitet, weil ich einfach finde, dass man sich dadurch weiterentwickelt. Deswegen waren die gewünschten Kooperationen für mich auch sehr klar.

FSB: Was bedeuten Partnerschaften für dich?
Ich mochte das immer schon, Partnerschaften zu leben, weil man auch einfach dadurch lernt. Ich habe durch vergangene Kooperationen schon so viele Einblicke bekommen. Man lernt wie die anderen arbeiten. Mir macht das einen riesen Spaß! Und ich weiß selber, es ist eine Show mit sehr vielen Kooperationen, aber es handelt sich um eine Kollektion, wo es einfach funktioniert. Warum soll ich es dann nicht machen? Ich finde es auch lustig. Also ich bin mir sicher, es werden komische Augen dabei sein, die sagen, warum haben wir jetzt Staubsauger? Aber machen wir uns nichts vor, würde Balenciaga einen Staubsauger auf den Catwalk bringen, würden alle vor Jubel schreien.

FSB: Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für dich in deiner Arbeit?
Da ist die Frage: „Wo fängt Nachhaltigkeit an und wo hört sie auf ?“ Ich benutze zum Beispiel überhaupt kein echtes Leder mehr in meinen Kollektionen, das ist für mich ein absolutes No-Go geworden. Ich produziere in Polen, also in Europa. Alles in Deutschland zu produzieren, ist einfach schlichtweg zu teuer, dann kann sich die Klamotten keiner mehr leisten. Man muss erstmal überlegen, wo fängt nachhaltiges Arbeiten an und wo hört es auf. Ich versuche das, Schritt für Schritt immer besser zu machen. 

FSB: Also das heißt, du würdest Nachhaltigkeit definitiv als etwas ansehen, was wichtig ist, in der Modebranche zu beachten?
Ja, aber das nimmt auch rasant zu! Also ich finde, dass schon sehr viele Marken und Unternehmen auf einem sehr guten Weg sind. Man bekommt immer mehr gute, nachhaltige Kleidung, die nicht aus komischen Stoffen hergestellt wird. Man kann nur nicht erwarten, dass sich alles innerhalb von einem halben Jahr dreht, das ist einfach nicht machbar.

FSB: Was bewegt dich sonst noch aktuell in der Modebranche?
Menschen, die sich darüber aufregen, dass die Modewelt nicht divers genug ist. Dann fragt man sich: „Ja, was bedeutet denn Diversität in der Modewelt? Geht es wirklich nur darum, wie groß, klein, breit oder schmal jemand ist – oder bedeutet Diversität nicht viel mehr als das, wie z.B. Herkunft, Nationalität, …  hier ist die Modewelt schon sehr lange sehr divers. Welcher Catwalk ist denn nicht divers, von den Menschen her, die darüber laufen? Models jeglicher Herkunft werden schon immer gebucht. Das sind so Dinge in der Mode, die sich in der Gesellschaft vielleicht auch mal ändern müssen. Diversität gibt es schon lange und für mich ist Diversität nicht Kleidergröße oder die Größe und die Höhe eines Menschen, sondern die Vielfalt der Menschen, wo sie herkommen und was sie für eine Geschichte mitbringen. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die ich ohne die Mode niemals kennengelernt hätte, aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern.

FSB: Was magst du sonst an der Modebranche? Was gefällt dir in dieser Welt, in der du lebst?
Was ich an meiner Leidenschaft liebe, ist, dass ich einfach das, was ich fühle, ausdrücken kann mit meiner Arbeit. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich sehr privilegiert lebe, weil ich, mit dem, was ich liebe, Geld verdienen und mich ausleben kann. Dessen bin ich mir bewusst und das schätze ich sehr!

FSB: Was war denn für dich in deiner Karriere der schönste oder emotionalste Moment bis jetzt?
Das ändert sich natürlich immer, also da gibt es nicht diesen einen Moment. Es gibt mehrere Momente, an die ich mich erinnere. Meine allerallererste Fashion Week Show 2008, das war sehr emotional. Als ich mein erstes Jubiläum hatte, die 10. Kilian-Kerner-Show auf der Fashion Week, das war hochemotional. Den ersten Shop, den ich in London eröffnet habe, das war mein 35. Geburtstag – ein wahnsinniges Gefühl. Der Abend mit Suzy Menkes zum Beispiel, der war Wahnsinn und er hat sehr viel in meiner Karriere damals verändert. Oder meine Tenniskollektion gehört auch absolut zu den Highlights, die ich jemals gemacht habe. Das sind so Momente, die sind so besonders. Die kann man auch mit keinem Geld der Welt bezahlen. Die letzte KILIAN KERNER Show war auch besonders, weil ich dann nach 12 Jahren nicht mehr Single war und mein Freund in der 1. Reihe gesessen ist. Das sind alles so Momente, die so bedeutend für mich sind. Die Mode hat mir schon sehr viele bedeutende Momente geschenkt.

Autor: Carina Haitszinger – Grafik: PR/FSB

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